Japaner im Vorteil General Motors fürchtet die Chipkrise, Toyota schüttelt sie ab

General Motors hat in der Corona-Krise schwerer zu kämpfen als Toyota - und leidet auch deutlich stärker unter dem Chipmangel als die Japaner. Die haben vorgesorgt und erhöhen sogar die Prognose für Absatz und Gewinn.
Im Warteposition: General Motors muss die Produktion wegen des Chipmangels weiter kürzen und parkt derzeit halbfertige Autos

Im Warteposition: General Motors muss die Produktion wegen des Chipmangels weiter kürzen und parkt derzeit halbfertige Autos

Foto: CHRIS HELGREN / REUTERS

General Motors hat von der starken Nachfrage nach Kleinlastern und SUV während der Pandemie profitiert und den Gewinn kräftig gesteigert. Im Schlussquartal sprang der Gewinn auf 2,8 Milliarden Dollar, teilte der US-Autokonzern am Mittwoch mit. Im Vorjahr hatte ein Verlust von knapp 200 Millionen Dollar zu Buche gestanden. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,93 Dollar und damit deutlich über den 1,64 Dollar, die Analysten erwartet hatten. Die Umsätze kletterten im letzten Jahresviertel im Jahresvergleich um 21 Prozent auf 37,5 Milliarden Dollar zu. Die Aktien  von General Motors zogen an der Wall Street fast vier Prozent an.

Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 musste GM - zeitweise deutlich geschwächt durch die Corona-Krise - einen Gewinnrückgang um 4,5 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar verkraften. Der Umsatz fiel von 137,2 Milliarden auf 122,5 Milliarden Dollar. GM teilte mit, man rechne wegen des Chipmangels mit kurzfristigen Auswirkungen auf den Gewinn sowie den Barmittelzufluss (Cashflow). Folgen beim Schwenk in die Elektromobilität erwartet das Management indes nicht. GM hatte am Vortag die Produktionskürzungen in mehreren Fabriken ausgeweitet.

GM verkürzt Produktion und parkt halbfertige Autos

Der größte US-Autobauer geht inzwischen dazu über, halbfertige Fahrzeuge solange zu parken, bis wieder Chips geliefert werden. Weltweit bleibt kaum ein großer Hersteller von dem Halbleitermangel verschont, der durch die Sanktionen der ehemaligen US-Regierung gegen chinesische Chipfabriken verschärft wurde. Lediglich Toyota hat es bisher geschafft, durch eine kluge Bevorratung die Folgen des Chipmangels in Grenzen zu halten. Der japanische Hersteller hat am Mittwoch erneut seine Gewinnprognose angehoben.

Der operative Gewinn von Toyota kletterte zwischen Oktober bis Dezember um mehr als die Hälfte auf 987,9 Milliarden Yen (rund 7,8 Milliarden Euro). Das war deutlich mehr als Analysten geschätzt hatten. Für das im März endende Geschäftsjahr rechnet Toyota nun mit einem Betriebsgewinn von zwei Billionen Yen - zuvor war Toyota noch von einem Gewinn unter dem Strich von 1,4 Billionen Yen ausgegangen.

Toyota steigert dank Chipvorräten die Produktion ...

Während Wettbewerber wie GM oder die Lokalrivalen Nissan und Honda wegen ihre Produktion wegen des weltweit grassierenden Chipmangels drosseln müssen, will der japanische Vorzeigekonzern den Ausstoß sogar erhöhen. Die Aktien von Toyota legten nach der Prognoseanhebung um 2,3 Prozent zu.

"Kurzfristig sehen wir keinen Rückgang des Produktionsvolumens aufgrund der Chipknappheit, aber wir sehen die Risiken einer Chipknappheit", sagte Finanzvorstand Kenta Kon (52). Es gebe Stimmen, die von einem Mangel an Halbleitern bis zum Sommer ausgingen, fügte er hinzu. Möglicherweise werde es aber nicht so lange dauern.

... und erhöht die Absatzprognose

Chips in der Automobilindustrie werden unter anderem im Motormanagement- und Fahrerassistenzsystemen verwendet. Auch Volkswagen und Daimler leiden unter dem Chipmangel. VW erwog laut Berichten von Ende Januar sogar, Schadenersatzansprüche gegen die Zulieferer Bosch und Continental zu stellen. Um die Folgen des Engpasses zu erörtern, wollen am Mittwoch Vertreter des Auto- und Elektroniksektors sowie des französischen Staates zu einem Krisentreffen zusammenkommen.

Toyota rechnet für dieses Jahr mit einem Absatz von 9,73 Millionen Fahrzeugen, das sind 3,3 Prozent mehr als der Konzern bisher prognostiziert hatte, aber weniger als die 10,46 Millionen des vergangenen Jahres. Toyota ist dank des asiatischen Marktes - vor allem wegen seiner Stärke in China - besser als manche Konkurrenten durch die Corona-Krise gekommen und hatte erstmals seit fünf Jahren den deutschen Rivalen Volkswagen von der Weltmarktspitze verdrängt. Der Konzern hatte seine Prognose für das operative Ergebnis erst im November auf 1,3 Billionen Yen angehoben.

rei/Reuters/DPA
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