Führungskrise bei Conti Degenhart tritt mitten im Großumbau zurück

Mitten im Großumbau tritt Conti-Chef Elmar Degenhart vorzeitig zurück. Vieles weist darauf hin, dass Chefkontrolleur Wolfgang Reitzle einen Nachfolger in den eigenen Reihen sucht. Der Betriebsrat fordert eine schnelle Entscheidung.
Macht Schluss: Conti-Chef Elmar Degenhart

Macht Schluss: Conti-Chef Elmar Degenhart

Foto: imago stock&people / imago images/Jan Huebner

Der Automobilhersteller Continental braucht eilig einen neuen Vorstandschef. Amtsinhaber Elmar Degenhart (61) habe den Aufsichtsrat über seine Absicht informiert, sein Amt zum 30. November niederzulegen, wie der Dax-Konzern am Donnerstagabend mitteilte . Degenhart habe dies mit "unmittelbar notwendiger, gesundheitlicher Vorsorge" begründet.

Der Vorstandschef selbst erklärte, ihm sei "vor Kurzem die Bedeutung vor Augen geführt" worden, "in meiner persönlichen Lebensplanung unverzüglich die Vorsorge für meine Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Dabei hätte ich sehr gern an unserem strukturellen Umbau und unserem profitablen Wachstums- und Zukunftsprogramm weitergearbeitet". Er müsse nun jedoch andere Prioritäten verfolgen.

Chefaufseher Wolfgang Reitzle (71) will kurzfristig über die Nachfolge entscheiden. "Wir konzentrieren uns dabei auf die nahtlose Fortsetzung und Kontinuität in der laufenden Transformation von Continental  vom Reifenhersteller und Automobilzulieferer zum zukunftsweisenden Technologie- und Softwareunternehmen für die Mobilität", erklärte er.

Tempo in der Nachfolgefrage fordern der Betriebsrat und die IG Metall. "Angesichts des laufenden Transformationsprogramms und der Corona-Krise ist jetzt nicht die Zeit für Experimente", mahnte der Konzernbetriebsratsvorsitzende, Hasan Allak, am Freitag. "Der Aufsichtsrat muss zeitnah eine gleichermaßen kluge wie achtsame Wahl treffen." Das Unternehmen brauche einen Vorstandsvorsitzenden oder eine Vorstandsvorsitzende, der oder die das Unternehmen "sehr gut kennt und das Vertrauen aller Beteiligten genießt", betonte Allak.

Christiane Benner (52), Zweite Vorsitzende der IG Metall und Vize-Aufsichtsratsvorsitzende bei Continental, betonte ebenfalls: "Es ist aus Sicht der Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter im Aufsichtsrat wichtig, dass dieser zeitnah eine kompetente Nachfolge beruft." Sie erwarteten "in diesen schwierigen Zeiten professionelle Führung und eine klare Unternehmensstrategie". Es gelte, für möglichst viele Beschäftigte eine Perspektive durch Investitionen in neue Produkte, neue Geschäftsmodelle und Qualifizierung zu schaffen.

Als interner Favorit galt nach mm-Informationen zuletzt Nikolai Setzer (49), derzeit zuständig für das Kerngeschäft Automotive. Der gelernte Wirtschaftsingenieur war zuvor auch Einkaufschef des Konzerns und hat langjährige Erfahrung vor allem im Reifengeschäft. manager magazin hatte Mitte Oktober berichtet , dass Reitzle mit Degenharts Amtsführung zunehmend unzufrieden sei und deswegen nach einem Nachfolger sondiere.

Reitzle: "Die Verdienste von Degenhart sind groß"

Reitzle wurde vom Unternehmen mit Lob und Dank gegenüber Degenhart zitiert: "Wir alle bedauern den Entschluss von Herrn Degenhart und seinen Rücktritt sehr. Wir respektieren jedoch seinen Wunsch und haben Verständnis für die dahinter stehenden, persönlichen Gründe." Die Verdienste des Ingenieurs um Continental seien groß.

Degenharts Schritt trifft den Konzern mit gut 240.000 Beschäftigten mitten in einem Großumbau. Degenhart selbst bezeichnet die Lage seiner Branche als "tief greifendsten Transformationsprozess seit der Erfindung des Automobils". Die Hannoveraner wandeln ihr Kerngeschäft von klassischer Mechanik und Hydraulik hin zu immer mehr Elektromobilität, Sensorik und Software. Im ersten Halbjahr war der Umsatz um fast 26 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro eingebrochen, das Ergebnis stürzte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,5 Milliarden Euro auf minus 449 Millionen Euro ab. Degenhart steuerte mit einem Sparprogramm gegen, kommunizierte den geplanten Abbau von konzernweit rund 30.000 Stellen aber so schlecht, dass selbst Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (59) sich zu einer öffentlichen Rüge eingeladen sah.

Intern wird beständig Degenharts Geradlinigkeit und Ehrlichkeit gerühmt. Der Ingenieur ist seit elf Jahren Vorstandschef. 2009 wechselte er vom aktuellen Hauptaktionär, der ebenfalls ächzenden Schaeffler-Gruppe , nach Hannover. Degenhart habe um die Auflösung seines noch bis 2024 laufenden Vertrags gebeten, teilte Continental mit.

soc
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.