Bis 2030 nur noch E-Autos Wie Stellantis zum Elektro-Primus werden soll

Vorstandschef Carlos Tavares will sogar Volkswagen überholen. Bis 2030 soll der Opel-Peugeot-Konzern nur noch Elektroautos bauen, bis 2038 komplett CO2-neutral sein. Und die Margen sollen hoch bleiben.
Umbaumeister: Konzernchef Carlos Tavares

Umbaumeister: Konzernchef Carlos Tavares

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Stellantis-Chef Carlos Tavares (63) will den vollständigen Umstieg auf Elektroautos noch in diesem Jahrzehnt und ohne Abstriche beim Gewinn schaffen. Der Jahresumsatz solle bis 2030 auf 300 Milliarden Euro verdoppelt werden bei stabiler operativer Rendite über zehn Prozent, erklärte der Vorstandschef des viertgrößten Autobauers der Welt, zu dem Marken wie Opel, Peugeot oder Chrysler gehören.

Unter dem Motto "Vorwärts wagen" stellte Tavares die neue, langfristige Strategie des Konzerns vor. Mit ihr beschleunigt er die Umstellung auf reine Elektroautos. Bis 2030 soll das Angebot in Europa vollständig auf batterielektrische Modelle (BEV) umgestellt sein – bisher war ein Absatzanteil von mehr als 70 Prozent BEV und Plug-in-Hybriden angestrebt, die kombiniert mit Strom und Kraftstoff fahren. In den USA, wo Stellantis Wagen der Marken Chrysler oder RAM baut, sollen die reinen batterieelektrischen Wagen bis dahin einen Anteil von 50 Prozent erreichen. Die 14 Marken sollen mehr als 75 Elektromodelle auf dem Markt haben – und jährlich fünf Millionen davon verkaufen.

Tavares sieht den aus der Fusion von PSA und Fiat Chrysler hervorgegangenen Konzern in einer starken Rolle bei der Transformation der Autoindustrie. "Wir sind in einer sehr guten Position, dieses Rennen anzuführen", sagte er. Das ambitionierte Ziel: Bis 2038 und damit als erster Autobauer soll Stellantis nicht nur mit seinen Produkten, sondern über die gesamte Wertschöpfung CO2-neutral sein. "Das ist das Richtige für meine Kinder und Enkel – daher heute dieses große Versprechen an die Gesellschaft", betonte der Portugiese.

Stellantis will Volkswagen überholen

Für Tavares selbst bedeutet die Klimaoffensive auch eine persönliche Wende. Anders als etwa Volkswagen-Chef Herbert Diess (63) oder Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius (52) hatte er den von der Politik vorangetriebenen Umschwung zu E-Autos als überhastet kritisiert. Jetzt will Tavares sogar schneller sein: In der EU wird gerade über die Vorgabe diskutiert, bis 2030 den CO2-Ausstoß von Neuwagen im Schnitt um 55 Prozent gegenüber 2021 zu verringern. Mit den neuen Zielen soll Stellantis auch den größeren Volkswagen-Konzern überholen. Die Marke Volkswagen will bis Ende des Jahrzehnts 70 Prozent der Neuwagen in Europa als reine E-Autos verkaufen, weltweit strebt der gesamte Konzern einen Absatzanteil von 50 Prozent an.

Tavares, der wegen seines Kostenregimes auch als härtester Automanager Europas  gilt, will gleichzeitig die Gewinne hochhaltenv. Trotz der noch viel höheren Produktionskosten von E-Autos stellte er in Aussicht, die operative Rendite bei mehr als zehn Prozent zu halten und sie ab 2030 auf mehr als zwölf Prozent zu steigern. Das soll unter anderem durch den Verkauf von mehr Premium- und Luxusmodellen wie Citroen DS, Alfa Romeo oder Maserati erreicht werden. Volkswagen dagegen peilt mit acht bis neun Prozent eine Spanne an, wie sie für Massenhersteller üblich ist. Im vergangenen Jahr glänzte Stellantis mit 11,8 Prozent Marge, was normalerweise nur Premiumhersteller verdienen.

"Wir bewegen uns, und wir bewegen uns schnell, um eine Mobility-Tech-Company zu werden", so Tavares. Wie andere Hersteller auch will er künftig steigende Umsätze mit Datengeschäften machen. Bis zum Ende des Jahrzehnts strebt er damit einen Umsatz von 9 Milliarden Euro an. Das entspräche in den Plänen einem Anteil von drei Prozent – und ist damit deutlich weniger ambitioniert als bei Wettbewerbern. Immerhin: Tavares rechnet in diesem Segment mit Margen von bis zu 70 Prozent.

Schwachstelle China

Eine Schwachstelle ist nach wie vor das China-Geschäft von Stellantis. Das wolle er reparieren, versprach Tavares. Auch hier sind die Ziele höchst ambitioniert: Bis 2030 soll der Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigen, nachdem in der Region China/Indien/Asien-Pazifik zuletzt 3,9 Milliarden Euro erlöst wurden. Eine weitere Fabrik über die eine in China bestehende hinaus soll aber nicht gebaut werden.

Bei den Investoren verfingen die Botschaften nicht. Die in Mailand gelistete Aktie schloss am Dienstag mit einem Minus von 6,9 Prozent.

lhy/Reuters