Donnerstag, 27. Juni 2019

 Neue Vorwürfe gegen Ex-Nissan-Chef Warum Carlos Ghosn weiter in Haft bleibt

Carlos Ghosn: Der ehemalige Verwaltungsratsschef von Nissan bleibt weiter in Haft

Anders als sein Mitangeklagter, der amerikanische Ex-Nissan-Manager Greg Kelly, muss der ehemalige Nissan-Verwaltungsratschef Carlos Ghosn den Jahreswechsel in der Haftanstalt verbringen. Grund dafür sind neue Vorwürfe gegen ihn. Ihm wird vorgeworfen, persönliche Verluste auf die Firma abgewälzt zu haben.

Seine ehemals "rechte Hand" Greg Kelly wurde indes am Dienstag gegen eine Kaution in Höhe von 70 Millionen Yen (632 000 Euro) auf freien Fuß gesetzt. Einen Einspruch der Staatsanwaltschaft wies das Gericht zurück. Kelly wies die Vorwürfe gegen ihn in einer Stellungnahme zurück und forderte einen Freispruch. Er sei krank und benötige medizinische Behandlung. Einen Termin für einen Prozess gegen Kelly und Ghosn gibt es noch nicht.

Ghosns Haft wurde angesichts der neuen Vorwürfe indes bis mindestens zum 1. Januar verlängert. Und Experten gehen angesichts der üblichen Praxis in Japan von einer weiteren Verlängerung um mindestens zehn Tage aus.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ghosn nun zusätzlich vor, einer saudischen Geschäftsfrau Firmengelder zukommen gelassen zu haben, nachdem diese ihm aus einem persönlichen finanziellen Engpass herausgeholfen hatte, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Kreise berichtete.

Demnach soll die fragliche Person Ghosn, nach dem bei diesem im Zuge eines Swap-Geschäftes Verluste von rund 16,6 Millionen Dollar aufgelaufen waren, dabei geholfen haben, dem Manager eine Zahlungsgarantie zu organisieren. Dafür soll sie im Gegenzug zwischen 2009 und 2012 in vier Zahlungen 14,7 Millionen Dollar an Firmengeldern erhalten haben. Wie es weiter heißt, soll Ghosn anfänglich sogar versucht haben, die Verluste direkt auf das Unternehmen abzuwälzen.

Eine Darstellung, der Ghosn aber offensichtlich widerspricht. Und die er als legitime Zahlungen darstellt - unter anderem für das Lösen von Probleme mit Händlern in Saudi-Arabien.

Die Staatsanwaltschaft selbst wollte sich offiziell nicht zu den konkreten neuen Vorwürfen äußern und verwies auf andauernde Ermittlungen. Ein Sprecher erklärte jedoch, die Tragweite nehme zu. Ghosn und Kelly waren am 19. November in Tokio wegen des Verdachts auf Verstoß gegen Börsenauflagen festgenommen worden. Ghosns Einkommen beim Renault -Partner Nissan soll jahrelang zu niedrig angegeben worden sein.

Kelly darf Japan auch nach seiner Freilassung aus der Untersuchungshaft nicht verlassen. Auch innerhalb Japans darf sich der Manager nur in bestimmten Gebieten bewegen.

mit reuters, dpa

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