Freitag, 20. September 2019

Kosten für Abgasaffäre Daimler-Chef Källenius senkt Jahresprognose deutlich

Mercedes-Stern
Sebastian Gollnow/ DPA
Mercedes-Stern

Daimler holt die Affäre um mutmaßlich manipulierte Dieselmotoren mehr und mehr ein. Weil der Autobauer nun einen hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag für laufende behördliche Verfahren und die Dieselumrüstung von Mercedes-Benz Dieselautos zurücklegen, wird es dieses Jahr wohl nichts mit den ursprünglich ausgelobten Gewinnaussichten. Das teilten der neue Konzernchef Ola Källenius und sein ebenfalls erst jüngst angetretener Finanzvorstand Harald Wilhelm am Montagmorgen an.

Die Gewinnwarnung ist nach dem 20. Juni und 19. Oktober 2018 bereits die dritte innerhalb eines Jahres und nach Ansicht von NordLB-Analyst Frank Schwope als "Erbe" des ehemaligen Vorstandschefs Dieter Zetsche zu sehen. Aus vermeintlichen Verwicklungen in Diesel-Manipulationen in den USA und dem potenziellen Kartell-Skandal könnten nun noch weitere Milliarden-Belastungen resultieren, schreibt der Experte in einer Kurzanalyse am Montag.

Källenius und Wilhelm starten damit mit einer hohen Bürde in ihre neuen Aufgaben. Für das Gesamtjahr rechnen sie nun nicht mehr mit einem Anstieg des Konzernergebnisses vor Zinsen und Steuern um 5 bis 15 Prozent - sondern nur noch mit einem operativen Gewinn etwa auf Vorjahresniveau. Die Vans-Sparte mit den kleinen Nutzfahrzeugen dürfte in diesem Jahr operativ sogar in die roten Zahlen rutschen statt einen kleinen Gewinn einzufahren.

Die Aktie von Daimler Börsen-Chart zeigen gab daraufhin kräftig nach und fiel zuletzt um rund 4,5 Prozent auf 47,35 Euro. Das Kursplus für das laufende Jahr schmolz damit auf gerade noch 3 Prozent zusammen. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen erzielte 2019 bis dato einen Zuwachs von 16 Prozent.

Sorge um das Mercedes-Kerngeschäft

Auch wenn das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erst am vergangenen Freitag den Rückruf für 60.000 Mercedes SUVs anordnete, mit der Dieselproblematik allein lassen sich die kräftigen Kursverluste am Montag wohl nicht begründen. Analyst Jürgen Pieper von der Metzler Bank etwa sorgt sich nun, dass nicht nur Extrakosten und die Van-Sparte für die erneut revidierte Gewinnprognose verantwortlich seien, sondern auch das Kerngeschäft Mercedes-Benz-Pkw womöglich in einer eher schlechten Verfassung sei.

So liegt der Mercedes-Absatz nach fünf Monaten gut fünf Prozent niedriger als im Vorjahr. Mit verantwortlich dafür sollen Produktionsprobleme in US-amerikanischen Werken sein. In Presseberichten ist davon die Rede, dass im US-Werk Tuscaloosa gleich drei Zulieferer wegen angeblich schlechter Qualität für Verstimmung sorgten. Tausende SUV des Tys GLE müssten wegen der Probleme sogar zwischengeparkt werden, berichtete das "Handelsblatt".

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