Daimler-Chef Zetsche im IAA-Gespräch "Wir behalten vor Audi die Nase vorn"

Verhandelt Daimler mit Apple? Wann kommt der Durchbruch für die Elektroautos? Daimler-Chef Dieter Zetsche hat sich auf der IAA den Fragen ausgewählter Wirtschaftsjournalisten gestellt, auch manager-magazin.de war dabei. Wir dokumentieren das Gespräch.
Dieter Zetsche, Daimler-Chef seit 2006

Dieter Zetsche, Daimler-Chef seit 2006

Foto: Daniel Naupold/ dpa

Frage: Daimler  hat zuletzt Boden gut gemacht gegenüber den Wettbewerbern im Premiumsegment und Audi  auf Platz 3 verwiesen. Holen Sie weiter auf?

Zetsche: Es ist ja bekannt, dass ich vor drei, vier Jahren das Ziel ausgegeben habe, dass wir zum Ende des Jahrzehnts die Nummer eins sein wollen - bei Image und Anerkennung, bei der Profitabilität, aber auch beim Absatz. Jetzt haben wir in diesem Jahr die Nase vor Audi. Und ich würde es für wahrscheinlich halten, dass es am Ende des Jahres auch so ist. Und BMW liegt nicht weit vor uns - die Richtung stimmt.

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Frage: Sie erreichen Ihr Ziel also, in fünf Jahren an der Spitze zu stehen?

Zetsche: Wir sind uns sehr bewusst, dass die Wettbewerber uns nicht applaudieren, sondern nachlegen. Wir sehen uns in den entscheidenden Punkten jedoch gut gerüstet - ob es beim Design ist oder beim Verbrauch, wo wir inzwischen die beste Flotte im Vergleich zu den Wettbewerbern in Europa haben.

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Frage: Porsche  und Audi haben auf dieser IAA Elektroautos mit großer Reichweite vorgestellt - ist das der Durchbruch für diese Technologie?

Zetsche: Das Angebot ist das eine, die Nachfrage das andere. Wir sehen aber eine Weiterentwicklung dieser Technologie: Die Reichweiten werden größer, die Mehrkosten nehmen ab. Es dauert seine Zeit, bis Elektroautos technisch und wirtschaftlich weit genug sind. Es wird weitergehen, aber es ist ein längerer Prozess.

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Frage: Was sind die größten Hindernisse für Elektroautos?

Zetsche: Um die Emissionsgesetze zu erfüllen, müssen wir eine hohe Anzahl Elektroautos verkaufen. Doch dafür müssen wir die Attraktivität dieser Produkte weiter steigern.

Frage: Wie läuft es bei Ihnen mit dem Verkauf von E-Autos?

Zetsche: Erfreulicherweise sehen wir bei unseren Plugin-Hybriden sogar eine höhere Nachfrage als von uns geplant, und wir verkaufen mehr derartige Fahrzeuge als unsere direkten Wettbewerber.

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Frage: Was bedeuten die Fortschritte bei den Batteriefahrzeugen für ihre Wasserstoffauto-Pläne?

Zetsche: Die Reichweite der Batteriewagen wird größer, insofern schrumpft der Vorsprung der Brennstoffzelle (die mit Wasserstoff angetriebenen wird, Anmerkung der Redaktion) etwas. Was das Nachtanken betrifft, sind Batteriefahrzeuge mit größerer Reichweite allerdings doch noch länger an der Strippe, insofern ist dieser Unterschied noch signifikant. Aber insgesamt ist der Vorteil der Brennstoffzelle etwas kleiner geworden.

Frage: Was bedeutet das für Ihre Planung?

Zetsche: Wir machen weiter mit Brennstoffzellen. Die Grundvoraussetzung für ihren Erfolg ist die Infrastruktur, wir werden aber bis 2017 eine größere Zahl von Brennstoffzellenfahrzeugen anbieten. Es wird sich dann aus heutiger Sicht um spezielle Kundengruppen handeln müssen, deren Radius beschränkt ist.

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Frage: Sind fossile Kraftstoffe nicht zu billig, um der Elektromobilität eine Chance zu geben?

Zetsche: Natürlich fördert das nicht den Umstieg. Dass sich die Preise dort aber nicht langfristig halten werden, wissen wir auch.

Frage: Muss der Staat Elektroautos stärker fördern?

Zetsche: Es ist nicht meine Überzeugung, als Spesenritter unterwegs zu sein, ich fordere keine Subventionen. Ich weise aber darauf hin, dass im Jahr 2020 auf Basis der heutigen Randbedingungen keine Million Elektrofahrzeuge im Markt sein werden. Wer daran etwas ändern will, muss die Randbedingungen ändern.

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Zetsche: Die Nichterfüllung der Gesetze ist keine Option. Nicht nur wegen der dramatischen Strafen, die im Raum stehen, sondern auch wegen des damit verbundenen Reputationsschadens werden wir die Ziele erreichen. Wenn wir zu wenig Nicht-Verbrenner verkaufen, müssen wir auch über eine neue Flottenzusammensetzung nachdenken. Ich gehe aber fest davon aus, dass wir mit unserer Planung auf der sicheren Seite sind.

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Frage: Ist US-Elektroautobauer Tesla  ein Vorbild für Sie?

Zetsche: Wir haben nie etwas anderes gesagt, als dass das eine sehr respektable Leistung ist. Das ist primär gar nicht die Frage, dass Tesla viele kleine Batterien zusammengeschraubt hat, um eine hohe Reichweite zu erreichen. Sondern es ist das Fahrzeug in Summe, das es Menschen erlaubt, sich als Frontrunner für neue Technologien zu empfinden. Das ist sehr gut gelungen, da muss man einfach nur "Kompliment" sagen. Inwiefern das jetzt skalierbar ist, werden das nächste und das darauf folgende Modell zeigen.

Frage: Sind neue Kooperationen mit Tesla denkbar, oder läuft das komplett aus?

Zetsche: Zum einen waren wir Anteilseigner, das Paket haben wir sehr vorteilhaft verkauft. Zum zweiten haben wir bei der Entwicklung des Model S nicht nur durch den Projektleiter (Jerome Guillen, Anmerkung der Redaktion) beigetragen, der von uns kam, sondern auch andere Beiträge geleistet. Tesla hat im Gegenzug die Batterien für den Smart und den Antrieb für die B-Klasse geliefert. Letztere Beziehung besteht fort. Momentan gibt es darüber hinaus keine konkreten Projekte. Es ist aber nicht auszuschließen, dass wir irgendwelche Dinge wieder zusammen betreiben würden.

Frage: Guillien hat bei Tesla eine Auszeit genommen - kommt er danach zu Ihnen zurück?

Zetsche: Er ist ja kein Abgesandter gewesen, sondern er hat uns verlassen und ist zu Tesla gegangen - was legitim ist. Was er weiterhin macht, das muss er entscheiden.

Schwacher China-Markt: "Wir bauen unser größtes Werk weiter aus"

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Frage: Der chinesische Markt schwächelt. Wie geht es dort für Sie weiter?

Zetsche: Wir (als Daimler, Anmerkung der Redaktion) spüren in China eine Sonderkonjunktur mit deutlichen Zuwächsen, weil wir einiges aufzuholen haben. Wir glauben, dass zweistellige Zuwachsraten auch in den kommenden Monaten realistisch sind. Es gibt keinen Grund, von dem Ziel von 300.000 verkauften Fahrzeugen in diesem Jahr abzuweichen.

Frage: Bauen Sie die Produktion in China trotz der Marktflaute weiter schnell aus?

Zetsche: Der Ausbau unseres großen Werkes in Peking geht weiter. Es werden dort mehr verschiedene Fahrzeuge gebaut und das in größeren Volumina und wir werden dort auch mehr Motoren bauen. Das ist eine unglaubliche Entwicklung, die dort stattfindet. Wir haben derzeit keinen Grund unsere Pläne, die wir dort haben, in irgendeiner Form zu modifizieren.

Frage: Ihr Joint-Venture-Partner in China, Baic , ist inzwischen an der Börse notiert. Wird er sich jetzt an Daimler beteiligen, so wie Sie mit 12 Prozent bei Baic eingestiegen sind?

Zetsche: Das zu entscheiden, liegt in erster Linie bei Baic. Ich denke aber, dass sich Baic in kleinerer Größenordnung bei uns beteiligen wird, als wir bei Baic beteiligt sind.

Frage: Ist eine Kapitalerhöhung im Zuge einer solchen Beteiligung denkbar?

Zetsche: Die Anteile unserer bisherigen Aktionäre dürfen auf keinen Fall verwässert werden. Wenn man sich unsere Bilanz anschaut, kann man auch nicht wirklich die Sinnfälligkeit einer Kapitalerhöhung sehen.

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Foto: BMW

Frage: Wie stark würde eine Zinswende ihr US-Geschäft zurückwerfen?

Zetsche: Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass es ein riesiger Knalleffekt wird, wenn es passiert. Die Konsequenzen einer Zinswende wären eher in Entwicklungsländern zu spüren, die stark von Kapitalimporten abhängig sind.

Frage: Die Autohersteller loten zahlreiche Kooperationen mit Tech-Firmen aus des USA aus. So ist BMW in Gesprächen mit Apple. Welche Gespräche führt denn Daimler?

Zetsche: Ich war gerade mit unseren 100 wichtigsten Managern im Silicon Valley. Wir haben gute Gespräche gehabt, aber Sie werden Verständnis haben, wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkreter werde. Es wird Felder geben, auf denen eine Zusammenarbeit zwischen Firmen aus dem Silicon Valley und aus der Automobilindustrie zustande kommen wird.

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Frage: Könnte es auch ein erbitterter Wettstreit werden?

Zetsche: Wenn sich diese Unternehmen entscheiden, Automobilhersteller zu werden, ob mit oder ohne eigene Produktion den Endkunden Autos anbieten, dann wären wir in diesem Feld Wettbewerber. Beides kann auch parallel laufen, wie es zwischen den jetzigen Wettbewerbern läuft, wo es ja auch Kooperationen gibt. Ich bin da aber entspannt.

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Frage: Herr Zetsche, wer sind aus Ihrer Sicht im Jahr 2025 die fünf größten Autohersteller?

Zetsche: Gemessen an Umsatz und Marktkapitalisierung liegen wir in den Top 5. Bezogen auf Stückzahlen sehe ich neben Volkswagen, Toyota, GM, Renault-Nissan, Hyundai-Kia und vielleicht Ford keine weiteren Spieler, die in den kommenden zehn Jahren in die oberste Gruppe aufrücken.

Frage: Durchbricht wirklich kein Neuling diese Phalanx? Was ist mit den Chinesen?

Zetsche: Auszuschließen ist es nicht. Dort wächst vor allem der SUV-Bereich, heimische Hersteller gewinnen leicht an Marktanteil. Im Grunde ist es aber verwunderlich, dass sie keine größere Rolle spielen. Irgendwann wird es so weit sein.