Dienstag, 25. Februar 2020

Nettogewinn bricht fast um zwei Drittel ein Daimler-Chef kappt Dividende drastisch

Daimler-Chef Ola Källenius: "Können mit dem Gewinn nicht zufrieden sein"
Boris Roessler/ DPA
Daimler-Chef Ola Källenius: "Können mit dem Gewinn nicht zufrieden sein"

Zum zweiten Mal in Folge muss der Auto- und Lastwagenbauer Daimler einen massiven Gewinneinbruch hinnehmen. Unter dem Strich blieben im vergangenen Jahr nur noch 2,7 Milliarden Euro übrig, wie der Konzern am Dienstag in Stuttgart mitteilte. 2018 lag der Konzerngewinn bei 7,6 Milliarden Euro.

"Während unsere Ergebnisse 2019 die weiterhin starke Nachfrage nach unseren attraktiven Produkten widerspiegeln, können wir mit dem Gewinn nicht zufrieden sein", erklärte Daimler-Chef Ola Källenius.

Die Dividende will der Nachfolger von Dieter Zetsche auf 90 Cent kürzen nach 3,25 Euro im Vorjahr - und damit deutlich stärker als erwartet: Analysten hatten im Schnitt mit einer Dividende von 1,50 Euro je Aktie gerechnet.

Zwar konnte Daimler den Umsatz mit 172,7 Milliarden Euro noch leicht ausbauen - auch weil die Kernmarke Mercedes-Benz das Jahr erneut mit einem Absatzrekord abschloss. Ein riesiger Kostenberg frisst aber einen Großteil des Gewinns gleich wieder auf. Im letzten Quartal fuhr Daimler gar einen Verlust ein.

Das Ergebnis wurde von Sonderbelastungen von rund sechs Milliarden Euro gedrückt, so musste Daimler allein für Rechtsrisiken im Dieselskandal rund vier Milliarden Euro beiseite legen. Auch ein Rückruf von Airbags des japanischen Herstellers Takata verursachte hohe Kosten.

Die Rendite im größten Geschäftsfeld Mercedes Benz Cars (Pkw) war mit 3,6 Prozent noch nicht mal halb so hoch wie im Vorjahr. In den Boomjahren des vergangenen Jahrzehnts hatte Mercedes acht bis zehn Prozent Rendite als Ziel.

Das Ergebnis vor Steuern fiel um 61 Prozent auf 4,33 Milliarden Euro. Vor allem die Sparte mit kleinen Nutzfahrzeugen zog das Ergebnis mit einem Milliardenverlust runter, aber auch bei Mercedes-Benz Pkw brach der operative Gewinn um die Hälfte ein.

Daimler-Mitarbeiter bekommen deutlich weniger Prämie

Nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Daimler-Mitarbeiter müssen sich mit weniger begnügen - die Prämie fällt deutlich. Wie der Konzern weiter mitteilte, erhalten die rund 130.000 Tarifbeschäftigten 2020 nur 597 Euro Ergebnisbeteiligung. Dazu kommt eine einmalige Anerkennungsprämie von bis zu 500 Euro. Im Vorjahr hatte die Prämie noch bei 4965 Euro gelegen.

Ausblick ist wenig verheißend

Auch für das operative Geschäft stellte Daimler keine Besserung in Aussicht: Der Konzernabsatz werde leicht sinken, der Umsatz soll auf dem Vorjahresniveau von knapp 173 Milliarden Euro liegen. Die Rendite im Pkw-Geschäft soll sich um Sonderfaktoren bereinigt leicht auf vier bis fünf Prozent erholen. Bei Daimler Trucks & Busses prognostiziert der Weltmarktführer von schweren Lkw hingegen einen Renditerückgang um rund einen Prozentpunkt auf 5 Prozent.


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Källenius will die Zukunft des Dax-Konzerns mit Einsparungen und anhaltend hohen Investitionen absichern. Dafür sollen mehr als 10.000 Arbeitsplätze bis 2022 gestrichen werden, möglicherweise auch 15.000, wie es zuletzt in Presseberichten hieß.

Aktie fährt Achterbahn

Interessant fiel die Reaktion an der Börse aus. Aktien von Daimler Börsen-Chart zeigen gaben vorbörslich wegen der drastischer als erwartet gekürzten Dividende zunächst nach, drehten dann mit positiven Stimmen zur Barmittelentwicklung mit bis zu 2 Prozent ins Plus. Am Vormittag fielen sie wieder mit rund 1 Prozent ins Minus.

Laut JPMorgan-Analyst Jose Asumendi hat der Fokus nach den bereits bekannten Eckdaten auf der Bilanzsituation, den Barmitteln und der Dividende gelegen. Der Jahresgewinn des Autobauers war durch einen erneuten Verlust im Schlussquartal noch weiter abgesackt, und so wird die Dividende mit jetzt 90 Cent noch drastischer gekürzt als erwartet. Erleichternd kam aber laut Händlern hinzu, dass der freie Mittelzufluss einen guten Eindruck mache. Laut Asumendi wagte Daimler einen Spagat zwischen der Ausschüttungsquote und der Nettoliquidität.

rei/dpa/Reuters

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