Finanzaufsicht prüft Transaktion und Meldeschwellen Geely-Einstieg bei Daimler wirft Fragen auf

Größter Daimler-Aktionär - und zugleich Konkurrent: Geely-Chef Li Shufu

Größter Daimler-Aktionär - und zugleich Konkurrent: Geely-Chef Li Shufu

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Der überraschende Aufstieg des chinesischen Autobauers Geely zum Großaktionär von Daimler  ruft die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan. "Wie in anderen vergleichbaren Fällen sehen wir uns natürlich an, ob die Stimmrechtsveränderungen bei Daimler rechtzeitig gemeldet wurden", sagte eine Bafin-Sprecherin am Montag.

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Geely-Eigner Li Shufu hatte am Freitag überraschend bekannt gegeben, er kontrolliere fast zehn Prozent an Daimler. Meldeschwellen für Übernahmen gibt es ab drei Prozent. Der Coup löste Skepsis ebenso wie Zuversicht aus. Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth trat Sorgen über die Zukunft des Dax-Konzerns mit seinen gut 280.000 Mitarbeitern entgegen: "Der neue Investor unterstützt unsere Strategie und das Management voll und ganz. Es sind keine Jobs gefährdet", sagte Porth der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die amtierende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) äußerte sich kritisch: "Wir müssen das besonders aufmerksam betrachten", sagte sie "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" am Montag. Nach ihren Worten wäre es problematisch, wenn Daimler mit einem Vertreter von Geelyeinen Konkurrenten in den Aufsichtsrat ließe. Das ist allerdings längst keine ausgemachte Sache. Der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer aus Baden-Württemberg erklärte, der neue Großaktionär könne eine Chance für Daimler sein.

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Gerüchte über Lis Kaufpläne für Daimler-Aktien gab es schon seit Ende letzten Jahres. Zypries sagte, die unternehmerische Entscheidung wolle sie nicht bewerten, und Deutschland begrüße als offene Volkswirtschaft marktkonforme Investitionen. Andererseits dürfe die Offenheit "nicht als Einfallstor für industriepolitische Interessen anderer Staaten benutzt werden." Der 54-jährige Geely-Chef, Abgeordneter des Volkskongresses in China, hat Insidern zufolge gute Verbindungen zu Präsident Xi Jinping.

Li zu Besuch in Stuttgart und Berlin

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Li besuchte einem Insider zufolge Daimler-Chef Dieter Zetsche am Montag in Stuttgart und wollte auch im Kanzleramt vorstellig werden. Der chinesische Autobauer strebt eine Allianz mit den Schwaben an, um sich bei selbstfahrenden und elektrischen Autos gegen die Konkurrenten aus den USA Tesla  , Google  und Uber zu wappnen.

Li hatte Insidern zufolge dem Premium-Autobauer im vergangenen Jahr vorgeschlagen, in Wuhan ein Gemeinschaftsunternehmen für Elektroautos aufzubauen und wollte sich an Daimler über eine Kapitalerhöhung beteiligen. Beides habe der Dax-Konzern abgelehnt, weil die Schwaben ihren bewährten Partner BAIC nicht vergrätzen wollten.

Daimler und BAIC bauen Fabrik in Peking

Der Geely-Chef, ein seit 1997 im Autogeschäft engagierter Milliardär, ließ den Deal jetzt unter anderem vom ehemaligen Morgan-Stanley-Banker Dirk Notheis einfädeln, wie Insider sagten. Dieser war am spektakulären und letztlich gescheiterten Versuch einer Übernahme von Volkswagen durch Porsche vor zehn Jahren beteiligt. Er wollte sich auf Anfrage nicht zu Geely äußern.

Just nach Bekanntwerden von Shufus Großkauf kündigten BAIC und Daimler an, 1,5 Milliarden Euro in einen zweiten Produktionsstandort in Peking zu investieren, auch zum Bau von Elektroautos. Das Gemeinschaftsunternehmen BBAC werde "auch in Zukunft eine zentrale Rolle für Mercedes-Benz in China spielen", erklärte Daimlers China-Vorstand Hubertus Troska.

BAIC-Chef Xu Heyi lobte die über zehn Jahre lange Partnerschaft. Er buhlte früher ebenfalls, bislang erfolglos um Daimler-Anteile. Wie das "Handelsblatt" ohne Angaben von Quellen berichtete, hat das Daimler-Management Bedenken über zu viel Einblick von Li in seine Strategie, da der Chinese den kleinen Pkw-Konkurrenten Volvo Cars besitzt und Hauptaktionär von Volvo Nutzfahrzeugen, einem Rivalen von Daimler Trucks, werden will. Porth sagte der FAZ hingegen, er habe keine Indizien, dass Geely ins tägliche Geschäft eingreifen wolle.

Daimler-Betriebsrat hat "noch keine Beschwerden" über Geely gehört

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Die Arbeitnehmervertreter des Stuttgarter Konzerns sträubten sich unterdessen nicht gegen den chinesischen Großaktionär. Betriebsrats-Chef Michael Brecht erklärte kürzlich, von den Volvo-Kollegen keine Beschwerden über Geely gehört zu haben. Die Arbeitnehmervertreter wollten sich intensiv mit den Auswirkungen des Einstiegs der Chinesen, insbesondere auf die Sicherheit von Standorten und die Arbeitsplätze in Deutschland, auseinandersetzen, erklärten sie.

"Unsere Erwartung gegenüber Li Shufu ist, dass er langfristiges Interesse an Daimler hat und unser Unternehmen gemeinsam mit den Beschäftigten weiterentwickeln will." Roman Zitzelsberger, IG-Metall-Bezirksleiter von Baden-Württemberg und Daimler-Aufsichtsratsmitglied, erklärte, es sei abzuwarten, wie Geely sich verhalte. Schließlich gehe es nicht um eine Übernahme von Daimler. Die Erfahrungen mit Eignern aus China in den Unternehmen sei bisher positiv. "Chinesische Investoren führen sich nicht wie die Axt im Walde auf", sagte er.

la/reuters
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