Montag, 30. März 2020

Autowerke dicht - doch 3-D-Drucker könnten helfen VW und PSA könnten Teile für Beatmungsgeräte herstellen

Erster Prototyp für ein Beatmungsgeräte-Teil aus dem 3-D Drucker von Skoda

Was tun Autohersteller, wenn sie ihre Werke wegen der Coronavirus-Pandemie in Europa und den USA in weiten Teilen schließen müssen? In den USA und in Italien bringen sie ihre Technik-Kompetenzen ins Spiel, um die Coronakrise möglichst schnell hinter sich zu bringen.

Ford und General Motors haben erklärt, auf Ersuchen der Trump-Regierung die Produktion eigener Beatmungsgeräte für Coronakranke zu prüfen. Solche Beatmungsgeräte sind in den USA in vergleichsweise geringer Zahl in den Krankenhäusern verfügbar, wären Intensivstationen aber bei der Behandlung von SARS-CoV-2-Virus Erkrankten eine große Hilfe. Auch der Elektroauto-Spezialist Tesla erwägt einen solchen Schritt. In Italien haben Fiat und Ferrari ähnliche Pläne angekündigt.

Nun gibt es ähnliche Überlegungen auch in Deutschland, wie manager-magazin.de aus informierten Kreisen erfuhr. Der weltgrößte Autobauer Volkswagen spendet nicht nur Atemschutzmasken aus eigenen Lagerbeständen, sondern will nun ebenfalls bei der Herstellung solcher Beatmungsgeräte mitmachen. Wie ein Konzernsprecher gegenüber manager-magazin.de erklärte, geht es dabei vor allem um die Produktion von Bauteilen solcher Geräte. Zuerst hatte das Handelsblatt darüber berichtet.

Für die Aufgabe hat der Volkswagen-Konzern eine eigene internationale Taskforce gebildet. Diese kümmert sich "mit Hochdruck um dieses Thema", heißt es aus dem Konzern. Der Konzern "ist bereit zu helfen und bereitet sich entsprechend vor".

Für die Produktion der Bauteile will Volkswagen die insgesamt 125 industriellen 3D-Drucker nutzen, die im weltweiten Konzernverbund verfügbar sind und in normalen Zeiten vor allem im Prototypenbau und in der Vorserienentwicklung eingesetzt werden. Im 3D-Druck verfügt Volkswagen laut Eigenangaben über rund 25 Jahre Erfahrung.

VW-Tochter Skoda hat erste Test-Teile gedruckt

Mit den Druckern ließen sich etwa Schläuche oder auch Gesichtsmasken aus Kunststoff herstellen, allerdings nicht komplette Beatmungsgeräte. Eine Großserienproduktion der Teile ist aber offenbar eher nicht geplant: Denn laut Volkswagen eignen sich die 3D-Drucker generell für Bauteile mit "hohem Komplexitätsgrad und eher niedriger Stückzahl".

Medizinisches Equipment sei natürlich Neuland für den Konzern, hieß es gegenüber manager-magazin.de. Sobald Volkswagen aber die Anforderungen kenne und entsprechende Blaupausen erhalte, könne der Konzern starten. Dazu steht Volkswagen im Austausch mit Regierungen, Verbänden, Vereinen und Behörden, um den konkreten Bedarf zu ermitteln.

Zum einen seien Behörden in mehreren Ländern an den VW-Konzern herangetreten, heißt es aus Wolfsburg. Zum anderen sei der Autobauer aber auch selbst aktiv geworden. Man teste bereits erfolgreich Materialien und eruiere mögliche Beschaffungswege. Die tschechische VW-Tochter Skoda hat laut Konzernangaben bereits erste Versuchsteile für Beatmungsgeräte in ihren 3D-Druckern fabriziert und kooperiert dazu auch mit einer lokalen Universität.

Opel-Mutter PSA "prüft diese Möglichkeit"

VW ist aber nicht der einzige europäische Autohersteller, der in diese Richtung denkt. Die PSA Group Börsen-Chart zeigen, zu der neben Peugeot und Citroën auch die deutsche Automarke Opel zählen, erwägt, ebenfalls bei der Herstellung von Beatmungsgeräten zu helfen. "Wir können bestätigen, dass wir derzeit diese Möglichkeit prüfen", hieß es auf Anfrage von manager-magazin. Die Erwägungen seien aber noch in einem sehr frühen Stadium, hieß es auf Nachfrage, man könne deshalb nicht weiter ins Detail gehen.

Vom US-Autohersteller Ford, der in Köln und Saarlouis große Werke betreibt, kam auf Nachfrage bislang keine Antwort. Daimler und BMW erklärten auf Nachfrage von manager-magazin.de, aktuell keine Erwägungen in diese Richtung anzustellen.

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