Donnerstag, 18. Juli 2019

Neue Werke für Faraday Future, Karma Milliarden für neue Werke - Chinas Tesla-Nachahmer machen ernst

Konzeptauto FF1 von Faraday Future: Mehr Batmobil als Serienfahrzeug - dennoch sollte man das Startup ernst nehmen
Faraday Future
Konzeptauto FF1 von Faraday Future: Mehr Batmobil als Serienfahrzeug - dennoch sollte man das Startup ernst nehmen

2. Teil: Förderungen lassen Elektroauto-Startups aus dem Boden sprießen

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf Twitter

Mit Faraday wolle LeEco seine strategische Partnerschaft bei Fertigung, Forschung, Logstik und Lademöglichkeiten vertiefen, erklärte LeEco-Lenker Yueting dann auch deutlich. Solche Äußerungen legen die Vermutung nahe, dass die chinesische Fabrik das zweite Faraday-Werk werden dürfte. Mit einer Kapazität von 400.000 Autos dürfte sich LeEco aber kaum auf den Luxusmarkt konzentrieren, wie es das große Vorbild Tesla Motors Börsen-Chart zeigen getan hat - sondern gleich in Richtung Massenmarkt marschieren.

Das könnte lukrativ werden. Denn in China werden Elektroautos kräftig vom Staat gefördert, im vergangenen Jahr war China bereits der größte Markt für die Strom-Fahrzeuge. Tesla tut sich hier schwer.

Der chinesische Staat will mit den Subventionen nicht nur die Luftverschmutzung reduzieren und die Abhängigkeit von Ölimporten verringern. Die Führung hofft auch, dass chinesische Unternehmen zu den Weltmarktführern bei Elektroautos und Batterietechnik werden.

Großzügige staatliche Zuwendungen für Elektromobilitäts-Anbieter ließen zuletzt Dutzende Unternehmen sprießen, die zum chinesischen Tesla werden wollen.

Ein Elektroauto mit Karma am Heck

Ziemlich konkret hören sich auch die Pläne von Wanxiang an. Der chinesische Autozulieferer hat die Reste des gescheiterten Tesla-Rivalen Fisker Automotive gekauft und in Karma Automotive umbenannt. Im September enthüllt Wanxiang die finale Version des Karma Revero, der sich äußerlich kaum von Fiskers aufregend gezeichneten Sportwagen Karma unterscheiden wird. Innen setzt Wanxiang jedoch auf BMW-Technik und eine im Vergleich zur Urversion größere Batteriereichweite des Plugin-Hybriden.

Beste Autothemen auf Twitter

Eine US-Produktionsstätte für die Karma-Fahrzeuge hat sich Wanxiang bereits gesichert. Nun erklärten die Chinesen auch, 375 Millionen Dollar in den Bau eines chinesisches Elektroauto-Werk stecken zu wollen. Da Wanxiang aber bislang keine Autos in China baut, braucht der Konzern noch das OK der chinesischen Behörden.

Zu den weiteren ernstzunehmenden Elektroauto-Startups in China zählt etwa NextEV, hinter dem der chinesische Internet-Riese Tencent und der US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital stecken. Für Respekt in der Branche sorgt auch das Start-Up Future Mobility Corporation (FMC), das vom Apple-Fertiger Foxconn und ebenfalls von Tencent finanziell gestützt wird.

FMC hat zuletzt drei der wichtigsten Ingenieure von BMWs Elektroauto-Projekten i3 und i8 abgeworben. Dass Chinas größter IT-Produzent Foxconn mitmischt, könnte FMC einige Vorteile beim Know-How für moderne Massenfertigungsprozesse verschaffen.

Ein weiterer Herausforderer mit taiwanesischem Background ist Thunder Power aus Hong Kong. Das Unternehmen sorgte auf der IAA im vergangenen Jahr mit einem viertürigen, vom italienischen Designbüro gestalteten Elektro-Konzeptwagen für Aufsehen. Technik-Vorstand von Thunder Power ist ein langjähriger Volkswagen-Ingenieur, der für die Entwicklung des Bugatti Veyron verantwortlich war.

Die möglichen Tesla-Herausforderer aus Asien formieren sich also gerade. Wer es schafft, steht noch in den Sternen. Denn einfach ist es nicht gerade, im Elektroautogeschäft zu reüssieren. Das zeigen die Beispiele Fisker, Coda Automotive oder auch Think! - sie alle sind wegen falscher Managemententscheidungen, Zuliefererproblemen oder Technikmängeln auf der Strecke geblieben. Einzig Fisker hat Chancen auf eine Rehabilitierung unter neuem Namen. Ob diese gelingt, muss sich noch weisen.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung