Verschärftes Sparprogramm des Autobauers Daimler will offenbar 2000 Stellen in der IT abbauen

Daimler-Logo: Der Autobauer will wohl auch die erst Ende 2019 umgesetzte Teilung des Konzerns in drei Sparten noch einmal überprüfen

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Bei dem Autohersteller Daimler (Kurswerte anzeigen) drohen weitere, harte Einschnitte über das bisherige Sparprogramm hinaus: Der Autokonzern will wegen der Corona-Krise seinen Sparkurs verschärfen und auch 2000 Stellen in der IT streichen. Das geht aus einem Brandbrief des Betriebsrats hervor, der manager magazin vorliegt.

Erst vor einem halben Jahr hatte Daimler-Chef Ola Källenius umfangreiche Sparpläne verkündet: Bis zu 15.000 der weltweit 300.000 Stellen sollen abgebaut werden, hieß es damals. Wegen der Corona-Krise will der Mercedes-Hersteller nun offenbar den Stellenabbau weiter verschärfen.

In dem Brief warnt der Betriebsrat nun davor, dass es "weitere Überlegungen zur Änderung der Organisationsstruktur bei Daimler" gebe, "mit Folgen für die Belegschaft". Die Unternehmensleitung plane etwa, bis Mitte 2021 im IT-Bereich "wesentliche Servicefunktionen auszugliedern", heißt es. Weltweit sollen 2000 IT-Beschäftigte, davon rund 900 in Deutschland, an Fremdfirmen übergeben werden. Der Nutzen dieser Maßnahme sei "fragwürdig", heißt es in dem Brief.

Zudem soll auch die erst Ende 2019 umgesetzte Teilung des Konzerns in drei Sparten überprüft werden. Es gebe Überlegungen, Verwaltungsbereiche von der Daimler AG in die Spartengesellschaften zu verschieben. Das Versprechen, die Verwaltungs- und Zentralbereiche aus Effizienzgründen in der Daimler AG zu bündeln, "gilt wohl nicht mehr", heißt es in dem Brief, den Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht und sein Stellvertreter Ergun Lümali unterzeichnet haben.

"Viel Geld bei unklarem Nutzen"

Es gibt auch Überlegungen, gemeinsam genutzte administrative Bereiche wie etwa Teile des Personal- oder des Finanzbereichs zu bündeln und teils in GmbH-Strukturen zu überführen. "Die Folge wären ein Personalabbau beziehungsweise weitere Betriebsübergänge", meint der Betriebsrat.

Der Betriebsrat habe dazu eine standort- und funktionsübergreifende Verhandlungsgruppe gebildet, heißt weiter. "Nur Organigramme verschieben kostet viel Geld, bei unklarem Nutzen." Viele Daimler-Mitarbeiter seien "momentan verunsichert und wünschen sich Klarheit und Orientierung". Das, so kritisiert der Betriebsrat, sei "viel wichtiger als die Frage, welche Funktion in welcher Gesellschaft angesiedelt ist".


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Wie stark sich die Verwerfungen durch die Coronavirus-Pandemie auf die Effizienzprogramme auswirken, sei noch nicht abzuschätzen, betonen die Arbeiterführer in einem Flugblatt. Die Zahlen für das zweite Quartal werden "schonungslos offenlegen", wie stark Daimler "der Corona-Schock wirtschaftlich trifft". Das gelte allerdings nicht nur für Daimler. Man sei aber auf Gespräche mit der Unternehmensführung vorbereitet und "werde dafür sorgen, dass die Interessen der Beschäftigten nicht vergessen werden", heißt es in dem Flugblatt.

Das klingt nach eher heißen Zeiten bei Daimler.

wed
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