Ex-Autoboss im Libanon Ghosn-Sohn bezahlte mutmaßliche Fluchthelfer mit Kryptowährung

Immer mehr Details zur spektakulären Flucht des früheren Renault-Nissan-Chefs werden bekannt. Die neuesten stammen aus amerikanischen Gerichtsakten.
Hält sich weiterhin im Libanon auf: Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn

Hält sich weiterhin im Libanon auf: Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn

Foto: Meika Fujio / dpa

Mit seiner spektakulären Flucht aus dem japanischen Hausarrest hat Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn (66) Anfang des Jahres die Schlagzeilen dominiert. Zwischenzeitlich war es etwas stiller geworden um den tief gefallenen Starmanager; seit der Festnahme zweier mutmaßlicher Fluchthelfer kommen nun neue Details der hollywoodreifen Eskapade ans Licht. So soll Ghosns Sohn Anthony laut amerikanischen Gerichtsdokumenten etwa 500.000 Dollar in Kryptowährungen an das Vater-Sohn-Paar gezahlt haben, das die Flucht aus Tokio nach Beirut organisiert haben soll.

Das Geld sei überwiesen worden, nachdem Ghosn senior kurz vor dem Jahreswechsel im Libanon angekommen sei; der Manager selbst habe zudem gut zwei Monate vor seiner Flucht knapp 900.000 Dollar an die Männer überwiesen. Mit den Transaktionen argumentieren die US-Behörden gegen eine Freilassung der Männer auf Kaution: Diese hätten "jetzt Zugriff auf Ghosns enorme [finanzielle] Ressourcen, mit denen sie fliehen können." Auch zitierten die Strafverfolger eines von Ghosns jüngsten Interviews, in denen er zu Protokoll gegeben hatte, jeder Person zu helfen, die ihm beigestanden hatte. Japan fordert die Auslieferung der Männer.

Der ehemalige Nissan-Chef Ghosn hatte sich in den Libanon abgesetzt, nachdem er in Japan Ende 2018 unter dem Vorwurf verhaftet worden war, sein Gehalt zu niedrig angegeben und Firmengelder für persönliche Zwecke verwendet zu haben. Der Manager bestreitet die Vorwürfe. Nissan fordert aktuell rund 83 Millionen Euro Schadenersatz von Ghosn. Der hatte im Januar uneingeschränkte Kooperation mit der libanesischen Justiz versprochen; allerdings ist nach wie vor völlig unklar, wie Tokio und Beirut in der Sache kooperieren wollen. Auch französische Staatsanwälte ermitteln wegen möglicher Veruntreuungen Ghosns bei Renault, wo jener seit 2005 ebenfalls Vorstandschef war. Zu einem ersten Vorladungstermin am 13. Juli war Ghosn nicht erschienen - laut eigener Aussage, weil sein Pass wegen des von Japan ausgestellten internationalen Haftbefehls bei libanesischen Behörden liege.

Ghosns potenzielle Fluchthelfer und ihre Anwälte können am kommenden Dienstag erneut für eine Freilassung auf Kaution argumentieren. Aus ihrer Sicht ist es im japanischen Rechtssystem keine Straftat, jemanden bei einer Flucht zu unterstützen, solange sich dieser nicht in Haft befunden habe.

luk/Reuters