Montag, 30. März 2020

Auch Porsche schließt, Tesla-Sonderweg beendet Werke reihum dicht - so beugen sich die Autobauer der Coronakrise

Ab Samstag läuft auch hier nichts mehr vom Band: Porsche-Hauptwerk in Zuffenhausen, Stuttgart

Wegen der Coronavirus-Pandemie setzt Europas Autobranche - um im Branchenjargon zu bleiben - zur beispiellosen Vollbremsung an.

Ab Samstag wird der weltgrößte Autohersteller Volkswagen Börsen-Chart zeigen seine Produktion in Deutschland dramatisch herunterfahren. Am Freitag soll an den allermeisten deutschen Standorten die letzte Schicht laufen, dann wird die Produktion weitgehend ausgesetzt.

Coronavirus-Erkrankungen von VW-Mitarbeitern sind ein Grund für den drastischen Schritt, sich abzeichnende Probleme in der Teileversorgung ein anderer. Zudem hat der Konzernbetriebsrat wohl erheblichen Druck auf die Konzernführung ausgeübt, wie manager-magazin.de berichtete. Zuvor hatte der Konzern angekündigt, die Fertigung von Seat-Modellen im spanischen Martorell herunterzufahren. Drosseln will VW auch seine Produktion im VW-Werk im spanischen Navarra und in einem Werk in der Nähe von Lissabon.

Der Autoriese ist nicht alleine mit seinem Bremsmanöver. Europas Autoindustrie kommt wegen der Coronavirus-Pandemie in größeren Teilen vorübergehend zum Erliegen. Erster im Stilllegungsreigen der Autobranche war Fiat Chrysler Automobiles: Der Autobauer legt sechs Werke in Italien, das Werk in Serbien und in Polen vorübergehend still - erstmal bis zum 27. März. Als Grund gibt FCA unter anderem die sinkende Nachfrage an.

BMW hat am Mittwoch erklärt, seine Autoproduktion in sämtlichen Produktionsstätten in der EU sowie in Südafrika für vier Wochen ruhen zu lassen.

Daimler hat sich bereits gestern dazu entschlossen, einen Großteil seiner Produktion in Europa zu unterbrechen. Wie der Stuttgarter Autobauer am Dienstagnachmittag verlautete, soll die Produktion in Europa zunächst für zwei Wochen weitgehend ruhen. Die vorübergehende Stilllegung betrifft "europäische Pkw-, Transporter- und Nutzfahrzeug-Werke des Unternehmens und beginnt in dieser Woche", hieß es in einer E-Mail des Konzerns. Auch die "in ausgewählten Verwaltungsbereichen in Europa" wird nun unterbrochen. Zugleich überprüft Daimler seine globalen Lieferketten, die "derzeit nicht in vollem Umfang aufrechterhalten werden können", wie es in der Mail heißt. Eine Verlängerung der Maßnahmen hänge von der weiteren Entwicklung ab.

Auch Fiat, PSA und Ford fahren die Produktion drastisch herunter

Auch der Autokonzern Ford setzt ab Donnerstag die Produktion von Fahrzeugen und Motoren aus - und zwar in allen seinen kontinentaleuropäischen Standorten. Damit sind die Werke deutschen Werke in Köln und Saarlouis sowie das Werk im rumänischen Craiova vorübergehend dicht. Fords Werk im spanischen Valencia musste bereits am Montag in die Zwangspause, nachdem drei Mitarbeiter positiv auf Coronaviren getestet worden waren. Ford selbst erwartet, dass die Werke für mehrere Wochen still stehen werden.

Die Opel-Mutter PSA erklärte am Montag zunächst, sämtliche französische Werke vorübergehend stillzulegen. Die französischen Gewerkschaften hatten PSA schon seit einigen Tagen zu einer solchen Entscheidung gedrängt - mit Verweis auf die Mitarbeiter, bei denen laut Gewerkschaft Panik herrsche wegen der Ausbreitung des Coronavirus.

Kurz darauf weitete PSA die Werksschließungen auf sämtliche europäischen Standorte aus - also auch alle Opel-Werke in Deutschland, Großbritannien, Spanien und Polen sowie Standorte in Portugal und der Slowakei. Auch bei PSA gilt die Stilllegung erstmal bis 27. März.

Renault stoppt Produktion in Frankreich und Spanien

Ähnlich schrittweise ging der französische Konkurrent Renault vor: Am Montagnachmittag erklärte Renault, die Produktion in sämtlichen 12 französischen Werken wegen der Coronavirus-Pandemie bis auf weiteres zu stoppen. Rund 18.000 Mitarbeiter in Frankreich sind von dem Schritt betroffen. Seit heute morgen ist klar, dass Renault auch seine Produktion in Spanien vorübergehend komplett stoppt. Als Grund für den Schritt gibt der französische Autohersteller die Ausrufung des Notstands in Spanien an.

Auch die VW-Tochter Audi stellt die Fertigung an mehreren Standorten im In- und Ausland bis auf Weiteres ein. Dies betreffe die Werke in Ingolstadt, Neckarsulm, Belgien, Mexiko und Ungarn. Dort werde Audi in Abstimmung mit Betriebsrat und den Volkswagen-Konzern bis Ende der Woche die Produktion "kontrolliert und ordentlich" herunterfahren. Audi-Betriebsratschef Peter Mosch erklärte, er hoffe auf ein solidarisches und unbürokratisches Entgegenkommen des Unternehmens gegenüber der Belegschaft. "Wir drängen hier auf verbindliche Zusagen."

Seite 1 von 2

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung