Samstag, 20. April 2019

Untreuevorwürfe gegen Chef von Nissan-Renault Nissan bestätigt Verhaftung - Carlos Ghosn droht Entlassung

Carlos Ghosn ist Vorstandschef von Renault und Verwaltungsratsvorsitzender von Nissan

Er gilt als einer der schillerndsten Manager der Automobilindustrie - Carlos Ghosn, der die Fäden in der Allianz der drei Autobauer Renault Börsen-Chart zeigen, Nissan Börsen-Chart zeigen und Mitsubishi Börsen-Chart zeigen in den Händen hält, droht ein jähes Ende seiner Karriere. Am Montag bestätigte Nissan, dass der Manager in Japan festgenommen worden sei. Neben Ghosn wurde auch Greg Kelly festgenommen, der bei Nissan den Posten des Representative Directors inne hat. Nissan-Chef Hiroto Saikawa sagte auf einer Pressekonferenz, man plane, Ghosn aus dem Board zu entlassen. Ebenfalls wolle man sich von Kelly trennen. Am Donnerstag sollen beide offiziell abgewählt werden.

Bereits zuvor hatten Medien berichtet, Ghosn drohe eine Verhaftung wegen Verstößen gegen Finanzmarktregeln. Monatelang gingen Nissan-Mitarbeiter vertraulichen Hinweisen nach, dass der 64-jährige Ghosn unter anderem sein Einkommen bei der Tokioter Börse zu niedrig angegeben haben soll. Ghosn ist bei den Japanern Verwaltungsratschef und bei Renault gleichzeitig Vorstandschef. Außerdem führt er die gemeinsame Allianz der beiden Autobauer - nun droht ihm der Verlust sämtlicher Ämter.

Nissan sprach von "ernsthaftem Fehlverhalten" des Managers und will ihn wegen Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht zum Rückzug drängen - Vorstandschef Saikawa werde dies dem Aufsichtsrat vorschlagen, teilte Nissan am Montag in Tokio mit. Zudem wirft Nissan Ghosn vor, er habe Firmengelder für private Zwecke verwendet. Saikawa sagte auf der Pressekonferenz, er könne wegen der laufenden Ermittlungen keine Details nennen. Das Unternehmen habe aber voll mit den Behörden kooperiert. Saikawa sagte laut Bloomberg, die Konzentration von Macht auf eine Person führe zu Verzerrungen. Er versicherte, die Allianz der Autobauer werde auch ohne Ghosn bestehen bleiben.

Aktie von Nissan und Renault brechen ein

Der Zeitung "Asahi" zufolge steht Ghosn im Verdacht, sein eigenes Einkommen in Jahresabschlüssen zu niedrig angesetzt zu haben. Die Newsagentur "Jiji" berichtete, Ghosn habe weitere Vergehen begangen. Der öffentlich-rechtliche Sender NHK berichtete von Durchsuchungen bei Nissan. Ghosn sei wegen der Vorwürfe bereits verhört worden. Nissan kündigte für den Abend japanischer Zeit eine Pressekonferenz an.

Ghosn gehört zu den charismatischsten Automanagern der Welt. Der in Brasilien geborene Franzose mit libanesischen Wurzeln hat den Bund aus den beiden japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi mit Renault zu ernstzunehmenden Rivalen aufgebaut, der es mit Branchengrößen wie Volkswagen und Toyota aufnehmen kann. Er war im vergangenen Jahr als Vorstandschef von Nissan zurückgetreten, um sich stärker um Renault und Mitsubishi zu kümmern. Den Verwaltungsrat von Nissan führt er weiter. Ghosn wird seit seiner Zeit an der Renault-Spitze "Le Cost Killer" genannt und hat Nissan nach Jahren hoher Verluste und Schulden wieder auf Erfolgskurs gebracht.

Die Aktien von Renault fielen nach dem Bericht um zehn Prozent. Binnen weniger Minuten wurde ein Börsenwert von zwei Milliarden Dollar vernichtet. Die in Frankfurt notierten Titel von Nissan brachen zeitweise sogar um mehr als 15 Prozent ein.

mg/rtr/ap

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