"Kein Allheilmittel für die Zukunft" Daimlers Betriebsratschef warnt vor Elektro-Hype

Gerade erst hat Konzernchef Ola Källenius angekündigt, Daimler zum führenden Elektroautobauer zu machen. Schon warnt sein oberster Betriebsrat vor einem Irrweg in die Elektromobilität.
Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht (Archivbild von 2014)

Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht (Archivbild von 2014)

Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Nur einen Tag nach seiner Ankündigung, mit Daimler  "die führende Position" bei Elektrofahrzeugen anzustreben, erhält Konzernchef Ola Källenius (51) Gegenwind aus den eigenen Reihen. Der Gesamtbetriebsratschef des Autobauers, Michael Brecht (55), warnt seinen Arbeitgeber vor einer reinen Fokussierung auf die Elektromobilität. Man dürfe nicht alles auf diese Karte setzen, sagte Brecht der "Automobilwoche". "Elektromobilität ist wichtig, ja. Es ist aber auch ein Hype darum entstanden, der politisch und gesellschaftlich befeuert wird."

Elektromotoren seien kein Allheilmittel für die Zukunft, so Brecht. Auch hier stellten sich viele Grundsatzfragen – beispielsweise, ob die Batterien in ausreichender Stückzahl verfügbar seien, woher die Rohstoffe dafür kämen, wie die Ladeinfrastruktur vorankomme. Man dürfe herkömmliche Verbrennungsmotoren nicht immer verteufeln. "Die Gesamtklimabilanz ist wichtig, nicht die Antriebsart. Wer ohne Verbrenner plant, schlägt all denjenigen Kolleginnen und Kollegen ins Gesicht, die seit Jahrzehnten in diesen Bereichen eine hervorragende Arbeit leisten und diese Technik weiter verbessern."

Erst am Dienstag hatte Konzernchef Källenius auf einer Investorenkonferenz die Neuausrichtung des Konzerns vorgestellt. Er will den kriselnden Konzern zum weltweit führenden Elektroautohersteller umbauen. In diesem Zusammenhang sollen elektrifizierte Fahrzeuge schon bis 2030 mehr als 50 Prozent des Absatzes ausmachen, zugleich soll der Anteil von Modellen mit Verbrennungsmotoren um 70 Prozent reduziert werden.

Zugleich will das Unternehmen – auch angesichts tiefroter Zahlen im zweiten Quartal – sparen, nicht zuletzt beim Personal. Zuletzt war der Abbau von 10.000 bis 15.000 der weltweit rund 300.000 Stellen kolportiert worden. Nach Informationen des manager magazins könnten sogar bis zu 30.000 Stellen betroffen  sein. Die Zahlen kommentiert Daimler nicht. Brecht sagte, faktisch machten die Personalkosten weniger als 15 Prozent der Gesamtkosten aus. "Da muss dem Unternehmen mehr einfallen, als uns jedes Mal die Personalkosten um die Ohren zu hauen."

lhy/dpa-afx
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