Seat- und Cupra-Chef Wayne Griffiths Warum sich der Doppel-CEO in Elektro-Euphorie redet

Während die spanische Volkswagen-Tochter Seat an Bedeutung verliert, wächst die Schwestermarke Cupra zum erfolgreichen freien Radikal heran. CEO Wayne Griffiths weiß, wo er hingehört - und redet sich in bemerkenswerte Euphorie.
"Seid nicht depressiv": Seat-Chef Wayne Griffiths

"Seid nicht depressiv": Seat-Chef Wayne Griffiths

Foto: Angel Garcia / Bloomberg via Getty Images

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Der Chef war zu Scherzen aufgelegt. "Unsere Cupra-Kunden sind im Durchschnitt etwa 40 Jahre alt", sagte Wayne Griffiths. "Ich fahre selbst einen Cupra Formentor. Ich bin zwar nicht mehr 40, versuche aber zumindest so auszusehen." Blondierter Undercut, sportliches Sakko, enge Jeans, Sneaker – so überspielte er seine 56 Jahre, als er am Donnerstag in Nürtingen vor den rund 500 Besuchern des "Ifa Branchengipfel" auftrat. Die Kleinstadt in der schwäbischen Provinz ist mit mehreren Automobilstudiengängen so etwas wie eine Kaderschmiede der Branche.

Halbleitermangel, drohende Rezession? Egal. Griffiths lässt sich von der schlechten Laune in der Branche nicht anstecken. "Alle Krisen zuletzt haben uns geholfen, schneller zu werden."

Das gilt allerdings für Cupra. Nicht für Seat. Und Griffiths ist Chef von beiden.

Gegründet hatte den kleineren Ableger 2018 noch Griffiths' Seat-Vorgänger Luca de Meo (55), der jetzt den französischen Konkurrenten Renault aufspalten und neu strukturieren will. Griffiths war 2019 zunächst als Cupra-Chef angetreten, hat dann 2020 aber auch die Seat-Spitze übernommen. Und managt nun in zwei Geschwindigkeiten.

Cupra dürfte das etablierte Seat in nicht allzu ferner Zukunft überholen. Im ersten Halbjahr verkauften die Spanier insgesamt 236.000 Autos, 68.400 davon Cupras. Ein deutscher Händler verrät, dass die Zukunft bei ihm schon Alltag ist: "Aktuell verkaufen wir zu 70 Prozent Cupra, zu 30 Prozent Seat." Im Konzern wird bereits infrage gestellt, ob es Seat noch lange geben wird. Griffiths winkt ab. "Die Gesamtheit aus beiden Marken macht uns stark."

Aber er weiß, wo sein Fokus liegen sollte, wenn er weiter Karriere machen möchte: bei Cupra, einer Marke, "die Volkswagen braucht", wie er sagt. Es gebe inzwischen eine Kundengeneration, die "etwas anderes fahren will als ihre Großeltern und Eltern". Und der VW-Konzern habe vor Cupra kein entsprechendes Angebot gehabt. "Alle Volkswagen-Marken haben Prestige und Tradition. Wenn Volkswagen aber mit neuen Wettbewerbern aus China und den USA mithalten will, kann Cupra eine Antwort darauf sein."

Geplant für 2024: der elektrische Cupra Tavascan

Geplant für 2024: der elektrische Cupra Tavascan

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Seat

Sportlicher als Seat, aber günstiger als etwa Audi will die Marke daherkommen. Zum Portfolio zählen bislang die aufgehübschten Seat-Modelle Leon und Ateca sowie die Cupra-exklusiven Fahrzeuge Born und Formentor. Für 2024 ist mit dem Tavascan ein zusätzliches Elektro-SUV angekündigt, bis 2025 sollen weitere Elektroautos folgen. 2030 will Cupra dann ein reines Elektrofabrikat sein. Mittelfristig plant die Marke einen Jahresabsatz von 500.000 Einheiten – 2021 lieferten Seat und Cupra gemeinsam gut 470.000 Neuwagen aus.

Auch mal ohne Erlaubnis

Entscheidungen treffe man in Spanien schon mal ohne vorherige Erlaubnis der Zentrale in Wolfsburg, erläuterte Griffiths sein Tempo-Management. "Wir müssen dann natürlich auch liefern." Im Wettbewerb mit Neulingen wie dem chinesischen E-Auto-Spezialisten Nio biete der Volkswagen-Konzern Vorteile. "Ich freue mich, dass wir nicht wie andere komplett auf der grünen Wiese beginnen mussten." Wer etwa den Vertrieb in Europa in Eigenregie aufziehen wolle, werde sich schwertun, glaubt der Brite. Volkswagen und damit auch Cupra decke die komplette Fläche ab, "unser Händlernetz ist unsere Stärke".

Deshalb pflege Cupra auch einen besonders partnerschaftlichen Umgang mit seinen Händlern, lobte Griffiths sich und seine Vertriebsmannschaft. Im Handel bewertet man das Verhältnis allerdings weniger euphorisch. Im Agenturvertrieb bekommen die Cupra-Partner eine fixe Marge von vier Prozent pro Auto, zwei weitere Prozent können über leistungsbezogene Boni hinzukommen. So viel zahlt auch VW Pkw den Händlern, wenn sie ein Elektroauto der Marke vermitteln. Glücklich ist damit längst nicht jeder VW-Partner .

Im Gegensatz zu den Wolfsburgern zieht Cupra bei der Auslieferung sogar noch einmal 1,9 Prozent für die Absicherung der Rückläufer über die konzerneigene Gesellschaft Vehicle Trading International (VTI) ab. "Im schlechtesten Fall bleiben mir bei einem Auto also nur 2,1 Prozent Marge", stöhnt ein Händler. Wayne Griffiths räumte am Donnerstag zumindest ein, dass die Rendite im Handel "noch nicht auf dem Zielniveau" liege. Daran müsse man arbeiten.

Insgesamt sei die Branche aber nach wie vor verwöhnt. "Die Stimmung ist viel schlechter als die Auftragslage", so Griffiths. "Die nächsten sechs Monate sind noch locker abgedeckt" durch Bestellungen, das gelte für die meisten Automobilhersteller. Zwar werde der Auftragseingang schlechter, die Kunden hielten ihr Geld beisammen. Doch auch das werde man meistern.

Bei Cupra plane man inzwischen so, dass 70 Prozent der geplanten Verkäufe ausreichten, um keinen Verlust zu schreiben. Noch geht der Plan allerdings nicht auf, zumindest im Gesamtgeschäft. Im ersten Halbjahr 2022 waren Seat und Cupra mit einem gemeinsamen Verlust von 97 Millionen Euro die einzigen Fahrzeugmarken im Volkswagen-Konzern, die keinen Gewinn einfuhren.

Bevor die insgesamt gedrückte Stimmung in der schwäbischen Provinz auf ihn überschwappen konnte, nahm Wayne Griffiths nach einer guten halben Stunde schnell wieder Reißaus. "Ich fliege jetzt wieder nach Spanien." Dort sei nicht nur das Wetter besser, sondern auch die Stimmung. Und dann, zum Abschied, "seid nicht depressiv."

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