Autozulieferer Continental fährt tief in die roten Zahlen

Gestiegene Kosten und hohe Abschreibungen haben dem Autozulieferer Conti herbe Verluste eingebrockt. "Der aktuelle Gegenwind ist orkanartig", sagt Finanzchefin Katja Dürrfeld. Für das zweite Halbjahr ist sie zuversichtlicher.
Hohe Kosten für Energie, Beschaffung und Logistik: Finanzchefin Katja Dürrfeld hakt das erste Halbjahr ab

Hohe Kosten für Energie, Beschaffung und Logistik: Finanzchefin Katja Dürrfeld hakt das erste Halbjahr ab

Foto: Continental

Gestiegene Kosten und zahlreiche Sondereffekte haben den Autozulieferer Continental überraschend tief in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich wies der Dax-Konzern am Dienstag für das zweite Quartal einen Verlust von 251 Millionen Euro aus, nach einem Gewinn von 545 Millionen vor Jahresfrist. Analysten hatten für das Quartal mit einem Gewinn gerechnet. Die Aktie von Continental  verliert gegen Mittag rund 1,3 Prozent.

"Der aktuelle Gegenwind ist orkanartig und wird kurzfristig nicht abflauen", sagte Finanzchefin Katja Dürrfeld. Für das zweite Halbjahr rechnet Continental mit einer Stabilisierung der Lieferketten und einer besseren Verfügbarkeit von Halbleitern. Die Autoproduktion werde steigen. Konzernchef Nikolai Setzer (51) verwies auf einen hohen Auftragseingang in der Autozuliefersparte von über sechs Milliarden Euro. Trotz des drohenden Gasmangels geht das Management davon aus, dass die Energieversorgung in Europa und Deutschland stabil bleibt.

"Mit dem aktuellen Ergebnis sind wir nicht zufrieden - auch wenn wir es so erwartet hatten", sagte Dürrfeld mit Blick auf den Verlust. Der Konzern habe zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Kosten zu senken und die Lieferketten zu stabilisieren. Dazu gehöre die Verteilung des Einkaufs auf mehrere Quellen, der Aufbau und die Haltung von Sicherheitsbeständen und eine ganzheitliche Kontrolle der Beschaffungs- und Logistikkette im Elektronikbereich.

Conti will Kosten senken und mit Kunden über Preise verhandeln

Preisverhandlungen mit Kunden würden mit dem Ziel geführt, die Kosten gemeinsam zu tragen. Ferner konzentriere sich Conti auf das Geschäft mit technologisch anspruchsvollen Produkten, an denen der Konzern mehr verdient. So nehme etwa der Anteil von Premiumreifen am Absatz zu.

Erdgas stelle im Energiemix von Continental einen bedeutenden Anteil dar, erklärte der Konzern auf Anfrage. Für stabile wirtschaftliche Rahmenbedingen sei eine verlässliche Energieversorgung eine unverzichtbare Grundlage. Man beobachte die aktuelle Lage daher genau. Die indirekten Effekte eines massiven Gasmangels wären wesentlich höher als die direkten Effekte an Continental-Produktionsstandorten. Conti verwies darauf, dass Zulieferbranchen wie die Chemie-Industrie stärker betroffen wären. Produktionsausfälle dort könnten zu Lieferengpässen auch in der Automobilindustrie führen.

Als Grund für den Nettoverlust nannte Continental die durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Preissteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Logistik sowie den Mangel an Elektronikbauteilen und die Corona-Lockdowns in China. Außerdem wurde der Autozulieferer durch zahlreiche Sondereffekte belastet, die sich auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren.

Vorläufige operative Zahlen für das zweite Quartal hatten die Niedersachsen bereits am 20. Juli veröffentlicht und dabei auch ihre Prognose für das Gesamtjahr bekräftigt. Demnach soll der Konzernumsatz auf 38,3 bis 40,1 (Vorjahr 33,8) Milliarden Euro steigen, bei einer operativen Rendite zwischen 4,7 und 5,7 Prozent. Im zweiten Quartal lag sie mit 4,4 Prozent unter diesem Zielkorridor.

Der Umsatz des Konzerns war bei den fortgeführten Geschäften in den Monaten April bis Juni wie bereits bekannt um 13 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro gestiegen. Im Tagesgeschäft belasteten erhöhte Kosten für Energie, Beschaffung und Logistik: Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging um rund ein Fünftel auf 410,5 Millionen Euro zurück. Die Autozulieferung schrieb operativ rote Zahlen.

rei/Reuters/DPA
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