Montag, 22. April 2019

Corporate-Governance-Verstöße Ehemaliger DWS-Chef verklagt VW-Management

VW-Hauptversammlung am 22.06.2016: Corporate-Governance-Experte Christian Strenger ficht nun einige Beschlüsse auf dem Rechtsweg an

Der Streitwert ist mit 100.000 Euro vergleichsweise gering, doch die Sache könnte für die VW-Führung und ihre Kontrolleure unangenehm werden: Der Ökonomieprofessor Christian Strenger hat über einen Rechtsanwalt beim Landgericht Hannover Klage eingereicht gegen das VW-Management - also gegen den kompletten VW-Vorstand und den Aufsichtsrat.

Mit der Klage will der Experte für gute Unternehmensführung die auf der Hauptversammlung erteilte Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat anfechten. Zudem will Strenger erreichen, dass die damals beschlossene Wahl von drei Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch für nichtig erklärt wird. Das zeigt die Klageschrift, die manager magazin online vorliegt.

Die Wahl der vier Aufsichtsratsmitglieder auf "nichtigen Beschlussvorschlägen des Aufsichtsrats" beruht, heißt es in der Klageschrift. Die Begründung dafür: Vorstand und Aufsichtsrat hätten dem Deutschen Corporate Goverance Kodex zufolge noch eine Erklärung vor der Wahl der neuen Aufsichtsräte abgeben müssen. Dies sei aber verabsäumt worden.

Da dieses Versäumnis laut Strengers Rechtsanwalt einen schwerwiegenden Gesetzesverstoß darstelle, sei auch die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat nichtig.

Corporate-Governance-Profi kritisierte VW mehrfach hart

Nun muss das Landgericht Hannover entscheiden, ob die Klage zur Verhandlung zugelassen wird.

Strenger war jahrelang Mitglied der deutschen Corporate Governance Kommission, die über gute Unternehmensführung in Deutschland wacht. Der Ökonomieprofessor sitzt zudem im Aufsichtsrat der DWS, dem Investmentfonds der Deutschen Bank. Strenger leitete die DWS auch einige Zeit lang. Heute berät er ausländische Pensionsfonds, die bei Volkswagen investiert sind.

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Auf der Hauptversammlung der Volkswagen AG Ende Juni ging Strenger bereits mit der VW-Führung hart ins Gericht und warf ihr Wagenburg-Mentalität vor.

Strengers Antrag auf eine Sonderprüfung scheiterte damals. Er deutete aber bereits damals an, dass er nun den Weg über ein Gericht gehen wolle. Das hat er nun getan - die Klage datiert vom 22. Juli.

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