Continental verbietet Datenschleuder Weitere Konzerne verbannen Whatsapp von Diensthandys

Die Facebook-Tochter Whatsapp greift Daten ab - ständig und von jedem Nutzer. Der Continental-Konzern will seine Beschäftigten und Geschäftspartner davor schützen. Er verbietet jetzt rigoros die Nutzung von Social-Media-Apps wie Whatsapp und Snapchat auf Diensthandys. Er ist nicht der einzige Konzern, der durchgreift.
Alle Kontakte, alle Daten - Social-Media-Apps greifen alles ab, was sie bekommen können

Alle Kontakte, alle Daten - Social-Media-Apps greifen alles ab, was sie bekommen können

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Der Autozulieferer Continental untersagt seinen Mitarbeitern wegen Datenschutz-Bedenken ab sofort den Einsatz von Social-Media-Apps wie Whatsapp und Snapchat auf Diensthandys. Dies gelte im weltweiten Unternehmensnetzwerk und betreffe mehr als 36.000 Mobiltelefone, teilte Continental am Dienstag mit.

Die Dienste griffen auf persönliche und damit potenziell vertrauliche Daten zu - beispielsweise Adressbucheinträge. Dabei gehe es um Daten unbeteiligter Dritter. Continental ist nicht der einzige Konzern, der Whatsapp verbannt. Wie eine Umfrage von manager-Magazin.de ergab, haben auch andere Unternehmen die App von ihren Diensthandys verbannt - oder denken darüber nach.

"Wir arbeiten an null Unfällen im Straßenverkehr und fordern daher eine solche 'Vision Zero' auch für den Datenverkehr", sagte Conti-Vorstandschef Elmar Degenhart. "Wir halten es nicht für akzeptabel, die Erfüllung von Gesetzen zum Datenschutz einseitig auf die Nutzer zu übertragen."

Conti setze auf sichere Alternativen. Im Fall von Whatsapp und Snapchat kann laut Continental der Zugriff auf das Adressbuch nicht eingeschränkt werden - die entsprechenden Datenschutzrisiken wolle das Unternehmen nicht tragen. Auch sollten Beschäftigte und Geschäftspartner geschützt werden.

Continental will Beschäftigte und Geschäftspartner schützen

Schon kurz nach Inkrafttreten der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU am 25. Mai waren erste Beschwerden über Facebook und Google bei Aufsichtsbehörden eingegangen. Die Verordnung soll Verbraucher besser schützen, die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen, Vereine oder Behörden wird deutlich strenger geregelt als bisher. Verbraucher müssen darüber informiert werden, wer Daten wie Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Ausweisnummer aus welchem Grund sammelt - und dem zustimmen. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen. Whatsapp mit mehr als 1,3 Milliarden Nutzern weltweit war 2014 für rund 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft worden.

Whatsapp- Nutzer müssten eigentlich von jedem Kontakt das OK einholen

Continental kritisierte, die Anwendungen wälzten die Verantwortung auf die Nutzer ab. Um der Verordnung zu folgen, müssten Whatsapp-Nutzer von jeder Person im Adressbuch einzeln die Zustimmung zum Teilen ihrer Daten mit den Diensten einholen. Dies sei im Alltag "nicht ausreichend zuverlässig und damit praktisch untauglich". Die Regelung zum Verbot der Messenger-Apps könne aber aufgehoben werden, wenn die Anbieter die unbedenkliche Nutzung "im Sinne des Datenschutzes schon in der Grundeinstellung" ermöglichten.

Bedenken dieser Art waren schon seit längerer Zeit immer wieder angesprochen worden. Whatsapp löste das Problem zuletzt so: Nutzer bestätigen mit der Zustimmung zu den aktuellen Nutzungsbedingungen, dass sie die Kontakt-Informationen "im Einklang mit geltenden Gesetzen" zur Verfügung stellen. Das kann man so verstehen, dass Whatspp davon ausgeht, dass die Nutzer selbst die Erlaubnis zur Weitergabe der Daten eingeholt haben.

Unterschiedliche Politik bei Dax-Konzernen

Continental ist nicht der einzige Dax-Konzern, der zu diesem Mittel greift.

Die Deutsche Bank hat die Nutzung von Messenger-Diensten bereits im vergangenen Jahr verboten - allerdings weniger aus Datenschutzgründen, sondern weil die Nachrichten dort nur unzureichend archiviert werden. Das kann bei der nachträglichen Aufklärung von Vorgängen im Unternehmen problematisch sein.

Und auch bei BMW hat das Facebook-Unternehmen Whatsapp keine Chance. Auf den Diensthandys der Gruppe dürfen Mitarbeiter nach Angaben eines Sprechers nur vom Konzern freigegebene Apps nutzen. "Dazu gehören Whatsapp & Co. nicht."

Und auch bei der Münchener Rück und bei der Commerzbank müssen Mitarbeiter auf ihren Diensthandys auf Whatsapp verzichten. Bei dem Rückversicherer ist die Installation laut einem Firmensprecher verboten.

Andere Konzerne fahren eine weniger rigide Strategie. So ist Whatsapp bei der Commerzbank "für die geschäftliche Kommunikation" nicht zugelassen. Und auch Henkel setzt mit Skype auf ein anderes Unternehmenstool. Henkel-Mitarbeitern ist Nutzung für private Zwecke auf den Firmenhandy aber nicht prinzipiell verboten.

Auch bei der BASF können Mitarbeiter die Messaging-App aus dem Hause Facebook vorläufig weiter nutzen. "Seit der Möglichkeit der End-to-End-Verschlüsselung ist die Nutzung von Whatsapp auf Diensthandys auf Anfrage und auf freiwilliger Basis möglich", erklärte eine Sprecherin. Man weise die Mitarbeiter allerdings vor der ersten Nutzung explizit darauf hin, dass Whatsapp technisch unvermeidbar auf Daten, wie zum Beispiel Kontakte, zugreife. Zudem werde die App "Wie jede andere Anwendung" derzeit auf Vereinbarkeit mit der Datenschutzgrundverordnung geprüft.

Auch der Walldorfer Softwarekonzern SAP erlaubt grundsätzlich die Nutzung von Messenger-Diensten wie Whatsapp auf Dienstgeräten, allerdings nur für private Zwecke und ohne Zugriff auf das lokale Adressbuch. "Wir arbeiten derzeit an einer technischen Lösung, die private von Firmenkontakten trennt und somit die Nutzung von Whatsapp erleichtern soll", teilte SAP auf Anfrage mit.

Auch bei Beiersdorf ist in Sachen Whatsapp noch keine Verbots-Entscheidung gefallen. "Wir befinden uns aktuell noch in der Prüfung, ob es mögliche Nutzungseinschränkungen geben wird", teilte eine Sprecherin mit.

Wenn die Krankendaten per Whatsapp kommen

Kivanc Semen, der mit seinem Unternehmen Dataguard Datenschutzdienstleistungen für Firmen anbietet, beobachtet bei vielen Beschäftigten noch eine beachtliche Sorglosigkeit bei der Nutzung Sozialer Medien. So gebe es bis heute beispielsweise "zahlreiche Pflegedienste, die ihren Mitarbeitern, die vor Ort unterwegs sind, hochsensitive Dinge wie die Krankengeschichte der Kunden per Whatsapp auf das private Handy schicken - zusammen mit deren Name und Anschrift".

Die Brisanz solcher Datenschutzverstöße sei etlichen Unternehmen noch immer nicht bewusst. Andere wiederum seien aktuell einfach noch vollauf damit beschäftigt, ihren Außenauftritt auf der Website oder in Newslettern so zu gestalten, dass sie nicht gegen die neuen gesetzlichen Auflagen verstoßen. Alternativen sieht der Experte in Diensten wie Threema Work, "die in Sachen Datenschutz deutlich sicherere Kommunikationskanäle bieten", wie Semen betont.

Wie Dienst-Handys verwendet werden ist nach den Worten des hannoverschen Arbeitsrechtlers Max Wittig eine unternehmerische Entscheidung. Die Arbeitnehmer müssen sich danach richten - selbst dann, wenn etwa bestimmt würde, nur per Post zu arbeiten.

rei/mh/dpa/afp