VDMA zu Schutzausrüstung aus dem 3-D-Drucker 3-D-Druck-Betriebe rufen nach Krisen-Koordination

Intensivbett in Dresdener Krankenhaus: Angesichts des Mangels an Medizintechnik und Schutzausrüstung wollen Industriebetriebe aushelfen

Intensivbett in Dresdener Krankenhaus: Angesichts des Mangels an Medizintechnik und Schutzausrüstung wollen Industriebetriebe aushelfen

Foto: Ronald Bonss/dpa-Zentralbild/dpa

Angesichts fehlender Schutzausrüstung und Beatmungsgeräte rüsten immer mehr Unternehmen um und stellen ihre Produktion auf dringend benötigtes Material um. Neben Textilbetrieben, die auf die Fertigung von Schutzmasken umgestiegen sind, ist hier auch immer wieder die Rede von 3-D-Druckverfahren, mit denen beispielsweise Autobauer den Kampf gegen die Pandemie unterstützen wollen. Was kann die Technik tatsächlich leisten - und was nicht? Rainer Gebhardt, 3-D-Druck-Experte des Maschinenbauerverbandes VDMA gibt Auskunft.

manager magazin: Angesichts mangelnder Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung bieten immer mehr Unternehmen an, in ihren Werken anstelle ihrer normalen Produkte Schutzausrüstung oder in ihren 3-D-Druckern Teile für Beatmungsgeräte zu produzieren. Wie realistisch ist das? Daran, dass sich mal eben Teile für Beatmungsgeräte drucken lassen, hat der medizintechnik-Hersteller Drägerwerk ja schon deutliche Zweifel angemeldet.

Rainer Gebhardt: Ja, 3-D-Druck per se ist sicherlich nicht für alle Produkte geeignet - dessen sollte man sich auch bewusst sein. Aber dort, wo es Sinn macht, sollten wir unsere Fähigkeiten nutzen.

Wo würde es denn Sinn machen? Bei der Herstellung von Schutzausrüstung?

Ja, zum Beispiel. Und vielleicht ja auch bei Ersatzteilen für Beatmungsgeräte wie Formteile und Anschlüsse, die Berichten zufolge ja mittlerweile auch schon knapp sind. Aber was da sinnvoll und umsetzbar ist, sollten die jeweiligen Experten beurteilen. Da steckt mehr Know-how drin, als man auf den ersten Blick vermutet. Mangelhafte Ware, wie sie aktuell auch in den Markt gebracht wird, hilft niemandem.

Es sind schon viele Unternehmen nach vorne getreten und haben angeboten, mit ihren 3-D-Anlagen bei besonders benötigten Produkten einzuspringen. Bislang wirkt das aber noch nicht koordiniert. Gibt es mittlerweile eine zentrale Stelle, die Bedarf und Kapazitäten miteinander abgleicht und zwischen möglichen Produzenten und Abnehmern koordiniert.

Rainer Gebhardt
Foto: Uwe Noelke/VDMA

Rainer Gebhardt ist Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA und vertritt dort die Interessen von mehr als hundert 3-D-Druck-Betrieben, deren Kunden und Zulieferern.

Meines Wissens noch nicht. Aber die wäre sehr sinnvoll. Was es gibt, ist ein Aufruf der EU-Kommission an Dienstleister sowie eine Eilanfrage des Bundesgesundheitsministeriums, in der genau beschrieben wird, was an Schutzausrüstung dringend benötigt wird, und welche Anforderungen diese Produkte erfüllen müssen.

Wir brauchen eine Taskforce

Immerhin etwas. In Großbritannien haben sich für den Bau von dringend benötigten Beatmungsgeräten bereits Firmen zusammen getan.

Ja, um diese Prozesse effektiver zu gestalten, wäre es meiner Meinung nach sinnvoll, so etwas wie eine Koordinierungsstelle oder eine Taskforce einzurichten, die die Steuerung dieser ganzen Angelegenheit in ihre Hände nimmt.

Mit 3-D-Druck produzierte Schutzmaske aus den USA

Mit 3-D-Druck produzierte Schutzmaske aus den USA

Foto: REUTERS/Nick Oxford

Und wer sollte darin sitzen? Im Gesundheits- und Wirtschaftsministerium sitzen nicht unbedingt Experten für 3-D-Druck und Medizintechnik.

Genau. Es sollte am besten ein Gremium sein, in dem die Expertise aus verschiedenen Bereichen zusammenfließt. Neben Fachleuten, die wissen, was technisch umsetzbar ist, müssten da natürlich auch Experten aus der Medizintechnik vertreten sein, die die genauen Anforderungen an die einzelnen Teile kennen und einschätzen können, bei welchen Komponenten vielleicht für einen beschränkten Zeitraum bestimmte Zertifizierungen verzichtbar sind, damit die Produktion nicht unnötig verzögert wird. Und die in dieser Angelegenheit mit der Regierung zusammenarbeiten können.


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Europäische Verbände fordern ja zudem, auch die Haftungsregeln zu lockern, die ansonsten Unternehmen davon abhalten könnten, einzuspringen.

Ja, das könnte bei einigen Teilen durchaus sinnvoll sein. Aber genau solche Entscheidungen, bei welchen Teilen was verzichtbar ist, sollte meiner Meinung nach ein Fach-Gremium aller Beteiligten treffen. Die erfahrenen Hersteller dieser Technik müssen dabei sein, da die ja auch langfristig Funktion und Zusammenarbeit sicherstellen müssen. Auch was Lizenzen und Patente angeht, wäre eine zentrale Regulierungsstelle sinnvoll - damit Unternehmen schnell helfen können, ohne sich juristisch angreifbar zu machen.

Da gibt es ja durchaus Möglichkeiten für den Krisenfall.

Auf jeden Fall sind wir in Deutschland im Bereich industrieller 3D-Druck-Verfahren ziemlich gut aufgestellt und können ortsnah produzieren, was die Logistik zusätzlich erleichtert. Diese Möglichkeiten sollten wir nutzen.

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