Montag, 20. Mai 2019

Autobauer hebt Prognose an Daimler schließt Strafen im Dieselskandal nicht aus

Dieter Zetsche

Daimler traut sich nach dem kräftigen Zuwachs im ersten Quartal im Gesamtjahr mehr Gewinn zu als bisher. Absatz, Umsatz und das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sollen 2017 ebenfalls deutlich steigen, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch mit.

Das wäre beim operativen Gewinn ein Plus von mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 12,9 Milliarden Euro. Bisher hatten die Schwaben einen "leichten" Anstieg in Aussicht gestellt, was einem Gewinnzuwachs von 2,5 bis zehn Prozent entspricht. "Hinter uns liegt ein äußerst erfolgreiches Quartal. Vor uns liegt eine Vielzahl an Möglichkeiten für weiteres profitables Wachstum", erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche.

Bei Absatz und Umsatz verspricht Daimler nun ein Plus von mehr als 5 Prozent. In der Hauptsparte Pkw erwartet der Weltmarktführer für Premiumfahrzeuge dank neuer Modelle wie der E-Klasse und SUVs höhere Verkaufszahlen als bisher. Auch Sonderfaktoren wie günstigere Wechselkurse, der Erlös aus einem Immobilienverkauf und ein höherer Buchwert für die Beteiligung am digitalen Kartendienstleister Here ermöglichen eine höhere Jahresprognose als bisher. Die Titel des Dax-Konzern notierten im frühen Handel auf dem Frankfurter Börsenparkett 1,3 Prozent im Plus.

Wie der Autobauer bereits Mitte des Monats bekannt gegeben hatte, war das Ebit im ersten Quartal dank eines hohen Pkw-Absatzes und einiger Sonderfaktoren mit vier Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum.

Mercedes baut Position als Weltmarktführer im Premiumsegment aus

Der Autobauer profitiert derzeit vor allem vom rasanten Absatzwachstum der Pkw-Kernmarke Mercedes-Benz. Im ersten Quartal hatte die Stammmarke 560.625 Autos verkauft - ein Plus von 16 Prozent. Daimler hat damit seine Position als Weltmarktführer im Premiumsegment, die der Konzern im vergangenen Jahr nach langer Zeit BMW abgejagt hatte, verteidigt. Die Münchner lieferten von ihrer Kernmarke von Januar bis März 503.445 Exemplare aus, ein Plus von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die VW-Tochter Audi verkaufte im ersten Quartal weltweit 422.600 Fahrzeuge, das sind 7,3 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Die Umsätze kletterten entsprechend im ersten Jahresviertel um 11 Prozent auf 38,8 Milliarden Euro. Unterm Strich verdoppelte sich der Gewinn von Daimler Börsen-Chart zeigen auf 2,8 Milliarden Euro nach 1,4 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.

Die Hauptsparte Pkw fuhr eine Rendite von 9,8 Prozent ein nach nur 7 Prozent im schwach ausgefallenen Auftaktquartal 2016.

Absatz von Dieselautos bei Mercedes zuletzt gestiegen

Von der allmählich sinkenden Nachfrage nach Dieselautos, die durch den Abgasskandal bei VW und die Diskussion über Fahrverbote verursacht wird, spürt Daimler bisher nichts. "Auf europäischer Ebene sehen wir kaum Veränderungen im Anteil", sagte Finanzchef Uebber. Der Diesel-Absatz sei bei Mercedes wegen des Marktwachstums noch gestiegen. Auch seien die Restwerte von geleasten Dieselfahrzeugen, die Daimlers Finanzsparte in den Büchern stehen hat, nicht gesunken.

Daimler schließt Geldstrafen im Dieselskandal nicht aus

In Deutschland und den USA laufen noch Ermittlungen der Behörden, ob auch Mercedes bei der Abgasbehandlung gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen hat. Der Konzern betont, sich an die Vorgaben gehalten zu haben. Doch es sei nicht ausgeschlossen, dass die Behörden zu dem Schluss kämen, dass in Mercedes-Benz Dieselfahrzeugen möglicherweise unzulässige Funktionen enthalten seien, hieß es bereits im Geschäftsbericht für 2016. Erhebliche Geldstrafen oder Rückrufaktionen wären möglich.

"Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass die vorgenannten Risiken erhebliche nachteilige Auswirkungen auf unsere Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage haben könnten", bekräftigte Daimler. Eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen den Autobauer wegen irreführender Werbung zu emissionsarmen Diesel-Autos wird am Donnerstag vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt.

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rei/reuters/dpa

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