Coronavirus-bedingte Werksstillegungen der Autobranche So planen die Autobauer für den Lockdown und danach

VW-Werk in Chattanooga, Tennessee: Hier will der Konzern schon ab 5. April wieder die Bänder laufen lassen

VW-Werk in Chattanooga, Tennessee: Hier will der Konzern schon ab 5. April wieder die Bänder laufen lassen

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Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten Autohersteller und Zulieferer ihre Werke in Europa und den USA großteils stilllegen. Manche planten erstmal eine vorübergehende Produktionspause von zwei Wochen ein - und müssen diese nun teils verlängern. Andere wiederum bereiten bereits ein Wiederanfahren der Bänder vor.

Es könnte also auch in Europa und den USA bald wieder was vom Band laufen - wenn die lokalen Behörden den Autobauern nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Im weltgrößten Automarkt - China - laufen ohnehin die meisten Autowerke bereits wieder, weil die Neuansteckungsraten mit dem Covid-19-Virus seit Längerem bei Null geblieben sind. Deshalb haben die chinesischen Behörden die strengen Restriktionen für die Wirtschaft gelockert - auch wenn gerade der deutschen Autoindustrie durch den Einbruch in China erhebliche Einbußen  drohen.

Hier ein kurzer Überblick über die aktuellen Planungen der wichtigsten Autohersteller (Stand: 1. April 2020).

Der Volkswagen-Konzern hatte die Produktion an seinen europäischen Standorten Mitte März flächendeckend ausgesetzt - vorerst für zwei Wochen, wie es damals hieß. Nun hat der Autobauer den Produktionsstopp für die deutschen VW-Werke bis 19. April verlängert. Für rund 80.000 Beschäftigte der Volkswagen AG wurde Kurzarbeit eingeführt. Für die anderen Konzernmarken Audi und Porsche gilt noch eine Auszeit bis 9. April. Es wird aber damit gerechnet, dass auch bei diesen VW-Töchtern die Bänder länger stillstehen werden.

Die Kernmarke VW bereitet gleichzeitig das Wiederanfahren der Bänder vor - etwa indem der Abstand zwischen den Mitarbeitern am Band vergrößert wird und Sanitärräume öfter gereinigt werden, um den Mitarbeitern die Angst vor Ansteckung zu nehmen. Bei Porsche heißt es, die Lage werde kontinuierlich beobachtet und Woche für Woche neu entschieden. Auch in anderen Ländern stehen die Bänder bis Ostern still.

In den USA will VW sein Werk in Chattanooga ab dem 5. April wieder anlaufen lassen - vorbehaltlich behördlicher Verfügungen. Immerhin: In China, so vermeldete Volkswagen-Chef Herbert Diess vor zwei Wochen, haben die Autowerke die Produktion fast alle wieder aufgenommen.

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Bei dem Stuttgarter Autobauer Daimler ruht ein Großteil der Auto- und Nutzfahrzeugproduktion in Europa und den USA seit dem 23. März. In Deutschland wird der überwiegende Teil der Beschäftigten in der Produktion und zum Teil auch der Verwaltung ab dem 6. April bis zunächst 17. April in Kurzarbeit gehen. Von der Kurzarbeit sind sowohl Pkw- als auch Transporter- und Nutzfahrzeug-Werke betroffen. Für die europäischen Standorte gelten länderspezifische Regelungen.

In Indien fuhr Mercedes-Benz ab 23. März sein Werk ebenfalls herunter. In Daimlers US-Werk in Tuscaloosa, Alabama, sowie im Nutzfahrzeug-Werk in Charleston, South Carolina, stehen die Bänder seit Mitte März still, der Wiederanlauf in Tuscaloosa ist aktuell ab dem 7. April geplant.

In Brasilien pausiert Daimlers Werk ab dieser Woche voraussichtlich bis zum 20. April. Und in Daimlers Transporter-Werk in Argentinien ruht die Produktion bis auf weiteres aufgrund einer staatlichen Anordnung.

Sein Servicenetz von rund 3000 Stützpunkten für Nutzfahrzeuge - also Lkws der Marken Mercedes-Benz und Fuso sowie Daimler-Busse - hält der Konzern aber vorerst aufrecht, wo immer es organisatorisch möglich ist und gesetzliche oder behördliche Auflagen dem Betrieb nicht entgegenstehen. Und in China ist die Arbeit in den Daimler-Werken wieder aufgenommen worden, vermeldeten die Stuttgarter Mitte März

BMW will ab 19. April wieder loslegen, FCA in den USA schon früher

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Konkurrent BMW hat sämtliche Werke in Europa und das Werk in Südafrika bis zum 19. April geschlossen. Auch die Bayern haben Kurzarbeit angemeldet, für 20.000 Beschäftigte. Im US-Werk in Spartanburg stoppen die Bayern die Produktion allerdings erst ab dem 3. April, und dann vorerst für einen Zeitraum von zwei Wochen. Vermutlich liegt auch das BMW-Werk in Brasilien vorerst still, eine offizielle Verlautbarung gibt es dazu auf der Website der BMW Group allerdings nicht. In China hingegen ist die Fertigung wieder angelaufen.

Alle drei deutschen Hersteller wollen in der Krise aber nun bei der Produktion von Teilen für Beatmungsgeräte helfen.

Der Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA) will eigentlich nächste Woche drei seiner Werke in Italien wieder anfahren. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass die italienische Regierung dafür grünes Licht geben wird. In dem besonders stark von der Corona-Pandemie betroffenen Land wird damit gerechnet, dass die Beschränkungen zur Eindämmung des Virus um zwei weitere Wochen bis zum 18. April verlängert werden.

In den USA und Kanada bleiben die FCA-Werke bis 14. April geschlossen - ebenso wie das Hauptquartier in Detroit, auch Bauprojekte sind vorübergehend stillgelegt. Einzig die FCA-Ersatzteiltochter Mopar bleibt weiterhin geöffnet, mit bezahlten Freiwilligen, wie FCA vermeldete. Denn Mopar sei "essentiell, um Ersthilfskräfte und Nutzfahrzeuge auf der Straße zu halten", so FCA. Über den Status seiner mexikanischen Werke will FCA demnächst genauer informieren.

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Der französische Autohersteller PSA Group, zu dem auch die deutsche Marke Opel gehört, hat Mitte März sämtliche europäischen Werke vorübergehend gestoppt. Die französische Opel-Mutter PSA trifft aber bereits Vorbereitungen, um ihre seit Mitte März stillstehenden europäischen Werke schrittweise wieder anzufahren. Dafür werde derzeit ein Fahrplan erarbeitet. Um die Ansteckungsgefahr in den Fabriken zu verringern, wird die Körpertemperatur der Mitarbeiter regelmäßig gemessen, täglich werden neue Atemschutzmasken ausgegeben. Auf dem Boden in jedem Arbeitsbereich und in Besprechungs- und Pausenräumen sind außerdem Mindestabstände markiert.

Beim Konkurrenten Renault stehen nun sämtliche Werke weltweit still - mit Ausnahme der Produktionsstätten in China und Südkorea, die bereits wieder im Vollbetrieb laufen oder gerade die Fertigung wieder anfahren. Laut einem Communiqué vom 30. April will Renault seine wegen der Coronavirus-Pandemie stillgelegten Werke erst dann wieder anlaufen lassen, wenn es die Bedingungen erlauben - es gibt also aktuell kein offizielles Datum für die Wiederaufnahme der Produktion.

General Motors verlängert Werkspausen auf unbestimmte Zeit

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Auch der britische Autohersteller Jaguar Land Rover hat seine Produktion in Europa seit dem 20. März für vier Wochen eingestellt. Die Werke in Indien sollten nach ursprünglichen Planungen weiter laufen. Da Indiens Premierminister Narenda Modi am 24. März aber einen dreiwöchigen "Shutdown" für das Land verordet hat, läuft nun bis Mitte April definitiv nichts mehr von indischen Bändern. Das Werk in Brasilien sollte ohne große Einschränkungen weiter laufen. Ob es aktuell tatsächlich Autos produziert, ist vorerst nicht bekannt.

Der Autoriese Toyota hat seine Werke in Europa ebenfalls vorübergehend stillgelegt, ebenso jene in den USA und in Indien. Und auch in Japan hält Toyota nun ab 3. April mehrere Produktionsstraßen in unterschiedlichen Fabriken an. Allerdings nicht für allzu lange Zeit: Der längste Produktionslinien-Shutdown dauert gerade mal neun Werktage.

Der US-Autobauer Ford hat wegen der Coronavirus-Pandemie ebenfalls sämtliche Werke in Nordamerika und Europa heruntergefahren. Aktuell beschäftigt sich der Konzern in Europa bereits mit Vorbereitungen für einen Neustart. Einen Zeitpunkt dafür gebe es aber noch nicht, heißt es aus der Kölner Europazentrale. "Wir schauen von Woche zu Woche." Am 20. April wolle man prüfen, wann die Produktion wieder beginnen könne.

In den USA will der Konzern die Produktion in einigen Werken bereits am 6. April wieder aufnehmen, um dort besonders profitable Fahrzeuge wie den Pick-up F-150, den Transporter Transit und SUV-Modelle zu bauen.

General Motors hat sämtliche Werke in Nordamerika vorübergehend stillgelegt. Ursprünglich sollten die Werke ab dem 30. März wieder anlaufen. Vor wenigen Tagen hat der US-Autoriese aber die Stilllegungen auf unbestimmte Zeit verlängert. In einer E-Mail an Zulieferer hieß es: "Angesichts der noch nie dagewesenen Umstände ist es unklar, wann exakt wir die Produktion wieder aufnehmen werden." Seinen Aufsichtsräten hat GM das Gehalt wegen der Krise um 20 Prozent gekappt, Vorstände müssen Lohneinbußen von 25 bis 30 Prozent hinnehmen.

Der Elektroautobauer Tesla hat sein US-Hauptwerk in Fremont am 23. März geschlossen - allerdings erst auf Druck der lokalen Behörden. Wie US-Medien berichten, mussten Dutzende Arbeiter aber noch mehrere Tage danach ins Werk, weil ihre Jobs als "essenziell" eingestuft wurden. Der Autohersteller hat vor knapp einer Woche bestätigt, dass zwei seiner Mitarbeiter positiv auf das Covid-19-Virus getestet wurden.

Die neue Tesla-"Gigafactory" in Shanghai läuft bereits wieder. Alle drei genanten US-Autohersteller wollen und sollen nun Beatmungsgeräte für Coronavirus-Erkrankte herstellen: Ford und GM tun sich dafür mit Medizintechnikfirmen zusammen, Tesla will nach bisherigen Angaben eher Medizintechnik-Teile produzieren.

Lange stemmte sich auch der koreanische Autoriese Hyundai-Kia dem Werksstilllegungsreigen entgegen. Am 19. März erklärten die Koreaner dann, ihr tschechisches Werk bis zum 3. April zu schließen. Nun verlautbarte Hyundai, dass das Werk in Tschechien ab dem 14. April die Produktion wieder aufnehmen soll. Zugleich spendet Hyundai der tschechischen Regierung Geld für medizinisches Material und stellt kostenlos 20.000 Atemschutzmasken in der Umgebung der Autofabrik zur Verfügung.