Carsharing VW stößt verlustreiche Tochter WeShare an Miles ab

Mit WeShare wollte Volkswagen seit Sommer 2019 einen eigenen Elektro-Carsharingdienst etablieren. Ohne Erfolg: Zur geplanten Expansion kam es nie, profitabel war WeShare auch nicht. Nun zieht der Autohersteller einen Schlussstrich.
Gekauft: Die Volkswagen-Tochter WeShare wechselt zu Miles

Gekauft: Die Volkswagen-Tochter WeShare wechselt zu Miles

Foto: Gerald Matzka / dpa

Der Berliner Carsharing-Anbieter Miles übernimmt das Konkurrenz-Angebot WeShare vom Volkswagen-Konzern. Damit erhält das Unternehmen weitere 2000 vollelektrische Leihwagen in Berlin und Hamburg, wie beide Konzerne am Dienstag mitteilten. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Im Rahmen der Übernahme habe Miles zudem mehr als 10.000 vollelektrische Autos bei VW bestellt. Sie sollen ab 2023 ausgeliefert werden.

Miles wolle mit der Übernahme die Elektrifizierung der eigenen Flotte vorantreiben, teilte Miles-Chef Oliver Mackprang (34) mit. VW wiederum will sich auf den Ausbau seiner Mobilitätsplattform konzentrieren, über die auch die Miles-Fahrzeuge weiter angeboten werden sollen. Grundlage der Wolfsburger Pläne rund um Mietwagen, Autoabos und Co. war die Übernahme des französischen Autovermieters Europcar. Dort will Volkswagen auch Carsharingangebote bündeln - sowohl eigene, als auch fremde wie Miles. Wie es mit den internen Carsharingambitionen des Automobilherstellers nun weitergeht, ist ungewiss.

WeShare startete 2019 mit einem stationsungebundenen Leihwagen-Angebot in Berlin. Die vollelektrischen Autos können die Kunden per App öffnen und an jedem beliebigen Standort innerhalb des Betriebsgebiets abstellen. Eine für 2020 geplante Expansion hatte Volkswagen abgeblasen, offiziell wegen der Corona-Pandemie. Seitdem kam lediglich Hamburg als weiterer Standort hinzu. Bei der Markteinführung im Frühjahr 2021 hatte der damalige VW-Markenchef Ralf Brandstätter (54) gemahnt, WeShare müsse schnell aus den roten Zahlen kommen. Ewig wolle man nicht draufzahlen.

Dem Team um CEO Philipp Reth (47) ist das offensichtlich nicht gelungen. Aus Kreisen der Finanzsparte Volkswagen Financial Services, die den Auf- und Ausbau des Mobilitätsgeschäfts bei VW verantwortet, ist zu vernehmen, dass WeShare bis zuletzt bei Weitem nicht profitabel agierte. Reth soll nun einen neuen, noch nicht näher definierten Posten bei Volkswagen Financial Services erhalten.

Miles steigt zur Nummer 1 auf

WeShares neuer Eigentümer Miles Mobility ist bislang mit 9000 Fahrzeugen ebenfalls ohne feste Stationen in acht Großstädten (Berlin, Hamburg, München, Potsdam, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Bonn) unterwegs. Neben Pkw können über die Plattform auch Transporter gemietet werden. Mit der WeShare-Übernahme werden die Berliner nach eigenen Angaben zum größten deutschen Carsharing-Anbieter.

Mit dem Autoteilen Geld zu verdienen, gilt als schwieriges Unterfangen. Auch deshalb hatten BMW und Mercedes-Benz im Mai ihre gemeinsame Carsharing-Tochter Share Now an Stellantis verkauft. Miles-Chef Mackprang hatte im Gespräch mit manager magazin kürzlich betont, operativ schwarze Zahlen zu schreiben .

Insgesamt weist das Unternehmen in seinen Bilanzen bislang allerdings deutliche Fehlbeträge aus: minus 6,9 Millionen Euro für das Jahr 2019, minus 4,1 Millionen Euro für 2020. Die Konsolidierung mit einem der Hauptwettbewerber – WeShare war mit seinen 2000 Flottenfahrzeugen zuletzt der fünftgrößte Anbieter in Deutschland – soll nun die Marktposition stärken. Mackprang sprach am Dienstag von "einem bedeutsamen Schritt in die richtige Richtung".

Zu den Finanziers des 2016 gegründeten Unternehmens zählt neben diversen Wagniskapitalgebern auch der prominente Techunternehmer Lukasz Gadowski (45), der unter anderem den Lieferdienst Delivery Hero mitgegründet hatte.

cr/cs/dpa-afx
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