Donnerstag, 5. Dezember 2019

Continental-Aufsichtsrat stimmt zu Conti schließt drei Werke gegen Widerstand der Gewerkschaften

Gewerkschaftler der IG-Metall und Beschäftigte von Continental demonstrieren vor dem Sitz des Konzerns in Hannover. Beschäftigte der Conti-Standorte Roding sowie Regensburg waren nach Hannover gekommen, um dort vor der Konzernzentrale gegen die angekündigten Standortschließungen und den Beschäftigungsabbau zu demonstrieren.

Der Autozulieferer Continental treibt den Konzernumbau gegen den Widerstand der Arbeitnehmer voran und schließt drei Werke. Der Aufsichtsrat habe den unlängst für mehrere Standorte angekündigten Anpassungen zugestimmt, teilte der Dax-Konzern Mittwochmittag im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung des Kontrollgremiums in Hannover mit.

Demnach werden die Werke in Roding in der Oberpfalz und Newport News in den USA geschlossen. Im hessischen Babenhausen und in Limbach-Oberfrohna in Sachsen fallen ebenso Stellen weg wie im italienischen Pisa.

Mit den Beschlüssen, denen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nach Angaben der IG Metall nicht zustimmten, zieht sich Continental aus dem rückläufigen Geschäft mit Hydraulik-Komponenten für Verbrennungsmotoren zurück und beschleunigt den Umstieg in die Elektromobilität. Insgesamt fallen in einer ersten Welle bis 2028 mehr als 5000 Arbeitsplätze weg.

Einschließlich der bereits angekündigten Schließung des Standortes in Henderson im US-Bundesstaat North Carolina und der Einstellung der Produktion von Lkw-Reifen in Petaling Jaya in Malaysia beläuft sich der Stellenabbau nach Unternehmensangaben bereits auf knapp 6000 Arbeitsplätze.

Conti hatte Ende September einen Umbau angekündigt, von dem binnen zehn Jahren insgesamt bis zu 20.000 Stellen betroffen sein werden, fast ein Zehntel der Belegschaft. Etwa 7000 Arbeitsplätze von mehr als 62.000 Stellen in Deutschland stehen auf der Kippe. Auch betriebsbedingte Kündigungen schließt Conti nicht aus.

Mehr zur Krise der deutschen Autozulieferer erfahren Sie im Podcast:

Mit dem Programm stemmt sich der Konzern gegen die Autokrise und richtet sich zugleich stärker auf die Digitalisierung und die Elektromobilität aus. Die IG Metall sieht auch Managementfehler als Ursache für den geplanten Stellenabbau.

Die bisher vorgesehenen Qualifizierungsmaßnahmen reichten nicht aus, der Umbauplan selbst sei überhastet, kritisierte die Vizechefin der IG Metall, Christiane Benner am Mittwoch: "Es müssen alle Beschäftigten mitgenommen werden." Die Veränderungen bei Continental bräuchten mehr Zeit, das Management dürfe sie nicht mit Verweis auf die schwierige Branchenlage möglichst schnell durchdrücken.

Personalvorstand Ariane Reinhart erklärte: "Angesichts der Transformation unserer Industrien und rückläufiger Märkte leiten wir umgehend und vorausschauend über drei bis sieben Jahre die notwendigen Anpassungen ein." Man werde betroffene Mitarbeiter "bestmöglich unterstützen".

Conti hatte im dritten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten und bereits Spar- und Umbaumaßnahmen angekündigt. Die Hannoveraner haben mit dem Abschwung der weltweiten Automärkte zu kämpfen. Für den Abbau von Arbeitsplätzen will der Konzern vor allem die natürliche Fluktuation und altersbedingtes Ausscheiden nutzen. Auch betriebsbedingte Kündigungen werden als letztes Mittel nicht ausgeschlossen. Continental beschäftigte zuletzt gut 244.000 Mitarbeiter.

rei/dpa/Reuters

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