Keine Mehrwertsteuer für Elektroautos China gibt Vollstrom - wie reagieren Daimler und Co.?

Der erste Versuch ging schief, nun verdoppelt Peking den Einsatz: Mit enormen Subventionen will China den Elektroautos zum Durchbruch verhelfen, unter anderem fällt die Mehrwertsteuer weg. Die Konsequenzen für BMW, Daimler und Co. sind massiv.
Daimlers China-Stromer Denza: Peking erhöht bei der Elektromobilität die Schlagzahl

Daimlers China-Stromer Denza: Peking erhöht bei der Elektromobilität die Schlagzahl

Foto: BYD / DENZA

Hamburg - In Phase eins hat die Elektrorakete nicht gezündet. Nur wenige Tausend Batterieautos wurden in China verkauft, seit die Regierung während der Wirtschaftskrise Fördergelder für Elektroautos bereitstellte. 2013 waren es knapp 15.000 (USA: 100.000). Vor allem an der unzureichenden Ladeinfrastruktur scheiterte bisher der Versuch, mehr potenziell umweltfreundliche Autos auf die Straße zu bringen.

Doch angesichts massiver Smog-Probleme legt Peking nach. So hat der Staatsrat gerade beschlossen, die zehnprozentige Verkaufssteuer für Elektroautos (auch Plug-in-Hybride und Wasserstoffautos) ab September bis Ende 2017 auszusetzen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet .

Es ist nur einer von mehreren Schritten, die China in den vergangenen Monaten unternommen hat, um den Absatz anzukurbeln:

• Die Kaufprämie wurde auf bis zu 10.000 Dollar erhöht

• Mehrere Städte schreiben Ladestationen in Garagen von Neubauten vor

• Einzelne Metropolen stellen die Taxi- und Busflotten auf Elektrofahrzeuge um

• Auch müssen Halter von Elektroautos nicht jahrelang auf ein Nummernschild warten wie die Fahrer von Benzinern, deren Verkauf wegen der Umweltprobleme vielerorts eingeschränkt ist.

• Zudem sind die Fahrzeuge von jährlich zu entrichtenden Steuern befreit.

Aktien des örtlichen Herstellers BYD  reagierten mit einem Kurssprung auf die Nachricht vom Mehrwertsteuererlass. US-Investor Warren Buffett kaufte 2008 für 230 Millionen Dollar 10 Prozent an dem Unternehmen, das auch Elektro-Pkw und Elektrobusse herstellt.

Pokerspiel für Daimler, BMW und Co.

Auch für ausländische Hersteller ist die Entwicklung von großer Bedeutung. So dürften sich die Marktchancen von US-Elektroautobauer Tesla vergrößern. Die Kalifornier greifen mit ihrem luxuriösen Model S (Reichweite: 500 Kilometer) in China über den Preis  die deutschen Luxusautohersteller wie Audi , BMW  und Daimler  an.

Die Deutschen indes setzen überwiegend auf Kooperationen mit örtlichen Produzenten. Daimler stellte bei der Automesse in Peking zuletzt den fünfsitzigen Denza vor, der eine Reichweite von immerhin etwa 300 Kilometern haben soll. BMW will mit i3 und i8 im Herbst an den Markt gehen.

Volkswagen  kündigte an, seine Produktpalette in China mit seinen Partnern schrittweise zu elektrifizieren. So gehen die Wolfsburger auch in Europa vor, wo bereits E-Up und E-Golf auf dem Markt sind. Bald sollen Plug-in-Hybride wie der Audi A3 e-tron und der Passat folgen.

Timing ist alles

Die entscheidende Frage ist für die Hersteller nun, das richtige Tempo zu finden. Wer zu langsam ist, verliert Marktanteile, wer zu schnell ist, verliert Geld. Es wird auch darauf ankommen, die passenden Allianzen mit Zulieferern zu bilden.

Dass sich bereits etwas tut, zeigt sich auch an den Aktivitäten manches Batterieherstellers. So plant der koreanische Batteriehersteller LG Chem ein  Werk in China, das pro Jahr Akkus für mehr als 100.000 Autos bauen kann.

Wie rasant die Elektrifizierung auf den Straßen verlaufen kann, hat sich am Beispiel der Motorroller erwiesen. Seit der chinesische Staat vor einigen Jahren die Batterieroller förderte, explodierte deren Zahl auf den Straßen von Shanghai und anderen Straßen praktisch. Inzwischen sollen es etwa 150 Millionen sein.