Daimler zeigt sich nach Rekordjahr vorsichtig Zetsche steuert Daimler zum Rekordgewinn - und nimmt jetzt den Fuß vom Gas

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat im vergangenen Jahr eine berauschende Rekordfahrt hingelegt. Der Ausblick aber enttäuscht die verwöhnten Aktionäre. Bereitet Zetsche die Investoren wegen hoher Investitionen doch auf stagnierende Gewinne vor. Und dann ist da noch die Sache mit den Affenversuchen, deren Folgen sich für Daimler nur schlecht einschätzen ließen.
Lob fürs Vergangene und durchaus skeptischer Blick in die Zukunft: Daimler-Chef Dieter Zetsche zur Bilanzpressekonferenz

Lob fürs Vergangene und durchaus skeptischer Blick in die Zukunft: Daimler-Chef Dieter Zetsche zur Bilanzpressekonferenz

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Dieselkrise, Kartellvorwürfe, steigender Euro - all das konnte Daimler im vergangenen Jahr offensichtlich nichts anhaben. Der Stuttgarter Autokonzern hat 2017 deutlich mehr Autos verkauft und Bestwerte bei Umsatz und Gewinn eingefahren. Für das laufende Jahr 2018 rechnet Konzernchef Dieter Zetsche zwar mit weiter steigenden Umsätzen. Wegen hoher Investitionen in neue Modelle und neue Technologien geht das Unternehmen aber von einem stagnierenden Vorsteuergewinn auf Niveau des Jahres 2017 aus.

Die verwöhnten Aktionäre nehmen trotz steigender Dividende den lauen Ausblick zunächst etwas verschnupft zu Kenntnis: Die Aktie von Daimler  rutscht am Donnerstag in der Spitze um mehr als 2,6 Prozent ab.

Daimler verbuchte 2017 einen Umsatz von 164,3 Milliarden Euro - 7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, teilte Daimler am Donnerstagmorgen mit . Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 10,9 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von rund 24 Prozent. Vor Steuern konnte Daimler das Ergebnis (Ebit) um 14 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr steigern.

Den weltweiten Spitzenplatz beim Verkauf von Premiumautos hatte Daimler im vergangenen Jahr gegen den Rivalen BMW verteidigt. 2,29 Millionen Autos der Kernmarke Mercedes-Benz wurden verkauft und damit 9,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Eingedenk der Nutzfahrzeuge kletterte der Absatz um 9 Prozent auf insgesamt 3,27 Millionen Fahrzeuge. Dazu trugen sowohl die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars (+8%), Mercedes-Benz Vans (+12%) als auch Daimler Trucks (13%) bei.

Dividende soll auf 3,65 Euro steigen

Die Dividende je Aktie soll um 40 Cents auf 3,65 Euro steigen. Die Ausschüttungssumme klettert damit laut Daimler auf den Rekordwert von 3,9 (Vorjahr: 3,5) Milliarden Euro. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses ist das eine Dividendenrendite von rund 5 Prozent, rechnet vor Finanzchef Bodo Uebber in Stuttgart vor - und damit eine "äußerst attraktive Verzinsung", wie er befindet.

Auch sonst geizt das Management nicht mit Lob: Den Mitarbeitern von Daimler "ist es zum wiederholten Mal gelungen, den Rekord des Vorjahres zu brechen", sagt Zetsche. Jeden von ihnen will das Unternehmen mit 5700 Euro Erfolgsprämie bedenken.

"Kerngesund und hochprofitabel" sei Daimler. "Wir sind stolz drauf." Das aktuell gut laufende Kerngeschäft sei das "wirtschaftliche Rückgrat". Dessen Ertragskraft will Zetsche nutzen, um in die Zukunft zu investieren. Zum Beispiel in elektrische, autonome, vernetzte Autos und Lastwagen sowie in den Aufbau von Mobilitätsdiensten.

Erste Robotertaxis ab 2020 - und eine Verbeugung vor den Affen

Die ersten komplett autonom fahrenden Robotertaxis will Daimler in den frühen 2020er-Jahren auf die Straße bringen. Bis 2022 will der Konzern mit Investitionen von 10 Milliarden Euro die gesamte Mercedes-Modellpalette elektrifizieren - und nicht nur das. "Mit der gleichen Konsequenz elektrifizieren wir unsere Nutzfahrzeuge", kündigt Zetsche nun an. So sollen auch alle gewerblichen Baureihen in den kommenden Jahren mit Elektroantrieb zu haben sein.

Klar wird in Stuttgart: Daimler darf und will sich nicht auf sieben Jahre Rekordabsatz in Folge ausruhen. So bereitet Zetsche den größten Umbau seit der Trennung von der US-Marke Chrysler 2009 vor: Die Konzernfelder Pkw, Nutzfahrzeuge und Dienstleistungen sollen selbstständige Aktiengesellschaften unter dem Dach der Daimler AG zeigen werden. Mit größerer Selbstständigkeit sollen sie stärker wachsen, investieren und mehr Gewinn machen können.

Vorstand fürchtet Imageschaden durch Tierversuche

Doch zuvor muss Daimler einen neuen Brandherd löschen. Denn umstrittene Tierversuche über die auch von Daimler gesponsorte Lobby-Vereinigung EUGT haben den Konzern in die Negativschlagzeilen gebracht. Der Abgasskandal, um den es zuletzt wieder etwas ruhiger geworden war, könnte neu aufflammen, befürchten Beobachter.

Das weiß Daimler-Chef-Presseprecher Jörg Howe nur zu gut. Das Vorgehen widerspreche den ethischen Prinzipien von Daimler diametral. "Wir verurteilen das auf das Schärfste", sagt er zur Bilanzpressekonferenz. Bereits am Vortag hatte Daimler ebenso wie BMW und zuvor Volkswagen personelle Konsequenzen aus den umstrittenen Affenversuchen angekündigt. Man werde "die Vorgänge lückenlos aufklären", versichert Zetsche nun erneut - auch mit Unterstützung einer externen Kanzlei.

Man sei nicht in der Lage, den Imageschaden für den Diesel durch die umstrittenen Tierversuche abzuschätzen , sagt Zetsche. Die durchklingende Besorgnis hat einen guten Grund: Fiele der Diesel beim Absatz weiter zurück, hätten BMW, VW und Daimler ein Problem: Sie alle brauchen nach eigenen Angaben den Diesel, um verschärfte CO2-Grenzwerte der EU einhalten zu können.

rei/wed
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