Montag, 30. März 2020

BMW-Jahresbilanz in Zeiten der Coronavirus-Pandemie Klare Worte aus München zu den Corona-Wirren

"Vorsichtig zuversichtlich" - BMW-Chef Oliver Zipse trifft in Coronavirus-Zeiten den passenden Ton
Eric Krügl / BMW
"Vorsichtig zuversichtlich" - BMW-Chef Oliver Zipse trifft in Coronavirus-Zeiten den passenden Ton

So war das natürlich nicht gedacht in München. BMW-Chef Oliver Zipse wollte erste Zeichen setzen bei der Bilanzpressekonferenz 2020. Vor sieben Monaten hat er das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernommen, jetzt wollte er einen Ausblick geben auf seine Ziele. Berichten auch, dass BMW Umsatz und Gewinn im Lauf der Quartale 2019 gesteigert hat. Und erklären, wie er die CO2-Vorgaben der Europäischen Union erfüllen und Strafzahlungen vermeiden will.

Auch über seine Pläne redete er heute morgen. Die Zuhörer aber interessierte vor allem ein anderes Thema: Corona. Und da sprachen Zipse und Finanzvorstand Nicolas Peter sehr klar. Der Absatz werde 2020 weltweit "deutlich unter Vorjahr" liegen, der Gewinn massiv sinken, die Umsatzrendite im Automobilgeschäft zwischen zwei und vier Prozent liegen. Und dieses Negativszenario verband die BMW-Spitze gleich mit der Einschränkung, dass es eine Normalisierung der Situation nach einigen Wochen voraussetzt. Mögliche weitere Corona-Auswirkungen seien aktuell nicht abzuschätzen.

Sprich: es dürfte schlimmer kommen. Folgerichtig schließt der Autobauer die Werke in Europa gleich für vier Wochen; und nicht für zwei wie zum Beispiel die Konkurrenten Volkswagen und Daimler .

Was das alles bedeutet? Vor allem ein bisschen mehr Klarheit, vielleicht auch ein wenig mehr an Ehrlichkeit. Niemand weiß, wie hart der Corona-Virus auf die deutsche Industrie durchschlägt. Volkswagen-Chef Herbert Diess erweckte gestern auf der Jahrespressekonferenz in Wolfsburg den Eindruck, der Autobauer werde einigermaßen locker durch die Krise steuern, sei in China schließlich fast schon wieder auf dem alten Stand. Wirkliche Sicherheit schaffte er dadurch nicht.

Auch BMW malte nicht schwarz. Finanzchef Peter betonte, dass gut 17 Milliarden Euro Liquidität einen ordentlichen Puffer bilden sollten. Vertriebsvorstand Pieter Nota wies darauf hin, in China hätten 95 Prozent der Händler ihre Betriebe wieder geöffnet. Und Betriebsratschef Manfred Schoch sprang Zipse zur Seite: Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit und Homeoffice böten Schutz, "unsere Belegschaft sinnvoll und sicher durch diese Corona-Krise" zu steuern.

Oliver Zipse selbst bilanzierte, "auch in der aktuellen Situation sind wir dennoch vorsichtig zuversichtlich". Aber: "Vorsichtig" ist das zentrale Wort. Düsternis hilft nicht. Übertriebener Optimismus auch nicht. Der BMW-Chef hat den Ton getroffen. Jetzt muss er den Konzern auch in der Spur halten.

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