Chipmangel und Lieferstau Continental senkt Gewinnprognose deutlich

Der Teilemangel in der Autoindustrie macht auch Zulieferer Continental zu schaffen. Konzernchef Nikolai Setzer senkt wie erwartet die Prognosen für Umsatz und Gewinne. Die Anleger zeigen sich unbekümmert und geben der Aktie Auftrieb.
Abhängig von der Produktion der Autobauer: Auch die Aufträge für Erstausstattungen von Autos mit Reifen sanken bei Continental

Abhängig von der Produktion der Autobauer: Auch die Aufträge für Erstausstattungen von Autos mit Reifen sanken bei Continental

Foto: Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa

Beim Autozulieferer und Reifenhersteller Continental haben sich die Aussichten aufgrund des Teilemangels in der Autoindustrie noch einmal eingetrübt. Da die weltweite Autoproduktion sich in den vergangenen Monaten deutlich schwächer entwickelt hat als zuvor angenommen, rechnet Conti-Chef Nikolai Setzer (50) in diesem Jahr nun mit weniger Umsatz und Gewinn, wie der Konzern am Freitag in Hannover mitteilte. Die Conti-Aktie  geriet nur kurz unter Druck, lag am Nachmittag aber deutlich im Plus an der Spitze des Dax.

Überraschend kommt die Prognosesenkung nicht, nachdem führende Marktforschungsinstitute ihre Schätzungen für die weltweite Autoproduktion in den vergangenen Monaten scharf nach unten korrigiert hatten.

Wegen Chipmangels und Lieferstau im Welthandel fehlten Teile und in vielen Werken standen die Bänder still. Die Probleme machen vor allem der Autozuliefersparte des Hannoveraner Konzerns Ärger. Auch der französische Rivale Faurecia hat seine Erwartungen an das Geschäft im laufenden Jahr gedämpft.

Umsatzprognose um eine Milliarde Euro gesenkt

Bei Conti erwartet man nun auch nicht mehr, dass das schwache und von Corona-Lockdowns hart getroffene Vorjahr bei der weltweiten Produktion von Autos und leichten Nutzfahrzeugen im laufenden Jahr spürbar übertroffen wird. Das Management rechnet im schlechten Fall sogar mit einem nochmaligen Rückgang um ein Prozent – und auch im besseren Szenario dürfte es nur ein Plus von höchstens einem Prozent im Vergleich zu 2020 werden. In der Autozuliefersparte hängt Conti von der tatsächlichen Produktion der Autobauer ab. Die deutschen Autobauer von Daimler über Volkswagen bis BMW haben in den Monaten Juli bis September allesamt deutlich weniger Autos an die Kundschaft ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum.

Im Gesamtkonzern erwartet Setzer nun nur noch 32,5 bis 33,5 Milliarden Euro Umsatz. Bisher stand am unteren und oberen Ende der Spanne jeweils eine Milliarde Euro mehr im Plan. Auch die Profitabilität leidet: Vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten dürften nur noch 5,2 bis 5,6 Prozent des Umsatzes als Gewinn übrig bleiben. Bisher sollte diese Marge 6,5 bis 7 Prozent erreichen.

Aktie legt zu

Der Kurs der Conti-Aktie sackte nach der Mitteilung kurz ins Minus, notierte zuletzt aber wieder klar im Plus. Analysten hatten bereits mehrheitlich mit einer Senkung der Prognose gerechnet. Von Anfang Juni bis zur Abspaltung des Konzernteils mit den Antriebssträngen hatte das Papier auch schon deutlich an Wert eingebüßt.

Im dritten Quartal rutschte der Umsatz der Autozuliefersparte um gut 17 Prozent ab. Dabei sind Wechselkursveränderungen sowie der Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen, wie die via Spin-Off in die neue Gesellschaft Vitesco abgespaltene Antriebstechnik, bereits herausgerechnet. Zudem wurde die Zuliefersparte, die unter anderem Elektronik, Bremsen und Vernetzungskomponenten herstellt, nach den roten Zahlen des zweiten Quartals noch defizitärer.

Auch im wichtigen Reifen- und Kunststoffgeschäft ließ Conti Federn: Der Erlös legte gegenüber dem Vorjahresquartal zwar leicht zu, die Marge ging aber deutlich zurück.

Insgesamt schnitt Conti im dritten Quartal dennoch besser ab als von Experten zuletzt befürchtet. Der Konzernumsatz sank laut vorläufigen Zahlen um 7,4 Prozent auf 8,04 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Marge lag bei 5,2 Prozent, 3,2 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Analysten hatten allerdings im Schnitt sogar einen Wert von unter 4 Prozent befürchtet. Endgültige Geschäftszahlen und das Nettoergebnis für den abgelaufenen Dreimonatszeitraum will das Unternehmen am 10. November vorlegen.

cs/dpa-afx
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