Verkauf vor dem Abschluss Ineos legt verbindliches Angebot für Daimlers Smart-Werk vor

Der britische Konzern Ineos sieht sich auf der Zielgeraden, das französische Smart-Werk in Hambach zu übernehmen. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, berichtet auch Daimler.
Smart-Werk Hambach

Smart-Werk Hambach

Foto: Yoan Valat/ dpa

Der Verkauf des Smart-Werks im französischen Hambach steht kurz vor dem Abschluss. Die Gespräche mit dem britischen Petrochemiekonzern Ineos gestalteten sich positiv und seien weit fortgeschritten, teilte Daimler  am Donnerstag mit. Ineos Automotive habe ein verbindliches Kaufangebot für die Smart France übermittelt. Eine Entscheidung könne aber erst getroffen werden, wenn die Gespräche mit den Arbeitnehmern abgeschlossen seien.

Als erste hatte die "Automobilwoche" über die bevorstehende Einigung berichtet. Dem Branchenmagazin zufolge sieht auch Ineos  den Kaufprozess auf der Zielgeraden. Zur Höhe des Kaufangebots machten die Briten keine Angaben.

Die 2018 angekündigten Investitionen zur Modernisierung und Erweiterung des Werks seien weitestgehend getätigt, teilte Daimler weiter mit. Die Bauarbeiten umfassten den Neubau eines Karosserierohbaus, einer Lackiererei sowie die Modernisierung und Umbauten in der Montage.

Der Chemiekonzern Ineos hat im Jahr 2016 die Tochter Ineos Automotive gegründet. Anfang Juli dieses Jahres hatte Ineos-Automotive-Chef Dirk Heilmann gesagt, das Unternehmen sei am Kauf des französischen Smart-Werks interessiert. Die Briten wollen ab 2021 ihren eigenen Geländewagen "Ineos Grenadier" in der Tradition des 2016 eingestellten "Land Rover Defender" auf den Markt bringen. Ursprünglich wollte der vom Milliardär Jim Ratcliffe (67) geführte Konzern den Geländewagen in Wales bauen. Ratcliffe gilt als großer Brexit-Unterstützer.

Källenius will Kosten radikal senken

Daimler hatte im Juli angekündigt, das einstige Prestigeprojekt in Hambach im Zuge einer "Optimierung" des globalen Produktionsnetzes zu verkaufen, und damit auf die gesunkene Autonachfrage reagiert. Ursprünglich lauteten die Pläne für die Hambacher Fabrik jedoch anders.

Im Frühjahr 2018 hatte der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche (67) bei einem Besuch im Pariser Élysée-Palast gesagt, er wolle 500 Millionen Euro in Hambach investieren. Er versprach Staatspräsident Emmanuel Macron (42), dort würden künftig Elektroautos gebaut; er bringe die echte Marke Mercedes nach Frankreich. Geplant war dort anstelle der Smart-Modelle die neue Mercedes-Elektroauto-Baureihe EQ zu fertigen.

Doch spätestens mit der Pandemie sah die Welt anders aus, der weltweite Pkw-Absatz brach ein. Die Pläne für das Werk änderten sich, auch hatte Zetsche das Zepter an Ola Källenius (51) übergeben. Die Smart-Fertigung soll nun als reines Elektroauto in China erfolgen, so war unklar, wie es mit dem Werk und den 1600 dort Beschäftigten weitergehen soll.

Konzernchef Källenius  hat zudem vor, die Gewinnschwelle für den Konzern um 10 bis 15 Prozent zu senken  und will die Kosten entsprechend drücken, berichtete manager magazin schon im Juli. So ließ er weltweit Werkschließungen durchrechnen.

Global könnten inklusive nicht neu besetzter Stellen damit rund 30.000 Jobs wegfallen. Daimler setze im Gesamtjahr 2019 insgesamt rund 172,7 Milliarden Euro um. Ende 2019 beschäftigte der Konzern 298.655 Mitarbeiter weltweit.

akn/dpa
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