Neue Werke für Faraday Future, Karma Milliarden für neue Werke - Chinas Tesla-Nachahmer machen ernst

Konzeptauto FF1 von Faraday Future: Mehr Batmobil als Serienfahrzeug - dennoch sollte man das Startup ernst nehmen

Konzeptauto FF1 von Faraday Future: Mehr Batmobil als Serienfahrzeug - dennoch sollte man das Startup ernst nehmen

Foto: Faraday Future
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Die größten Märkte für Elektroautos: Deutschland verliert den Anschluss

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Warum klein, wenn es auch zwei Nummern größer geht? Mit dieser Devise ist der chinesische Technologie- und Unterhaltungskonzern LeEco groß geworden. Allzu einseitig mag es das Unternehmen Leshi Internet Information & Technology, wie der Konzern mit vollem Namen heißt, auch nicht. LeEco betreibt Internet-TV-Kanäle, hat eine Musik- und eine Sportnews-Sparte und liefert für Smartphones optimierte Video-Inhalte.

Weil solche Inhalte auch gut in einen Roboter auf vier Rädern passen würden, entwickelt LeEco seit anderhalb Jahren eigene Elektroautos. Mit viel Wirbel um rassige Rennmaschinen wurde vor allem die Marke Faraday Future angekündigt. Auch für autonom fahrende Autos interessiert sich LeEco-Chef Jia Yueting schon länger.

Nun will der Konzern einiges springen lassen, um im Bereich Elektromobilität zur großen Nummer zu werden: LeEco hat angekündigt, gleich 1,8 Milliarden Dollar in eine eigene Elektroauto-Fabrik zu investieren.

Das Werk soll bis zu 400.000 Elektroautos pro Jahr produzieren können und in der Nähe des Mogan-Bergs in der östlichen Provinz Zhejiang entstehen. Ungewöhnlich ist neben der Größe auch das Umfeld: Die Fabrik soll laut LeEco Teil eines drei Milliarden Dollar teuren Vergnügungsparks rund um Automobilthemen werden. Alle Fahrzeuge innerhalb des Parks sollen einen Elektroantrieb haben, von mehreren Personen geteilt werden und autonom fahren, erklärte Le Eco laut einem Bericht des Wall Street Journal  (kostenpflichtig€€).

Wird die LeEco-Fabrik zu Faradays China-Standbein?

Wann der Bau des Ensembles starten soll, verriet LeEco nicht. Doch eines stellte LeEco-Gründer Jia Yueting klar: Das Projekt solle allen strategischen Partnern von LeEco offenstehen. Zu denen zählt auch das reichlich nebulöse US-Startup Faraday Future. LeEco ist einer der Unterstützer des Elektroauto-Startups und gilt als dessen Hauptfinancier.

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Faraday Future FFZero1: Harte Schale, weißer Kern

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LeEco muss gut gefüllte Kassen haben, denn Faraday Future ist derzeit ein teures Vergnügen. Zum einen zieht das chinesisch-amerikanische Startup in den USA eine E-Auto-Fabrik nördlich von Las Vegas hoch. Insgesamt soll das Werk eine Milliarde Dollar kosten.

Bereits in zwei Jahren, so tönte Faraday Future Anfang 2016, wolle man Elektroautos in Serie fertigen. Bisher hat Faraday öffentlich aber nur einen 1000 PS starken, wenn auch nicht fahrbereiten Elektrosportwagen präsentiert, der mehr nach Batmobil denn nach Serienfahrzeug aussah.

Zudem hat Faraday bereits Dutzende Leute von Autoherstellern und Zulieferern abgeworben, was nicht ganz billig gewesen sein dürfte. Denn auf Faradays Gehaltsliste sollen Dutzende ehemalige Tesla-Mitarbeiter stehen. Auch ein hochrangiger Bosch-Ingenieur arbeitet mittlerweile für das Start-Up. Zuletzt wechselte der einstige Boss von Ferraris Nordamerika-Geschäft zu dem Elektroauto-Unternehmen. Eine komplette Luftnummer ist Faraday also kaum, auch wenn bei Finanzierung und künftiger Modellpalette noch sehr viele Fragen offen sind.

Förderungen lassen Elektroauto-Startups aus dem Boden sprießen

Mit Faraday wolle LeEco seine strategische Partnerschaft bei Fertigung, Forschung, Logstik und Lademöglichkeiten vertiefen, erklärte LeEco-Lenker Yueting dann auch deutlich. Solche Äußerungen legen die Vermutung nahe, dass die chinesische Fabrik das zweite Faraday-Werk werden dürfte. Mit einer Kapazität von 400.000 Autos dürfte sich LeEco aber kaum auf den Luxusmarkt konzentrieren, wie es das große Vorbild Tesla Motors  getan hat - sondern gleich in Richtung Massenmarkt marschieren.

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Die größten Märkte für Elektroautos: Deutschland verliert den Anschluss

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Das könnte lukrativ werden. Denn in China werden Elektroautos kräftig vom Staat gefördert, im vergangenen Jahr war China bereits der größte Markt für die Strom-Fahrzeuge. Tesla tut sich hier schwer.

Der chinesische Staat will mit den Subventionen nicht nur die Luftverschmutzung reduzieren und die Abhängigkeit von Ölimporten verringern. Die Führung hofft auch, dass chinesische Unternehmen zu den Weltmarktführern bei Elektroautos und Batterietechnik werden.

Großzügige staatliche Zuwendungen für Elektromobilitäts-Anbieter ließen zuletzt Dutzende Unternehmen sprießen, die zum chinesischen Tesla werden wollen.

Ein Elektroauto mit Karma am Heck

Ziemlich konkret hören sich auch die Pläne von Wanxiang an. Der chinesische Autozulieferer hat die Reste des gescheiterten Tesla-Rivalen Fisker Automotive gekauft und in Karma Automotive umbenannt. Im September enthüllt Wanxiang die finale Version des Karma Revero, der sich äußerlich kaum von Fiskers aufregend gezeichneten Sportwagen Karma unterscheiden wird. Innen setzt Wanxiang jedoch auf BMW-Technik und eine im Vergleich zur Urversion größere Batteriereichweite des Plugin-Hybriden.

Eine US-Produktionsstätte für die Karma-Fahrzeuge hat sich Wanxiang bereits gesichert. Nun erklärten die Chinesen auch, 375 Millionen Dollar in den Bau eines chinesisches Elektroauto-Werk stecken zu wollen. Da Wanxiang aber bislang keine Autos in China baut, braucht der Konzern noch das OK der chinesischen Behörden.

Zu den weiteren ernstzunehmenden Elektroauto-Startups in China zählt etwa NextEV, hinter dem der chinesische Internet-Riese Tencent und der US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital stecken. Für Respekt in der Branche sorgt auch das Start-Up Future Mobility Corporation (FMC), das vom Apple-Fertiger Foxconn und ebenfalls von Tencent finanziell gestützt wird.

FMC hat zuletzt drei der wichtigsten Ingenieure von BMWs Elektroauto-Projekten i3 und i8 abgeworben. Dass Chinas größter IT-Produzent Foxconn mitmischt, könnte FMC einige Vorteile beim Know-How für moderne Massenfertigungsprozesse verschaffen.

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Neue Formensprache dank Elektroantrieb: Warum Autodesigner Zagato Elektroautos konventionell gestaltet

Foto: Zagato Design

Ein weiterer Herausforderer mit taiwanesischem Background ist Thunder Power aus Hong Kong. Das Unternehmen sorgte auf der IAA im vergangenen Jahr mit einem viertürigen, vom italienischen Designbüro gestalteten Elektro-Konzeptwagen für Aufsehen. Technik-Vorstand von Thunder Power ist ein langjähriger Volkswagen-Ingenieur, der für die Entwicklung des Bugatti Veyron verantwortlich war.

Die möglichen Tesla-Herausforderer aus Asien formieren sich also gerade. Wer es schafft, steht noch in den Sternen. Denn einfach ist es nicht gerade, im Elektroautogeschäft zu reüssieren. Das zeigen die Beispiele Fisker, Coda Automotive oder auch Think! - sie alle sind wegen falscher Managemententscheidungen, Zuliefererproblemen oder Technikmängeln auf der Strecke geblieben. Einzig Fisker hat Chancen auf eine Rehabilitierung unter neuem Namen. Ob diese gelingt, muss sich noch weisen.