Absatzaussichten sinken Chip-Krise setzt Autoaktien unter Druck

Wegen des Chipmangels senkt die Autobranche bereits ihre Absatzerwartungen für die kommenden Monate. An der Börse sorgt das für Nervosität: Investoren verkaufen Autoaktien.
Rotes Licht für Daimler: Der Stuttgarter Autobauer geriet an der Börse kräftig unter Druck

Rotes Licht für Daimler: Der Stuttgarter Autobauer geriet an der Börse kräftig unter Druck

Foto: Arnulf Hettrich / imago images/Arnulf Hettrich

An der Börse gerieten die Aktien der Autobranche am Mittwoch unter Druck. Die Papiere von Daimler setzten ihre Kursschwäche vom Vortag fort. Am Ende des Dax verloren sie 2,5 Prozent auf gut 71 Euro auf den niedrigsten Stand seit Mitte Mai. Auch die Papiere von BMW und Continental verbuchten Verluste von mehr als einem Prozent. Die Papiere von Volkswagen notierten lediglich leicht im roten Bereich, während der Gesamtmarkt, gemessen am Leitindex Dax, um knapp 1 Prozent zulegte.

Während bei Daimler auch eine Klage von Verbraucherschützern im Dieselskandal eine Rolle spielen kann, führte ein Händler die Einbußen insgesamt in erster Linie auf den anhaltenden Mangel an Halbleitern weltweit zurück. Dieser bremse die Autohersteller den zweiten Monat in Folge bei der Fertigung. Analyst Greg Fuzesi von JPMorgan schätzt, dass der Mangel an bestimmten Komponenten auch im dritten Quartal fortdauern dürfte. Andere Experten erwarten eine Fortdauer der Chipkrise bis ins kommende Jahr hinein . Gleichzeitig sollten die deutschen Pkw-Produktionszahlen im zweiten Halbjahr aber deutlich Fahrt aufnehmen.

Der Chipmangel dürfte da eine entscheidende Rolle spielen. Der Automobilverband VDA etwa rechnet wegen der Produktionsprobleme durch den Teilemangel in der Autoindustrie mit weniger Wachstum beim Pkw-Absatz in Deutschland. Es sei mittlerweile von nur noch drei Prozent Plus auf drei Millionen Fahrzeuge auszugehen, sagte die VDA-Chefin Hildegard Müller (54). Das liege aber nicht an schwacher Nachfrage, sondern dem unzureichenden Angebot. Zuvor war die Branche von 8 Prozent Zuwachs auf 3,15 Millionen Einheiten ausgegangen, nachdem der Automarkt im vergangenen Jahr wegen der Corona-Krise eingebrochen war.

Der VDA hatte in dieser Woche bereits die Produktionsprognose wegen der Lieferengpässe bei Halbleitern deutlich gesenkt. Nach Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz erklärte auch BMW, dass die Produktion unter dem globalen Lieferengpass bei Halbleitern stockt und das im zweiten Halbjahr auch den Absatz treffen kann.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer (70) sagte, deshalb werde sich das Wachstum der Neuzulassungen im zweiten Halbjahr auf sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum abschwächen nach 15 Prozent im ersten Halbjahr. Sein CAR-Center Automotive Research prognostiziert 3,2 Millionen Neuwagenverkäufe. Ohne die Chip-Krise wären es 150.000 Autos mehr.

cr/dpa-afx, Reuters
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