Montag, 30. März 2020

Fiat Chrylser, PSA, VW, Renault schließen Werke oder fahren Produktion runter Corona-Krise trifft Europas Autobauer jetzt mit Macht

Jetzt sechs Fabriken allein in Italien geschlossen: Ein Fiat-Mitarbeiter mit Maske verlässt am 10. März eine Produktionsstätte in Turin.
REUTERS/Massimo Pinca/File Photo
Jetzt sechs Fabriken allein in Italien geschlossen: Ein Fiat-Mitarbeiter mit Maske verlässt am 10. März eine Produktionsstätte in Turin.

Die Einschläge im Zuge der Corona-Krise kommen für Europas Autobauer immer näher: Fiat Chrysler (FCA) schließt wegen der Auswirkungen der Pandemie die meisten Werke in Europa. Davon ist auch die Maserati-Produktion betroffen. Bis Ende März werden allein in Italien sechs Produktionsstätten geschlossen bleiben und jeweils ein FCA-Werk in Serbien und Polen, teilte der Konzern am Montag mit. Die Nachfrage sinke rapide.

Nicht nur FCA leidet: Volkswagen fährt die Produktion von Seat im spanischen Martorell und im VW-Werk in Navarra herunter. Das VW-Werk in der Nähe von Lissabon drosselt die Produktion um 16 Prozent. Dort fehlt es vor allem an Arbeitern, nachdem die portugiesische Regierung die Schließung aller Schulen angeordnet hat.

Der Opel-Mutterkonzern PSA wiederum alle schließt alle Werke in Frankreich. Begonnen werde am Montagnachmittag mit dem Werk in Mülhausen im Elsass. Die anderen Fabriken würden folgen. Die Gewerkschaft CFDT erklärte, sie habe die Geschäftsführung von PSA zu der Entscheidung gedrängt. Grund sei die "Panik" unter den Beschäftigten. Auch Renault verriegelt wegen der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie vier Fabriken in Spanien - vorerst für Montag und Dienstag. Die weitere Entwicklung sei ungewiss. Es fehle an fehlende Nachschub und Schutzausrüstung für die Beschäftigten, begründete ein Sprecher in Spanien.

In Italien steht das öffentliche Leben bereits komplett still. Nach China ist Italien am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen. Sie wird nach Befürchtung des Experten Ferdinand Dudenhöffer "in Teilen der westeuropäischen Autoindustrie" selbst bei optimistischer Einschätzung "eine Schneise der Verwüstung" hinterlassen. Der Grund: Corona verschärfe die Problemlage der Industrie lediglich.

Der Automobilbranchen-Experte, der seit kurzem als Studienleiter des Institute for Customer Insight an der Universität St. Gallen arbeitet, hat über das Wochenende die möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den westeuropäischen Automarkt analysiert. Die Studie liegt manager-magazin.de vor, und sie zeichnet ein bitteres Bild für die nahe Zukunft der europäischen Autoindustrie

Allein in Deutschland, so prognostiziert Dudenhöffer, werde der Pkw-Absatz in diesem Jahr um eine halbe Million Fahrzeuge schrumpfen. Statt zuletzt rund 3,6 Millionen Fahrzeuge werden in Deutschland laut seiner Prognose in diesem Jahr nur mehr 3,1 Millionen Autos verkauft. Die deutschen Autobauer müssten sich in ihrem Heimatmarkt auf ein Absatzminus von rund 14 Prozent einstellen.

Besonders hart werde die Krise Italiens Automarkt treffen: Das Absatzminus verkaufter Neuwagen im laufenden Jahr schätzt Dudenhöffer auf 16,2 Prozent. Aber auch auf Hauptmärkten wie Frankreich (-13 Prozent) und Spanien (-10 Prozent) würden die Hersteller im laufenden Jahr deutlich weniger Fahrzeuge verkaufen als im Vorjahr.

Allein in Deutschland werde das erwartete Absatzminus rund eine halbe Million Autos ausmachen. Der Einbruch wird so deutlich ausfallen, weil der Neuwagenmarkt in Deutschland im Vorjahr noch sehr gut lief. Auch ohne Coronavirus wäre der deutsche Neuwagenmarkt um 300.000 Fahrzeuge zurückgegangen, meint Dudenhöffer.

"Schlimmeres steht noch bevor" für die Autobranche, meint die FT

Im Schnitt werde das Minus in Westeuropa bei 11 Prozent liegen, sagt der Experte voraus - wohlgemerkt unter der günstigen Annahme, dass sich das öffentliche Leben in drei Monaten wieder normalisiert, das Finanzsystem in Europa nicht zusammenbricht und es keine Bankenpleite gibt.

Doch auch ohne die verschärfenden Wirkungen der Corona-Pandemie wäre der Markt in West-Europa auf geschätzte 13,73 Millionen Verkäufe geschrumpft. Corona erhöhe das Minus lediglich nochmals um mindestens eine Million weniger Verkäufe.

Italienische Zustände auf dem Automarkt könnten mit etwas Zeitverzug auch bald die deutschen Autobauer treffen, wie wir erst vor wenigen Tagen berichteten.

Nun warnt auch die Wirtschaftszeitung "Financial Times" ("FT") vor heftigen Verwerfungen auf dem europäischen Automarkt. Zwar sei in Italien der Neuwagenverkauf im Februar nur um 9 Prozent zurückgegangen, doch "Schlimmeres steht noch bevor", meint die "FT". In diesem Monat könnte Italiens Rückgang bei den Neuwagenzulassungen noch Chinas 79-Prozent-Sturz vom Februar übertreffen.

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