Freitag, 19. Juli 2019

Mehr CO2 beim Diesel-Golf - Studie des ICCT ist schwerer Schlag für Diesel-Fans Diesel-Golf schadet Klima mehr als Benziner-Golf

VW Golf TDI Diesel: Bei ICCT-Studie stieß das Modell mehr CO2 aus als ein vergleichbarer Benziner-Golf

Allzu lange ist es noch nicht her, da brach VDA-Präsident Bernhard Mattes mal wieder eine Lanze für den modernen Dieselmotor: Diesel-Motoren verbreiten weniger klimaschädliches Kohlendioxid als Benziner, erläuterte der ehemalige Ford-Deutschland-Boss und jetzige Automobilverbands-Chef Mattes Anfang Dezember 2018.

Damit, so Mattes, müsse die Branche wieder stärker werben - und wiederholte damit ein Argument, das Automanager seit Jahren vorbringen: Die verbrauchsärmeren Selbstzünder blasen weniger CO2 in die Luft. Nur mit dem Diesel seien die strengeren CO2-Flottenwerte der EU zu schaffen, beteuerte die Branche unisono bis vor wenigen Monaten.

Eine neue Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) lässt nun aber Zweifel aufkommen, ob dieses Argument noch tatsächlich so unumstößlich gilt wie es Branche gern suggeriert. Das ICCT, das maßgeblich an der Aufdeckung von Volkswagens Abgas-Tricksereien beteiligt war, hat zwei VW Golf auf CO2-Emissionen testen lassen - einer davon war mit Diesel-Motor ausgestattet, das zweite Modell war ein Benziner.

Beide Modelle waren vergleichbar motorisiert: Der Diesel-Golf, Baujahr 2016, hatte einen 2.0-Liter TDI-Motor mit 110 kW unter der Haube, der VW-Golf mit Benzinmotor und Baujahr 2018 schöpfte 96 kW aus einem 1,5-Liter-Aggregat. Der Unterschied: Der Diesel-Golf schaffte die Abgasnorm Euro 6b, der Benziner die Abgasnorm Euro 6c. Beide getesteten Fahrzeuge waren Mietwagen, wurden also nicht von VW für Tests zur Verfügung gestellt.

Benziner schlägt Diesel bei CO2-Emissionen

Die Tests, die manager-magazin.de vorab vorlagen, hatten ein erstaunliches Resultat: Der Benziner-Golf stieß sowohl im Labor als auch auf der Straße weniger CO2 aus als das Diesel-Fahrzeug. Es ist also zumindest Volkswagen möglich, einen richtig CO2-armen Benzinmotor zu bauen.

Das Ergebnis des Fahrzeugtests zeige "eindrücklich, dass zumindest für das beliebte Segment der Kompaktklasse sowie für kleinere Fahrzeugsegmente ein moderner Benzin-Pkw dieselben oder sogar niedrigere CO2-Werte aufweisen kann wie ein vergleichbarer Diesel-Pkw", schlussfolgert das ICCT daraus. Und auch bei den Messungen sonstiger Schadstoffwerte in den Abgasen, also etwa bei Stickoxiden, schnitt der Benziner-Golf laut ICCT gut ab.

Die gemeinnützige Organisation will mit der Untersuchung nach eigenen Angaben gegen die steuerliche Bevorzugung von Dieselkraftstoffen ins Feld ziehen. Ihr Argument gegen die Diesel-Bevorzugung ist auch ein finanzielles, denn Benzinmotoren sind in der Anschaffung deutlich günstiger. Zumindest im Fall des VW Golfs weist ein moderner Benziner niedrigere CO2-Werte auf - und zwar in jeder Fahrsituation - als sein teurerer Selbstzünder-Bruder.

Unbequeme Schlussfolgerung für die Autobranche

Doch die Studie deutet eine für die Autohersteller höchst unbequeme Schlussfolgerung an: Technisch ist es möglich, dem Benzinmotor das CO2-Sparen beizubringen. Einen Haken hat die ICCT-Studie allerdings: Zum CO2-Vergleich wurde ein etwas älterer Dieselmotor herangezogen. Die jüngsten VW-Golf-Dieselmotoren erfüllen die neuere Abgasnorm Euro 6d-Temp. Ob die Ergebnisse bei einem Direktvergleich der neuesten Motorengenerationen dann ebenso zugunsten des Benziners ausfallen, lässt sich anhand der Studie nicht direkt beantworten. Das ICCT erwartet aber aber auch beim Direktvergleich der neuesten Motorengeneration keine wesentlichen Änderungen. Denn die CO2-Werte des neuen 6d-Temp-Dieselmotors unterscheiden sich kaum von seinem Vorgänger, argumentiert ICCT-Europe-Leiter Peter Mock.

Allgemeingültigkeit besitzt die Studie jedoch nicht: Denn das ICCT hat nur zwei Kompaktklasse-Modelle verglichen. Bei aktuell beliebten, schwereren und größeren SUV-Modellen könnte der Direktvergleich der CO2-Emissionen auch gut zugunsten der Dieselaggregate ausfallen, bei schwereren Luxuslimousinen ebenso.

Deshalb ist die Studie auch nicht mehr als ein Fingerzeig, allerdings ein deutlicher. Denn wenn Volkswagen den Benzinmotoren seines Bestseller-Modells das CO2-Sparen beibringen kann, sollte das den Luxusautobauern auch gelingen. Dass punkto CO2-Reduktion noch deutlich mehr möglich wäre, machte sogar ein hochrangiger Automanager deutlich: Volkmar Denner, Chef des Zuliefererriesen Bosch. Denner forderte bereits im Oktober 2018 von den deutschen Autobauern mehr Einsatz.

In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt schrieb er damals, dass die Autoindustrie für den Klimaschutz mehr tun könne, als sie muss - und das Thema weniger eng angehen solle als bisher. Das war schon ein ziemlich klarer Hinweis darauf, dass auch Zulieferer eine höhere CO2-Reduktion für technisch machbar halten.

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