Autohersteller mahnt schnelle Politik-Entscheidung an Warum Daimler auf eine "Volks"-Autoprämie drängt

Daimler-Chef Ola Källenius will eine Auto-Kaufprämie über alle Segmente - und das muss schnell gehen, fordert er

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Der Gewinn ist im ersten Quartal wegen der Corona-Pandemie stark eingebrochen, im zweiten Vierteljahr droht Daimler  sogar der erste Quartalsverlust seit elf Jahren: Wie alle anderen Autohersteller trifft auch den Stuttgarter Autobauer die Coronakrise mit Wucht, wie die nun präsentierten Zahlen für den Jahresauftakt zeigen.

Daimler-Chef Ola Källenius und sein Finanzvorstand Harald Wilhelm bemühten sich in einer Telefonkonferenz mit Journalisten dennoch um etwas Zuversicht: Eine verlässliche Prognose für das Gesamtjahr 2020 sei zwar aktuell nicht möglich. "Dafür sind die Unsicherheiten zu groß", sagte Källenius. Immerhin habe sich in China und in Südkorea im März und im April schon eine "gewisse Normalität" eingestellt. In China sei "das, was wir Showroom-Traffic nennen, erheblich zurückgekommen", erläuterte Källenius auf Nachfrage. Das deute sich auch in anderen Märkten an.

Die Liquiditätsreserven seien hoch, versicherte Wilhelm, im ersten Quartal habe der Konzern eine Nettoliquidität von 9 Milliarden Euro aufgewiesen. "Wenn ich heute in die Kasse kucke, sehe ich auch Ende April eine gute Liquiditätssituation", so Wilhelm. Das gebe Daimler "die Flexibilität, hier durchzusteuern". Auf staatlich geförderte Programme zur Liquiditätsstützung, also etwa Kredite der Förderbank KfW, will Daimler deshalb verzichten.

Bei einer weiteren möglichen staatlichen Unterstützung in Deutschland neben dem Kurzarbeitergeld, das Daimler wie viele andere in Anspruch nimmt, wurde Källenius dann doch recht deutlich: Kaufprämien wünscht sich der Daimler-Chef schnell und auf breiter Front. "Wir wären für eine einfache Prämie quer über alle Segmente und Produkte hinweg", erläuterte der Daimler-Chef auf Nachfrage. Diese solle "die Nachfrage ankurbeln, das ist ganz, ganz wichtig".


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Und das müsse bald geschehen, forderte Källenius. "Wenn man sich für eine Kaufprämie entscheidet, dann muss man sich schnell dafür entscheiden." Denn sonst würden die Kunden anfangen zu spekulieren und auf bessere Angebote warten. "Das würde zu mehr Kaufzurückhaltung führen", so Källenius.

Warum sich Källenius gerade jetzt so klar positioniert

Von einem stärkeren Kaufanreiz etwa rein für Elektroautos, wie ihn Umweltpolitiker nun fordern, hält der Daimler-Chef aktuell weniger, mit folgender Begründung: Das Ziel einer solchen staatlichen Maßnahme wäre ja, die Nachfrage nach Neuwagen auf breiter Front anzukurbeln, mehr Zuversicht in den Markt zu bringen und dem großen Absatzrückgang aufgrund des Corona-Lockdowns entgegenzuwirken.

Ob eine solche Kaufprämie dann auch mit der "Umweltprämie", also der staatlichen Förderung für Elektroautos und Plugin-Hybride, kombiniert wird, sei "ja letztendlich eine politische Entscheidung", reichte Källenius den Ball dann weiter.

Die klare Positionierung von Daimler kommt nicht von ungefähr: Am 5. Mai soll auf einem "Autogipfel" im Kanzleramt über den genauen Modus staatlicher Kaufprämien für Neuwagen entschieden werden. Wie Volkswagen-Cheflobbyist Thomas Steg vor kurzem erklärte, wird der Verband der Automobilindustrie der Regierung einen Kaufanreiz über alle Modelle und Segmente hinweg vorstellen. Nur E-Autos stärker zu fördern werde nicht ausreichen, sagte Steg. Denn eine Verdopplung oder Verdreifachung der E-Auto-Produktion in diesem Jahr sei schlicht unmöglich, da etwa auch noch Teile aus Serbien oder Spanien fehlten.

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Daimler selbst sieht sich bei der Erreichung der CO2-Flottenziele für 2020 aktuell im Plan. Zwar stelle das Jahr 2020 eine besondere Herausforderung dar, doch das CO2-Ziel für 2020 sei "in Schlagweite, und wir werden versuchen, dieses Ziel zu erreichen", erläuterte Källenius in der Telefonkonferenz.

Sparpläne könnten später noch mal nachjustiert werden

Auch im schwierigen ersten Quartal habe man den Mix aus Elektroautos, sparsamen Verbrennungsmotoren und Plugin-Hybriden "gemäß unserem eigenen Plan halten können". Im Daimler-Batteriewerk in sächsischen Kamenz, wo die Stuttgarter Zellen zu Akkupacks zusammenbauen, habe man versucht, die Produktion auch in den vergangenen Wochen möglichst aufrecht zu erhalten. "Wir legen einen besonderen Fokus auf die Elektrifizierungsoffensive. Wir versuchen sie zu schützen und die Priorität hoch zu halten", so Källenius.

Wie weit das gelingt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. An seinen Sparplänen, mit denen er unter anderem 1,4 Milliarden Euro allein beim Personal herausholen will, hält Källenius fest, wie er sagte.


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Einzelne Maßnahmen wie etwa Gespräche über Abfindungsvereinbarungen seien angesichts der aktuellen Lage aber etwas nach hinten verschoben worden. Gut möglich sei auch, dass zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Sparmaßnahmen hinzukommen müssten.

"Man sollte nicht zu optimistisch auf die Zukunft gucken", sagte Källenius.

mit Material von dpa, Reuters, afp
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