Donnerstag, 23. Januar 2020

Auch VW-Partner soll Subventionen erschlichen haben Elektroauto-Industrie in China unter Generalverdacht

Elektrobus: In China haben sich offenbar viele Firmen der Elektroauto-Industrie Subventionen in Millionenhöhe erschlichen
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Elektrobus: In China haben sich offenbar viele Firmen der Elektroauto-Industrie Subventionen in Millionenhöhe erschlichen

China will eine Macht in der Elektroauto-Industrie werden. Deshalb fördern Staat und Großstädte den Bau sowie den Kauf der E-Autos mit Milliarden. Nun hat das Reich der Mitte einen handfesten Subventionsskandal - involviert ist offenbar auch ein neuer Volkswagen-Partner.

Erst vor wenigen Tagen hatte Volkswagen eine Partnerschaft mit dem chinesischen Elektroauto-Hersteller Anhui Jianghuai (JAC Motors) verkündet. Jetzt werfen die Behörden JAC und gut zwei Dutzend weiteren Unternehmen der Branche Betrug vor. Die Firmen hätten sich unrechtmäßig staatliche Fördergelder erschlichen, berichtete am vergangenen Freitag zunächst die amtliche Zeitung "Securities Daily".

In englischsprachigen Nachrichtenagenturen ist nun die Rede von fünf Unternehmen der Branche, die allein bereits rund 150 Millionen Dollar Fördergelder erschlichen haben sollen, weil sie die Fahrzeuge - unter anderem Elektro-Busse - nie fertiggestellt hätten. Insgesamt hätten die Behörden 90 Firmen durchleuchtet.

Im Kampf gegen die weitreichende Luftverschmutzung im Land setzt China unter anderem auf Elektrofahrzeuge. Allein im vergangenen Jahr förderte Peking mit 4,5 Milliarden Dollar die Produktion von Elektro- und Hybridautos. Ihre Zahl hatte sich 2015 mehr auf rund 333.000 mehr als vervierfacht. Die Subventionen machten China im vergangenen Jahr zum weltweit größten Markt für Elektroautos noch vor den USA.

Steuer auf Diesel- und Benzinautos könnte Förderung für E-Autos ablösen

Im laufenden Jahr sollen dank staatlicher Fördergelder rund 700.000 Elektroautos auf den Straßen chinesischer Großstädte rollen, die teils noch eigene Förderprogramme anbieten. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im ersten Halbjahr laut Kraftfahrtbundesamt 20.500 Hybrid-Fahrzeuge und 4400 reine E-Autos zugelassen.

Angesicht des nun handfesten Skandals sehen Experten in China das ambitionierte Ziel aber in Gefahr. Der chinesische Verband der Autohersteller warnte bereits, dass der Subventionsbetrug die erstarkende Elektroauto-Industrie in China schwer beschädigen könne, berichtet AP.

Der Skandal soll nun zu schärferen Kontrollen bei den Unternehmen der Elektroauto-Industrie führen. Ob die Manager bereits bestraften Firmen belangt werden, ist noch unklar. Einen Großteil der erhaltenen Subventionen müssen die Unternehmen aber zurückzahlen, heißt es in den Berichten weiter.

Die Regierung in Peking will den Subventionsbetrug auch dadurch eindämmen, dass ab dem Jahr 2020 der Zuschuss für den Bau oder Kauf eines Elektrofahrzeugs entfällt und durch einen Preisaufschlag auf Benzin- und Dieselwagen ersetzt wird, heißt es.

mit ap

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