Aktionäre enttäuscht Continental kann Milliardenverlust nicht abschütteln

Der zweite Jahresverlust in Folge, keine Dividende und obendrauf ein enttäuschender Ausblick - für Aktienanleger ist das ein klares Verkaufssignal. Der Kurs von Konzernchef Nikolai Setzer bleibt umstritten.
Nikolai Setzer: Der Umbau kostet viel Geld, die Krise belastet zusätzlich. Um die Anleger zu überzeugen, muss sich der Conti-Chef etwas einfallen lassen.

Nikolai Setzer: Der Umbau kostet viel Geld, die Krise belastet zusätzlich. Um die Anleger zu überzeugen, muss sich der Conti-Chef etwas einfallen lassen.

Foto: Peter Steffen / dpa

Die Corona-Folgen und der teure Konzernumbau haben den zweitgrößten Autozulieferer Continental auch 2020 in den roten Zahlen gehalten. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 962 Millionen Euro an, teilte der Dax-Konzern am Dienstag mit. Im bereits schwierigen Jahr davor hatte das Minus bei 1,22 Milliarden Euro gelegen. Die weltweite Autokonjunktur rutschte zuletzt weiter ab, weil die Nachfrage nach Fahrzeugen durch die Einschränkungen in der Pandemie stark abnahm und es darüber hinaus Probleme in vielen Lieferketten gab. Das machte sich auch beim Umsatz von Conti bemerkbar, der um rund 15 Prozent auf 37,7 Milliarden Euro sank.

Das Management um Vorstandschef Nikolai Setzer (49) sieht in der Zukunft aber wieder Licht am Ende des Tunnels. "Der Tiefpunkt liegt hinter uns. Das wirtschaftliche Umfeld gewinnt an Fahrt", sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer am Dienstag bei der Präsentation der Bilanz 2020. Für 2021 stellte der Autozulieferer wieder einen Nettogewinn in Aussicht. Mit den Einnahmen aus den besser laufenden Geschäften will Continental seinen Umbau beschleunigen. Dazu bündelt und erhöht der Konzern seine Investitionen in das wachsende Geschäft mit Technik für assistiertes und autonomes Fahren. 200 bis 250 Millionen Euro sollen hierfür in diesem Jahr zusätzlich in Forschung und Entwicklung fließen.

Beim Umsatz erwartet das Management daher ein Wachstum auf rund 40,5 bis 42,5 Milliarden Euro nach gut 37,7 Milliarden im Vorjahr. Die um Sondereffekte bereinigte operative Marge des Gewinns vor Zinsen und Steuern soll von 3,5 Prozent auf etwa 5 bis 6 Prozent zulegen. Analysten hatten beim Umsatz im Schnitt mit einem Wert am oberen Ende der Spanne gerechnet und bei der Marge sogar 6,9 Prozent auf dem Zettel.

Aktie deutlich unter Druck

Die Aktie des Dax-Konzerns verlor dennoch mehr als 8 Prozent und war damit größter Verlierer im Leitindex. Analysten machten dafür den schwachen Ausblick verantwortlich. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte, die Prognose von Conti für das Automobilgeschäft falle hinter die anderer Unternehmen aus der Branche zurück. Selbst vermeintlich schwächere Kanditaten wie ElringKlinger und Contis Hauptaktionär Schaeffler seien optimistischer. "Vom einstigen Vorzeigeunternehmen Continental ist nichts mehr zu sehen", meinte Pieper. Sein Kollege Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg sagte, der Ausblick falle schwächer aus als erwartet. Er verwies zugleich darauf, dass der Konzern noch in der Restrukturierung stecke. "Man sollte abwarten, bis sich der Staub gelegt hat", sagte der Analyst.

Teuer ist für das Unternehmen zudem der Umbau hin zu mehr Software, Elektronik und Sensorik. Dies erfordert hohe Investitionen, während für den Abbau von Jobs in klassischen Bereichen oft Abfindungen fällig werden. Es griffen inzwischen aber auch schon Einspareffekte.

Konzernintern ist der Kurs umstritten. Allein in Deutschland stehen bis zum Jahr 2029 rund 13.000 Arbeitsplätze bei Continental im Feuer, weltweit sind es gut 30.000. Die Dividende für das abgelaufene Jahr soll ausfallen. Conti-Chef Setzer will die Neuausrichtung zu Zukunftstechnologien weiter vorantreiben.

rei/dpa-afx