Samstag, 18. Januar 2020

Flüchtiger Ex-Automanager Libanon verhängt Ausreisesperre über Carlos Ghosn

Solidaritätsplakat mit Carlos Ghosn in der libanesischen Hauptstadt Beirut (Archivaufnahme Dezember 2019)

Der Libanon hat über den aus Japan geflohenen früheren Automanager Carlos Ghosn eine Ausreisesperre verhängt. Das sei das Ergebnis einer ersten Anhörung beim Generalstaatsanwalt gewesen, hieß es laut verschiedenen Presseberichten am Donnerstag aus Justizkreisen in der Hauptstadt Beirut.

Libanesische Behörden hätten den Manager zuvor vernommen, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters". Ghosn sei am Donnerstag unter Aufsicht eines Staatsanwalts von einem hohen Beamten der Kriminalpolizei im Beiruter Justizpalast befragt worden, sagte ein Gerichtsinsider - Auslöser sei ein Interpol-Haftbefehl gewesen.

Die internationale Polizeibehörde hatte einen Fahndungsaufruf gegen Ghosn herausgegeben. Japan ersuchte zudem, den 65-Jährigen verhaften zu lassen. Da es zwischen den beiden Ländern kein Auslieferungsabkommen gibt, ist es unwahrscheinlich, dass Ghosn nach Japan zurückkehrt. Er besitzt neben der libanesischen auch die französische und brasilianische Staatsbürgerschaft.


"Ich bin an Mission Impossible gewöhnt" - Carlos Ghosns Wut-Auftritt im Minutenprotokoll


Der frühere Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault -Nissan -Mitsubishi war am 19. November 2018 in Tokio unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn floh Ende Dezember in einem Privatjet nach Beirut, angeblich in einer Kiste versteckt.

Der frühere Automanager erhob am Mittwoch in Beirut bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Flucht schwere Vorwürfe gegen die japanische Justiz. Das Verfahren gegen sich bezeichnete er als politisch motiviert. Zudem beklagte er schlechte Haftbedingungen.

Ghosn warf Japan eine Verletzung grundlegender Menschenrechte vor. Er sei bis zu acht Stunden am Tag ohne Anwalt verhört worden, um ein Geständnis aus ihm herauszuholen. Die monatelange Untersuchungshaft sei völlig überzogen gewesen.

luk / dpa-afx, Reuters

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