Sonntag, 31. Mai 2020

Corona-Krise Continental kappt Prognose und schickt Zehntausende in Kurzarbeit

Continental: Knapp vier Wochen nach Verkündung der alten Prognose muss sie schon wieder gestrichen werden

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental muss seine knapp vier Wochen alte Jahresprognose wegen der Coronavirus-Pandemie schon wieder einstampfen. Wegen der Unsicherheit über die Dauer der Beeinträchtigungen von Produktion, Lieferketten und Nachfrage nehme der Vorstand den Ausblick zurück, wie der Dax-Konzern am Mittwoch in Hannover mitteilte. Es sei derzeit auch nicht abzuschätzen, wann ein neuer Ausblick gegeben werden kann.

Im ersten Quartal bekam Conti die Krise bereits deutlich zu spüren. Der Konzernumsatz dürfte nur zwischen 9,4 und 9,8 Milliarden Euro betragen, die um Sondereffekte bereinigte Marge vor Zinsen und Steuern lediglich zwischen 2 und 3 Prozent liegen. Der Umsatzrückgang im Jahresvergleich betrug demnach mindestens zehn Prozent. Ein Jahr zuvor hatte Conti rund 11 Milliarden Euro erlöst bei einer operativen Marge von 8,1 Prozent.

An der Börse rutschte die Continental-Aktie Börsen-Chart zeigen am Vormittag um 7,79 Prozent auf 60,50 Euro ab. Schon die ursprüngliche Prognose Anfang März war von den Anlegern mit einem deutlichen Kursrutsch quittiert worden. Seitdem die Corona-Krise die Aktienmärkte am 24. Februar erstmals mit Wucht traf, hat das Conti-Papier 46 Prozent eingebüßt. Auf dem Rekordhoch im Januar 2018 war der Kurs bis auf 257,40 Euro gestiegen.

Vor allem in der Autozulieferung hinterließ die Krise bereits ihre Spuren - hier rechnet das Conti-Management für das erste Quartal kaum noch mit Gewinn. Die Umsatzrendite dürfte hier um die null Prozent liegen, hieß es. In der Reifen- und Kunststoffsparte dürfte die Marge 7 bis 8 Prozent betragen.

Der Konzern verfügte am 29. Februar den Angaben zufolge über flüssige Mittel in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro und hatte darüber hinaus zugesagte ungenutzte Kreditlinien von rund 4,6 Milliarden Euro.

Der Nachfrageeinbruch und die Lieferketten-Probleme haben bei dem Unternehmen inzwischen auch deutliche Einschnitte in der Produktion zur Folge. Vor allem im Kerngeschäft mit der Autotechnik sowie in der Reifensparte stehen derzeit weltweit mehr als 40 Prozent der Standorte still. In Deutschland sei für etwa die Hälfte der Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet, rund 30.000 Mitarbeiter seien davon betroffen. Conti will zusätzliche Kosten kappen und Investitionen verschieben.


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"Die andauernde Covid-19-Pandemie, die deshalb von Behörden verfügten Beschränkungen sowie Produktionsstopps und andere Maßnahmen von Kunden und Lieferanten als Reaktion auf die Pandemie haben zu erheblichen Anpassungen und Unterbrechungen in wesentlichen Bereichen geführt", erklärte Continental. Bisher hatte der Hersteller allgemein von einer "schrittweisen Anpassung" der Produktion in den Werken gesprochen, die "vorübergehend teilweise auf null" zurückgefahren werde.

mg/dpa-afx

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