Dienstag, 21. Mai 2019

Continental-Chef Elmar Degenhart auf der Hauptversammlung  Conti-Chef hält Konzentration auf Batterie-Antrieb für riskant

Continental verschiebt Börsengang von Vitesco

Der Automobilzulieferer und Reifenhersteller Continental Börsen-Chart zeigen hat an diesem Freitag zur Hauptversammlung im Kuppelsaal des Hannover Congress Centrums gerufen. Zeit, die Eckdaten für das erste Quartal vorzustellen und einen Ausblick auf das laufende und künftige Geschäft zu geben. Im Vorfeld schickte das Dax-Unternehmen schon mal die Nachricht an die Anleger, den ursprünglich für die zweite Jahreshälfte 2019 anvisierte Teilbörsengang der Antriebssparte auf 2020 zu verschieben.

Die Vorbereitungen sollten voraussichtlich gegen Ende des zweiten Halbjahres 2019 abgeschlossen sein, teilte Continental mit. Je nach Marktlage sei ab 2020 mit dem Teilbörsengang der Vitesco genannten Sparte zu rechnen. Der Konzern will die Mehrheit an der Sparte behalten, die auch Elektroantriebe umfasst. In der komplett beim Konzern verbleibenden Autozuliefersparte konzentriert sich Conti vor allem auf Elektronik, Sensorik und Software.

Gewinn bricht ein

Wegen der Schwäche auf den Automärkten erwirtschaftete das Unternehmen im ersten Quartal operativ deutlich weniger als vor einem Jahr. Vorläufigen Daten zufolge sei die Autoproduktion in den ersten drei Monaten auf Jahressicht um über 6 Prozent gesunken. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach in dem Zeitraum für Continental um 17,1 Prozent auf 884,2 Millionen Euro ein.

Damit schnitt das Unternehmen aber besser ab als von Analysten zuvor im Schnitt befürchtet. Der Umsatz lag mit rund 11 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Die Aktie lag vorsbörslich auf der Handelsplattform Tradegate 2,1 Prozent über dem Xetra-Schluss vom Donnerstag.

Auf der Hauptversammlung sprach Continental-Vorstandschef Elmar Degenhart von einem "soliden" Ergebnis - da die weltweite Autoproduktion zu Beginn des Jahres wie erwartet stark gesunken sei. Continental rechnet weiter mit einer Belebung des wirtschaftlichen Umfelds erst in der zweiten Jahreshälfte, an der eigenen Prognose hält der Konzern fest.

Continental-Chef Elmar Degenhart zeigt eine Platine aus der Leistungselektronik für Elektrofahrzeuge - laut Conti das "Herz und Hirn" des Elektroautos der Zukunft

Populismus verringert nicht die Emissionen

Doch Degenhart warnte, ausschließlich auf batteriebetriebene E-Autos zu setzen. Das sei ein hohes Risiko, betonte er am Freitag auf der Hauptversammlung des Automobilzulieferers und Reifenherstellers. Für kleinere und leichte Fahrzeuge sei der batterieelektrische Antrieb "wahrscheinlich" die beste Wahl - vor allem beim Einsatz in der Stadt. Bei größeren und schweren Fahrzeugen auf der Langstrecke komme die Brennstoffzelle ins Spiel. "Populismus vermehrt nur die Emotionen. Er verringert nicht die Emissionen", so der Conti-Chef.


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Die für den Teilbörsengang ab 2020 vorgesehene Antriebssparte Vitesco habe 2018 Aufträge über zirka 11 Milliarden Euro erhalten - davon rund zwei Milliarden Euro rund um E-Mobilität. Nach Degenharts Einschätzung dürfte nach 2030 die letzte Generation von Benzin- und Dieselmotoren an den Start gehen, nach 2040 dürfe deren Verkauf enden und ab 2050 seien "Straßen und Städte idealerweise frei von CO2-Emissionen".

Auf der Hauptversammlung: Georg F. W. Schaeffler (r.), Aufsichtsratsvorsitzender der Schaeffler AG und Aufsichtsrat von Continental bespricht sich mit Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender der Schaeffler AG und Aufsichtsrat von Continental

Künftig trieben zudem Systeme für assistiertes und für teilweise automatisiertes Fahren das Wachstum an. Dafür habe Continental in den vergangenen beiden Jahren Aufträge von durchschnittlich rund drei Milliarden Euro erhalten.

Degenhart machte klar, dass die Autoindustrie zu wenig Erfahrung mit Software habe. Schon heute bestehe die Software im Auto aus mehr als 100 Millionen programmierten Code-Zeilen - in den nächsten sechs bis sieben Jahren werde sich die Zahl verzehnfachen.

dpa/rtr/akn

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