Mittwoch, 11. Dezember 2019

Schwache Autokonjunktur und Handelskonflikte bremsen Continental warnt vor niedrigeren Gewinnen

Continental muss seine Ziele revidieren

Die kriselnde Autoindustrie und die Folgen des Handelsstreits erwischen den Autozulieferer und Reifenhersteller Continental voll. Sowohl für den Umsatz als auch für den Gewinn senkt der Konzern seine Ziele.

Weil die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in diesem Jahr wohl um 5 Prozent sinken dürfte, rechnet Continental nur noch mit einem Umsatz von 44 bis 45 Milliarden Euro, teilte der Autozulieferer gestern Abend mit. Zuvor waren noch 45 bis 47 Milliarden Euro angepeilt worden - unter der Annahme, dass sich der Fahrzeugmarkt stabil entwickelt.

Bei der bereinigten Marge des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern rechnet das Conti-Management um Vorstandschef Elmar Degenhart nur noch mit einem Wert zwischen 7 und 7,5 Prozent. Conti war schon vorsichtig ins Jahr gegangen mit der ursprünglichen Zielsetzung von 8 bis 9 Prozent. Die Aktie von Continental Börsen-Chart zeigen sackte nachbörslich auf der Handelsplattform Tradegate um 4,5 Prozent ab.

"Für das zweite Halbjahr sind wir nun weniger optimistisch als zuvor", sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer. "Grund dafür ist der fortlaufende Abwärtstrend der Automobilproduktion in Europa, Nordamerika und insbesondere in China. Auch die weiter ungelösten Handelskonflikte tragen zu wirtschaftlicher Unsicherheit bei."

Aussichten für Autozuliefersparte verdüstern sich

Das zweite Quartal lief deutlich schwächer für die Hannoveraner. Von April bis Juni erzielte Conti einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro, nach 11,4 Milliarden im Vorjahreszeitraum.

Vor allem für die Autozuliefersparte, die direkt vom Produktionsvolumen der Autohersteller abhängt, werden die Aussichten immer düsterer. Unerwartete Veränderungen des Abrufverhaltens von Kunden führten zu Volumenrückgängen bei bestimmten Produkten der Sparte, hieß es. Im zweiten Halbjahr könnte es zudem zu Rückstellungen für Gewährleistungsfälle kommen, warnte Conti. Die Ursachen für diese möglichen Gewährleistungskosten und damit deren konkrete Höhe sei zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht aufgeklärt.


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Conti reiht sich mit den trüben Aussichten ein in eine ganze Welle von Gewinnwarnungen und Prognosesenkungen aus der Autoindustrie, aber auch aus anderen Branchen. Seit der chinesische Markt für Autobauer und Zulieferer nicht mehr rund läuft und auch der europäische Markt gegen Produktionsrückgänge kämpft, hat die einst so erfolgsverwöhnte Branche arg zu knabbern. Conti musste bereits im vergangenen Jahr zweimal den eigenen Geschäftsausblick kappen. Zuletzt fielen auch Premiumautobauer wie Daimler und BMW mit schlechten Nachrichten auf.

Analysten hatten mit weiteren schwachen Zahlen aus der Autobranche und auch mit weiteren Gewinnwarnungen gerechnet. Der Zollstreit zwischen den USA und China schwelt weiter, die Weltkonjunktur kühlt in vielen Regionen merklich ab. Hinzu kommen Kosten für Rückrufe von Dieselautos, zudem muss sich die Branche für die schärferen Emissionsregeln beim klimaschädlichen Abgasbestandteil Kohlendioxid (CO2) in der EU 2020 und 2021 wappnen.

rei/dpa

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