Montag, 20. Mai 2019

Ex-Nissan- und Renault-Chef wieder angeklagt Neue schwerwiegende Untreue-Vorwürfe gegen Carlos Ghosn

Carlos Ghosn 2017 in Paris bei einer Pressekonferenz.

Der Fall des geschassten Nissan- und Renault-Chefs Carlos Ghosn (65) nimmt die nächste Wendung: Die japanische Staatsanwaltschaft hat eine neue Anklage wegen schwerer Untreue gegen Ghosn erhoben. Es geht um den Vorwurf der Veruntreuung von Nissan-Geldern, wie das zuständige Gericht in Tokio am Montag mitteilte.

Der einst mächtige Automanager war am 4. April erneut festgenommen worden - nur einen Monat, nachdem er nach rund hundert Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Seine aktuelle U-Haft, die erst vor zehn Tagen verlängert worden war, läuft noch bis zu diesem Montag. Nach der Erweiterung der Anklageschrift haben Ghosns Anwälte jetzt erneut seine Freilassung auf Kaution beantragt.

Vorwurf: Luxusyacht mit Nissan-Geld finanziert

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 65-Jährigen zusätzlich zu den bisherigen Anklagepunkten vor, zwischen Ende 2015 und Mitte 2018 Nissan-Gelder in Höhe von insgesamt 15 Millionen US-Dollar (13,4 Millionen Euro) an ein Unternehmen im Nahen Osten transferiert haben. Es soll dabei um die Firma Suhail Bahwan Automobiles aus dem Oman gehen, berichtet die US-Zeitung "Wall Street Journal". Von der Summe soll Ghosn fünf Millionen Dollar für Privatzwecke abgezweigt und so unter anderem eine Luxusyacht finanziert und Investitionen in ein Unternehmen seines Sohnes in den USA getätigt haben.

Ghosn war bereits zuvor in drei Anklagepunkten finanzielles Fehlverhalten vorgeworfen worden. Er soll jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den japanischen Autobauer übertragen haben.

Nissan erstattete Strafanzeige gegen Ghosn

Die neuen Untreue-Vorwürfe sind Experten zufolge die schwerwiegendsten Anschuldigungen gegen Ghosn. Nissan erstattete nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen ihn, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Ghosn habe die fraglichen Zahlungen, die über ein Tochterunternehmen an einen Fahrzeugvertrieb im Ausland gegangen seien, angewiesen, um sich selbst zu bereichern. Betriebswirtschaftlich gesehen seien sie "nicht notwendig" gewesen.

Ghosn wurde am 19. November erstmals festgenommen. Nach hundert Tagen wurde er gegen eine hohe Kaution und unter strengen Auflagen freigelassen. Der einstige Vorzeigemanager, der auch jahrelang beim französischen Autobauer Renault die Geschicke lenkte, bestreitet alle Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

AFP/kyr

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