Großaktionär in Not Chinesischer Autobauer FAW will BMW-Partner Brilliance kaufen

Der chinesische BMW-Partner Brilliance ist in Not. Jetzt erwägt der ebenfalls chinesische Autobauer FAW eine Übernahme. Die Schieflage berühre das Joint Venture BMW Brilliance nur am Rande, hatte BMW Ende des Jahres betont.
Beliebt auch im Fernen Osten: Für BMW ist China der wichtigste Einzelmarkt - fast jedes dritte Auto verkauften der Autobauer im vergangenen Jahr dort

Beliebt auch im Fernen Osten: Für BMW ist China der wichtigste Einzelmarkt - fast jedes dritte Auto verkauften der Autobauer im vergangenen Jahr dort

Foto: THOMAS PETER / REUTERS

Der zweitgrößte chinesische Autobauer FAW greift Insidern zufolge nach dem dortigen BMW-Partner Brilliance. Die staatliche FAW Group, die auch zusammen mit Volkswagen und Audi Autos für den chinesischen Markt produziert, könnte für die angedachte Übernahme umgerechnet rund sechs Milliarden Euro ausgeben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch exklusiv . Die Agentur beruft sich auf zwei mit den Plänen vertraute Personen.

Hintergrund der Überlegungen ist die prekäre Lage des größten Aktionärs und Mutterkonzerns von Brilliance, Huachen Automotive, der Ende 2020 in Schieflage geraten war. Dem Plan zufolge soll FAW zunächst 30,4 Prozent der Brilliance-Anteile von Huachen und weitere 11,9 Prozent von einer staatlichen Investmentgesellschaft der Provinz Liaoning erwerben.

Joint Venture ein wichtiger Ertragsbringer

Im zweiten Schritt würde ein Übernahmeangebot an die übrigen Brilliance-Aktionäre fällig, das bei etwa elf Hongkong-Dollar liegen könnte, 70 Prozent über dem Durchschnittskurs im Januar. Am Mittwoch notierten die Papiere bei 6,70 Hongkong-Dollar. FAW versuche für die Übernahme noch weitere Investoren ins Boot zu holen. FAW und BMW wollten sich zu den Informationen nicht äußern, Brilliance war nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Das florierende Joint Venture BMW Brilliance Automotive (BBA) in Shenyang ist für beide Partner einer der wichtigsten Ertragsbringer. Es fertigt unter anderem BMWs Elektro-SUV iX3, der aus China nach Deutschland exportiert wird.

Huachen wies die Angaben zurück. Reuters hatte im September erfahren , dass ein Konsortium rund um die Investmentgesellschaft aus Liaoning an einem Konsortium aus Staatsbetrieben arbeite, die Brilliance übernehmen und von der Börse nehmen wollten. Ein Insider sagte, dieser Plan liege auf Eis, weil es Probleme mit der Finanzierung und Uneinigkeit über die Bewertung gebe.

Probleme eskalierten Ende vergangenen Jahres

Die Probleme von Brilliance spitzten sich Mitte November vergangenen Jahres zu, als die Gläubiger des Großaktionärs Huachen Automotive Group eine Restrukturierung beantragt hatten. Hintergrund war, dass eine fällige Anleihe offenbar nicht bedient werden konnte. BMW erklärte im November gegenüber dem "Handelsblatt" , dass man die Entwicklung sehr genau beobachte, man aber keine negativen Auswirkungen auf das Joint Venture sehe. Das operative Geschäft laufe nach Plan. Operativ sei Brilliance auch wenig in den Produktionsprozess involviert, lediglich über die Zulieferung von Pressteilen bestehe eine Beziehung.

Wichtig ist China für BMW allemal: Denn ein insgesamt solides Geschäft in China hatte den coronabedingten Absatzeinbruch im Jahr 2020 abfedern können. Von insgesamt gut 2,3 Millionen verkauften Autos (-8,4 Prozent ) wurde rund ein Drittel der Fahrzeuge in China verkauft. Die Volksrepublik ist für BMW wie für den Premiumwettbewerber Daimler der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt. Der Großteil der in China verkauften BMW stammte dabei aus dem Joint Venture BBA.

rei/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.