Montag, 16. September 2019

Schrumpfender Markt bringt Riesen-Überkapazitäten Peugeot und Ford zittern um ihr China-Geschäft

Peugeot-Stand bei einer Automesse im Jahr 2013: Aktuell kann sich PSA in China nicht gerade in Pose werfen
AP/Imaginechina
Peugeot-Stand bei einer Automesse im Jahr 2013: Aktuell kann sich PSA in China nicht gerade in Pose werfen

Nach zwei Jahrzehnten Dauerwachstum war es ein herber Schlag für Autohersteller: Im vergangenen Jahr ist der Autoabsatz in China gesunken - um nur 2,8 Prozent zwar, doch es war der erste Rückgang seit fast 30 Jahren. Die Nachfrageschwäche traf vor allem Volumenmarken hart. So ging etwa Fords Absatz im weltgrößten Automarkt binnen eines Jahres um 37 Prozent zurück. Volkswagen hingegen konnte und kann sich mit einem moderaten Verkaufsrückgang über die Nachfrageschwäche retten.

Dennoch: Nervös sind nun viele internationale Autohersteller. Wie eine Erhebung der Wirtschaftszeitung "Financial Times" ("FT") zeigt, haben einige internationale Autohersteller auch allen Grund dazu. In den vergangenen Jahren haben sie Milliarden in den Bau chinesischer Autowerke gesteckt. Nun laufen diese weit unterhalb der geplanten Jahreskapazität, sind also zu wenig ausgelastet - und verursachen so hohe laufende Kosten.

Am schlimmsten, so schreibt die "FT", sind die beiden Autohersteller Ford und PSA (Peugeot, Citroën, Opel) betroffen. So haben Fords Werke in China im ersten Halbjahr nur eine Auslastung von gerade mal 11 Prozent ihrer möglichen Kapazität gehabt. Die "FT" hat dafür Produktionsdaten von Fords Joint-Venture-Partner Changan Auto ausgewertet.

PSA betreibt ebenfalls ein Joint Venture mit Changan. Im gemeinsamen Werk liefen in der ersten Jahreshälfte 2019 gerade einmal 102 Autos vom Band, schreibt die "FT" unter Bezugnahme auf Zahlen des offiziellen chinesischen Autoindustrie-Verbands. Das ist weniger als 1 Prozent des möglichen Outputs. PSAs zweites Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng kam in den ersten sechs Monaten auf eine Auslastung von 22 Prozent.

"Manche Hersteller müssen ihre Position im Markt bald überdenken"

Kein Wunder also, dass PSA für das erste Halbjahr 2019 einen Absatzrückgang in China von 62 Prozent vermeldete, bei Ford waren es 27 Prozent.

Um den Break-even zu erreichen, benötigen Autofabriken eine Auslastung von mindestens 75 Prozent. Ab 80 Prozent Auslastung, so heißt es in der Branche, schreiben die Autowerke erst größere Gewinne.

Bei niedrigen Auslastungen häufen Autofabriken jedoch schnell Verluste auf, die in Richtung hunderte Millionen Euro gehen. Denn auch wenn fast nichts zu tun ist, müssen mehrere tausend Arbeiter entlohnt werden. Die Werkzeugpressen zur Stahlumformung oder die Lackiererei brauchen ordentlich Energie.

Kein Wunder also, dass sich gegenüber der "FT" Branchenkenner ziemlich kritisch äußern. Manche Autohersteller werden "ihre Position in diesem Markt in der nicht allzu fernen Zukunft überdenken müssen", meint etwa Analyst Robin Zhu von AllianceBernstein. Die Überkapazitäten werden zu sehr schwachen Einkünften führen, prognostiziert er gegenüber der "FT". Und ein anderer meint, dass gerade im preiswerteren Segment unter 20.000 Euro der Zug für ausländische Hersteller längst abgefahren sei.

Allerdings, so gibt ein anderer Branchenbeobachter zu bedenken, könnten große ausländische Hersteller die Marktdelle auch einfach aussitzen. China sei schließlich ein der weltgrößte Automobilmarkt und damit einfach zu bedeutend, um den Rückzug anzutreten.

Nobelmarken spüren noch nichts von Marktschwäche

Ford plant nun - nicht gerade überraschend - den Start neuer Modelle, um sein China-Geschäft wiederzubeleben. Im Rest der Welt setzt der US-Autobauer auf ein kräftiges Sparprogramm. Bei PSA läuft das Geschäft im Rest der Welt aktuell gut. Doch im größten Automarkt der Welt, so heißt es bei PSA, arbeite die hauseigene Nobelmarke DS an einer neuen China-Strategie. Die "FT" hat sich rund um das von PSA und Changan betriebene Werk in Shenzen umgehört. Anekdoten von Ladenbesitzern und Werksarbeitern legen nahe, dass die Belegschaft in dem Werk um hunderte Arbeiter geschrumpft ist.

Wie lange die Durststrecke für die internationalen Autohersteller wird, lässt sich noch nicht so recht absehen. Luxusauto-Hersteller wie Daimler oder BMW bekamen den Absatzrückgang im vergangenen Jahr so gut wie gar nicht zu spüre. Ihre Fabriken laufen noch mit über 90 Prozent Auslastung. Und einige Analysten meinen auch, dass der chinesische Automarkt bereits im kommenden Jahr wieder auf Wachstumskurs schwenken könnte.

Allerdings rechnen sie nur mit - für China - sehr moderaten Absatz-Wachstumsraten von 1 bis 2 Prozent pro Jahr. Das ist weit von den zweistelligen Prozentzuwächsen der vergangenen Jahre entfernt - und zeigt, dass die goldenen Zeiten auch in China erstmal vorüber sind.

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