Cruise-Chef Dan Ammann Robo-Hoffnungsträger von GM geht mit sofortiger Wirkung

Das 30-Milliarden-Dollar-Start-up zählt zu den aussichtsreichsten Entwicklern autonom fahrender Autos. GM-Chefin Mary Barra setzt große Hoffnungen in das Geschäft. Doch jetzt wechselt US-Managerin die Führung aus.
Lange Geschichte: Dan Ammann und Mary Barra kennen sich seit vielen Jahren. Jetzt trennen sich ihre Wege

Lange Geschichte: Dan Ammann und Mary Barra kennen sich seit vielen Jahren. Jetzt trennen sich ihre Wege

Foto: Bill Pugliano / Getty Images

Gerade erst hat Mary Barra (59), die Chefin des US-Autobauers General Motors, das autonome Fahren zu einem zentralen Teil ihrer Wachstumsstrategie erklärt. Bis 2030 will sie den Umsatz des Konzerns auf 280 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln, erklärte sie auf einem Investorentag im Oktober – und allein 50 Milliarden Dollar soll die Roboauto-Firma Cruise beisteuern, an der GM eine Mehrheit hält. Doch dort herrscht nun erhebliche Unruhe.

Mit sofortiger Wirkung verlässt der CEO des mit 30 Milliarden Dollar bewerteten Start-ups seinen Posten. Dan Ammann (49), Anfang 2019 von Barra als Chef installiert, geht ohne Angabe von Gründen. Übergangsweise soll nun Cruise-Gründer Kyle Vogt, der bislang Chief Technology Officer war, das Unternehmen führen. Zudem entsendet Barra mit dem früheren Northrop Grumman-Chef Wesley Bush (60) einen erfahrenen GM-Konzernmanager in die Führungsriege. Die Investoren reagierten verstört, die GM-Aktie sackte deutlich ab.

Der frühere Investmentbanker Ammann war 2010 zu GM gekommen, um den infolge der Finanzkrise insolventen Autokonzern zu stabilisieren. Er spielte eine wichtige Rolle, als GM 2016 das erst 2013 gegründete Robotaxi-Start-up Cruise für angeblich rund eine Milliarde Dollar übernahm. Als er vor knapp drei Jahren den CEO-Posten übernahm, galt das als Indiz für einen bevorstehenden Börsengang. Für den Fall eines IPO hätte Ammann Aktienoptionen im zweistelligen Millionenwert ziehen können.

Mary Barras Abschied von den Börsenplänen

Von den Börsenplänen ist Barra inzwischen aber abgerückt. Cruise sei gut finanziert, sagte sie schon während des Analystencalls zur Vorstellung der GM-Zahlen für das dritte Quartal. Die Integration mit GM sei ein zentraler Vorteil gegenüber den Wettbewerbern, so Barra. Cruise soll den Kern einer neuen GM-Plattform für autonome Fahrzeuge bilden.

Neben der Google-Tochter Waymo, dem von Volkswagen und Ford finanzierten Argo AI und Aurora zählt Cruise zu den weltweit aussichtsreichsten Entwicklern von Technik für selbstfahrende Autos. Gründer Vogt hatte einst wie die Gründer der Rivalen an den legendären Robo-Autorennen  der US-Regierung teilgenommen. Der Plan, schon 2019 Robotertaxis auf die Straßen zu bringen, scheiterte jedoch. Immerhin: Gerade hat Cruise bei den Verkehrsbehörden in Kalifornien den Antrag gestellt, Taxis ohne Fahrer durch San Francisco fahren lassen zu dürfen und für den Dienst Geld zu verlangen.

Per Telefonkonferenz erklärte Barra den Cruise-Mitarbeitern am Donnerstag, das Unternehmen solle seine bisherige Strategie fortsetzen. Ziel sei es weiterhin, das Geschäft mit den selbstfahrenden Taxis zum Laufen zu bringen. GM rechnet 2022 mit dem Start. Barra will das Geschäft mit autonom fahrenden Autos aber deutlich über Taxi-, Ridesharing oder Lieferangebote ausweiten. Sie erwartet hohe Gewinne: 40 Prozent Rendite.

Cruise ist finanziell gut ausgestattet. Erst im April konnte die Firma 2,75 Milliarden Dollar Kapital aufnehmen. An der Finanzierungsrunde beteiligte sich auch der Supermarktriese Walmart. Und im Juni erklärte Cruise, man habe Zugang zu einer 5 Milliarden Dollar-Kreditlinie über den Finanzarm von GM. Ein Börsengang ist gar nicht notwendig.

lhy/Reuters, AP, dpa-afx
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