Donnerstag, 5. Dezember 2019

Zulieferer rechnet auch 2020 mit schwacher Autokonjunktur Continental prüft nach Milliardenverlust weitere Einsparungen

Der Hannoversche Autozulieferer Continental vermeldet einen Milliardenverlust und prüft weitere Sparmaßnahmen
Hauke-Christian Dittrich / DPA
Der Hannoversche Autozulieferer Continental vermeldet einen Milliardenverlust und prüft weitere Sparmaßnahmen

Die schwächer werdende Autokonjunktur und eine Milliardenabschreibung haben den Autozulieferer Continental im dritten Quartal tief in die roten Zahlen gedrückt. Unterm Strich verbuchte der Konzern von Juli bis September einen Verlust von fast zwei Milliarden Euro. Wie das Unternehmen am Dienstag in Hannover mitteilte, lag dies zwar zum Großteil am "Einmaleffekt" verringerter Firmenwerte aus früheren Übernahmen sowie Kosten für ein kürzlich gestartetes Umbauprogramm. Aber auch im laufenden Geschäft sank das bereinigte operative Ergebnis deutlich um ein Fünftel auf noch knapp 615 Millionen Euro.

Continental Börsen-Chart zeigen muss sein Sparprogramm angesichts der düsteren Aussichten für die Autokonjunktur womöglich nachschärfen. "Wir haben gesagt, dass das ein Programm ist, das wir jetzt gestartet haben, dass das aber noch nicht das Ende sein muss und wir möglicherweise weitere Maßnahmen erarbeiten werden", sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Details nannte er nicht. Bei den Gesprächen mit den Betriebsräten über den geplanten Stellenabbau, Werksschließungen sowie Umbesetzungen von Personal rechne er in diesem Jahr mit ersten Abschlüssen. In einigen Fällen würden sich die Verhandlungen voraussichtlich bis ins kommende Jahr hinziehen.

Conti hatte Ende September einen tiefgreifenden Umbau angekündigt, von dem bis Ende 2023 weltweit rund 15.000 Stellen betroffen sein werden, davon etwa 5000 in Deutschland. Dabei schließt der nach Bosch und Denso im Autogeschäft weltweit drittgrößte Zulieferer auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Mit dem Umbau stemmt sich Conti gegen die Autokrise und richtet sich zugleich stärker auf die Digitalisierung und die Elektromobilität aus.

Weltweit pumpen die Autobauer zurzeit Milliarden in neue saubere Antriebe. Die strengeren Klimaschutz-Auflagen gerade in Europa setzen sie immer stärker unter Druck. Dadurch geraten auch die Zulieferer in Zugzwang.


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Continental rechnet auch 2020 mit einem schwierigen Jahr

Angesichts der schwierigen Lage der Autoindustrie sprach Conti-Chef Elmar Degenhart von einer noch vergleichsweise soliden Entwicklung - "trotz des weiterhin rückläufigen Marktumfeldes". Der Umsatz stieg dank Wechselkurseffekten und Zukäufen leicht um 3 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro.

Nach dem verhagelten Ergebnis in diesem Jahr erwartet Conti auch im kommenden Jahr keine Erholung der Autokonjunktur. "Im besten Fall sehen wir in 2020 weltweit eine Seitwärtsentwicklung der Automobilproduktion", erklärte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Aber auch ein Rückgang sei möglich. Für das Schlussquartal 2019 rechnet der Dax-Konzern mit sinkenden Produktionsraten in den drei wichtigen Weltregionen China, Europa und Nordamerika.

Mehr zur Krise der deutschen Autozulieferer erfahren Sie in unserem Podcast:

dpa-afx / Reuters

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