Donnerstag, 27. Februar 2020

Carlos Slim paktiert mit JAC Mexikos reichster Mann macht jetzt in Billig-SUVs

Carlos Slim, der sechstreichste Mensch der Welt, will Billig-SUVs in Mexiko zusammenschrauben lassen

Carlos Slim Helú, Mexikos reichster Mann, erschließt sich ein neues Spielfeld: Die Produktion von günstigen Autos für den lateinamerikanischen Markt. Doch sein neues Unterfangen legt bescheiden los - mit zwei Billig-SUV-Modellen.

Mit dem Aufbau seines Telekom-Imperiums América Móvil verdiente Carlos Slim Milliarden. Auf knapp 61 Milliarden Dollar schätzt die US-Wirtschaftszeitschrift Forbes sein aktuelles Vermögen. Einen kleinen Teil davon steckt Slim nun in ein neues Unterfangen: Gemeinsam mit dem chinesischen Autohersteller Anhui Jianghuai Automobile (JAC) will er Autos für Mexiko und die lateinamerikanischen Märkte bauen, wie die Financial Times (FT) berichtet.

Slims Unternehmen Giant Motors will zunächst zwei in China entworfene und auch dort hergestellte SUVs auf den Markt bringen, heißt es in dem FT-Bericht. Diese werden in Mexiko nur zusammengesetzt.

Doch anders als viele Autohersteller in Mexiko, die in dem Billiglohnland vor allem für den nordamerikanischen Markt produzieren, will sich Slim auf den boomenden mexikanischen Automarkt und auf die Länder Lateinamerikas konzentrieren.

"Wir sind überhaupt nicht von der Nafta abhängig, weder für Exporte noch bei Zulieferern", sagte Giant Motors-CEO Elias Massri der FT. Die besten Absatzchancen für seine Fahrzeuge sieht Massri fernab der USA. Kein Wunder, denn US-Präsident Donald Trump dürfte den Export von in Mexiko hergestellten Fahrzeugen Richtung Norden bald erschweren. Trump hat mehrfach angekündigt, Fahrzeugimporte aus Mexiko mit einer Strafsteuer belegen zu wollen.

Allzu üppig fällt das Investment bei Giant Motors jedoch nicht aus: Rund 230 Millionen Dollar wollen Mexikaner und Chinesen in das Jointventure investieren. Solche Summen reichen nicht für den Aufbau einer größeren Autofabrik - sondern gerade mal für ein Werk, in dem in China gefertigte Fahrzeugteile vor Ort zusammengeschraubt werden. Tatsächlich sind die Produktionsziele eher bescheiden: Bis 2021 soll in dem Werk nur 6.000 Fahrzeuge pro Jahr von den Bändern rollen.

Allzu teuer dürften die ersten Giant-SUVs nicht werden

Die Wahl des Partners lässt vermuten, dass die Fahrzeuge eher im unteren Preissegment verkauft werden sollen. Das SUV-Topmodell von JAC, der Kompakt-Geländewagen S5 II, wird in China ab 16.000 Dollar verkauft. Das kleinere Modell S3 war in China bei Marktstart im Jahr 2014 ab knapp 10.000 Dollar erhältlich. Auch Volkswagen kooperiert mit JAC, zusammen wollen die Unternehmen günstige Elektroautos für den chinesischen Markt entwickeln. Bereits 2018 soll das erste gemeinsame E-Modell auf den Markt kommen, erklärte Konzernchef Matthias Müller vor kurzem.

Doch der Deal zwischen Slims Giant Motors und JAC zeigt auch, dass China Mexiko als möglichen Fertigungsstandort für Exporte nach Lateinamerika in Betracht zieht. Die Chinesen hätten "die klare Absicht, sich globaler aufzustellen". Das sei ein Kontrast zu globalisierten Ländern, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollen, erklärte der Giant-Motors-Chef der FT - und brachte damit eine deutliche Spitze gegenüber der neuen US-Regierung unter.

Denn Trump bemüht sich seit Monaten darum, dass US-Autohersteller ihre Produktion wieder stärker in die USA verlagern. Bei Ford hatte er damit bereits einen ersten Erfolg: Der US-Autoriese investiert nun doch nicht wie lange geplant 1,6 Milliarden Dollar in Mexiko - sondern lieber in den USA.

Giant Motors, der chinesische Autohersteller JAC und Chori, eine ebenfalls an dem Jointventure beteiligtes japanisches Unternehmen, planen das Werk bereits seit gut zwei Jahren - also "lange vor dem Sturm", wie es Massri gegenüber der FT ausdrückt.

Slim besitzt über eine Investmentgesellschaft rund die Hälfte an Giant Motors. Giant stellt bereits Lkws und Vans her. Partner dafür ist FAW, ein weiteres chinesisches Unternehmen, mit dem auch Volkswagen in China zusammenarbeitet.

Giant will zudem mit einem anderen Partner auch Taxis mit Elektroantrieb produzieren. Laut der FT erwartet Giant zwei weitere JAC-Modelle in diesem Jahr.

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