Samstag, 18. Januar 2020

Ex-Automanager auf der Flucht Haftbefehl gegen Ghosns Ehefrau - Nissan wappnet sich für Schlammschlacht

Carlos und Carole Ghosn im März 2019 in Tokio

Nach der Flucht des Ex-Automanagers Carlos Ghosn vor dem Zugriff der japanischen Justiz bereitet sich der Autokonzern Insidern zufolge auf eine schmutzige Auseinandersetzung vor. "Jetzt, wo er entkommen ist, kann er sagen, was er will, und uns bis zum Beweis des Gegenteils mit Schlamm bewerfen", sagte ein hochrangiger Nissan-Manager der Nachrichtenagentur Reuters. Mit der Angelegenheit befasse sich eine Taskforce unter der Leitung von Nissan-Chef Makoto Uchida, der auch frühere Spitzenmanager angehören, sagten drei Eingeweihte.

Ghosn, der sich in seine libanesische Heimat abgesetzt hat, kündigte für Mittwoch eine Pressekonferenz an. Der einst gefeierte Chef des Bündnisses von Renault und Nissan wurde im vergangenen Frühjahr gegen eine Millionen-Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen und wurde während seines Hausarrests streng überwacht.

Der Fernsehsender Fox Business berichtete unter Berufung auf ein Gespräch mit Ghosn, der Manager sehe sich als Opfer einer Verschwörung von Nissan-Managern mit japanischen Staatsanwälten und Vertretern des Wirtschaftsministeriums. Er wolle die Verantwortlichen benennen und Beweise vorlegen.

Derweil hat die japanische Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen Ghosns Frau Carole erwirkt. Ihr werde vorgeworfen, im vergangenen April bei einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft vor Gericht Falschaussagen gemacht zu haben, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. Ghosn, der in Japan unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen angeklagt ist, war im vergangenen Monat unter Verstoß gegen Japans Kautionsauflagen überraschend in den Libanon geflohen.


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Die Ehefrau des früheren Vorstandschefs des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi hatte immer wieder die Haftbedingungen ihres Mannes in Japan scharf kritisiert und angezweifelt, dass er einen fairen Prozess bekomme. Eine Bedingung für Ghosns Entlassung aus der monatelangen Untersuchungshaft gegen Kaution war gewesen, dass er weder Japan verlässt noch ohne Erlaubnis Kontakt zu seiner Frau aufnimmt. Die japanische Staatsanwaltschaft erklärte dem Gericht in Tokio, dass Carole Ghosn Personen, die im Zusammenhang mit dem Fall stehen, kontaktiert habe.

Sie hatte in der Vergangenheit sogar US-Präsident Donald Trump sowie Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron um Hilfe in dem Fall gebeten. Ihr Mann soll schließlich in einer Kiste versteckt aus Japan geflohen sein. Dabei soll der 65-Jährige Helfer gehabt haben. Er war mit Privat-Flugzeugen von Japan über die Türkei in den Libanon geflohen. Ghosn will sich an diesem Mittwoch in Beirut vor der Presse erklären.

Eine Sprecherin Ghosns nannte den Haftbefehl gegen Carole Ghosn gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters "erbärmlich": Als der Ex-Automanager zum letzten Mal eine Pressekonferenz einberufen habe, sei er selbst verhaftet worden; nun, kurz vor seinem Statement aus Beirut, gebe es einen Haftbefehl gegen seine Frau.

luk / dpa-afx, Reuters

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