Montag, 30. März 2020

Coronavirus legt Autowerke weltweit still - aber nicht überall Wo die Autobranche brach liegt, wo noch was vom Band läuft

VW-Werk in Chattanooga, Tennessee: Auch hier läuft nun nichts mehr vom Band

In den vergangenen Tagen haben sich die Ereignisse in der Automobilindustrie überschlagen: Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten Autohersteller und Zulieferer ihre Werke herunterfahren und vorübergehend stilllegen - zuerst in Europa, mittlerweile auch fast flächendeckend in den USA.

Läuft also gar nichts mehr in der Autobranche vom Band? Nicht ganz, denn Autohersteller agieren so global wie nur wenig andere Branchen. In China etwa laufen die meisten Werke bereits wieder, weil die Neuansteckungsraten mit Covid-19 zuletzt stark zurückgegangen sind. Die chinesischen Behörden haben die strengen Restriktionen für die Wirtschaft wieder gelockert - auch wenn gerade der deutschen Autoindustrie durch den Einbruch in China erhebliche Einbußen drohen.

Und auch zahlreiche andere Länder sind (noch) nicht von starken Ausbruchswellen des Coronavirus erfasst worden, weshalb das Wirtschaftsleben vorerst normal weiterläuft. Hier ein kurzer Überblick nach den wichtigsten Autoherstellern, Stand Montag, 23. März.

Der Volkswagen-Konzern hat die Produktion an seinen europäischen Standorten nun flächendeckend ausgesetzt: Seit Freitag sind alle Werke der Marke VW in Europa vorerst für zwei Wochen zu. Das Porsche-Stammwerk in Zuffenhausen und der Standort Leipzig sind seit Samstag für zwei Wochen geschlossen. Die drei Skoda-Standorte in Tschechien machten am Mittwoch vorübergehend ihre Schotten dicht, der Wiederanlauf ist frühestens ab dem 6. April geplant. Bei Audi stehen sämtliche europäischen Werke sowie das Werk in Mexiko seit heute still - "voraussichtlich für längere Zeit", wie der Betriebsrat mitteilte.

Auch das Bugatti-Atelier in Molsheim steht seit Freitag, dem 20.03. still - ebenso wie europaweit die Truck-Werke der VW-Nutzfahrzeugmarken Scania und MAN, die nun unter dem Namen Traton Group firmieren. Geschlossen sind auch die Werke des Konzerns in Spanien, Portugal und der Slowakei, sowie die Lamborghini-Manufaktur und das Ducati-Werk in Italien. Damit sind die meisten Werke des Volkswagen-Konzerns in Europa für zwei bis drei Wochen zu.

In den USA hat VW sein Werk in Chattanooga am Samstag stillgelegt - allerdings vorerst nur für eine Woche. Die beiden großen mexikanischen Werke in Puebla und Guanajuato sind aus Gründen des Gesundheitsschutzes nun ebenfalls bis auf weiteres geschlossen. VWs Werk im indischen Pune ist seit Sonntag ebenfalls geschlossen. In Brasilien will VW seine vier Werke ab dem 31. März für zehn Tage schließen. Für alle geschlossenen Werke gilt aber: Ein kleiner Teilbereich könnte demnächst wieder die Arbeit aufnehmen. Denn VW plant wie auch mehrere US-Autohersteller, auf den werkseigenen 3D-Druckern Teile für Beatmungsgeräte herzustellen.

Immerhin: In China, so vermeldete Volkswagen-Chef Herbert Diess vergangenen Dienstag, haben die Autowerke die Produktion fast alle wieder aufgenommen.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler hat seine Produktion in Europa vergangene Woche zunächst für zwei Wochen weitgehend gestoppt, die Schließungen könnten aber auch länger anhalten, wenn es die Pandemie-Lage erfordert. In Indien fährt Mercedes-Benz ab dieser Woche sein Werk ebenfalls herunter. In Daimlers US-Werk in Tuscaloosa, Alabama sowie im Nutzfahrzeug-Werk in Charleston, South Carolina stehen die Bänder nun ebenfalls für mindestens zwei Wochen still. Ebenso in Brasilien, wo die Arbeit ab dieser Woche nun für vier Wochen ruht. Und in Daimlers Transporter-Werk in Argentinien ruht die Produktion nun bis zum 31. März aufgrund einer staatlichen Anordnung.

Gearbeitet wird offenbar noch in den Werken von Daimler Trucks North America: Für seine US-Nutzfahrzeugtochter vermeldet der Konzern, dass er die aktuelle Situation "ebenfalls sehr genau beobachtet, um schnell und sehr flexibel auf neue Entwicklungen reagieren zu können". Sein Servicenetz von rund 3000 Stützpunkten für Nutzfahrzeuge - also Lkws der Marken Mercedes-Benz und Fuso sowie Daimler-Busse - hält der Konzern aber vorerst aufrecht, wo immer es organisatorisch möglich ist und gesetzliche oder behördliche Auflagen dem Betrieb nicht entgegenstehen. Und in China ist die Arbeit in den Daimler-Werken wieder aufgenommen worden, vermeldeten die Stuttgarter vor wenigen Tagen.

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