Freitag, 19. April 2019

In Japan in U-Haft Ghosn klagt gegen Haft

Carlos Ghosn: Der noch Renault-Chef klagt gegen die Verlängerung der Untersuchungshaft

Seit dem 19. November sitzt Carlos Ghosn, der Ex-Nissan-Chef, nun hinter Gittern in Untersuchungshaft. Jetzt hat der Automanager Klage eingereicht, nachdem ein Gericht die Untersuchungshaft bis mindestens zum 20. Dezember verlängert hat. Ghosns Klage richtet sich gegen die Verlängerung der Untersuchungshaft. Das erklärtedas Bezirksgericht in Tokio am Dienstag. Ghosns Anwalt in Tokio, Motonari Otsuru, war für einen Kommentar nicht erreichbar.

Die Strafverfolger in Tokio werfen dem Automanager vor, jahrelang sein Einkommen nicht vollständig angegeben zu haben. Die Anschuldigungen konzentrierten sich zunächst auf die Geschäftsberichte von 2010 bis 2015. In ihnen soll gesetzeswidrig nur die Hälfte der insgesamt geflossenen 77 Millionen Euro Vergütung angegeben worden sein.

Ghosn, der formell noch Chef des Nissan-Großaktionärs Renault ist, hat bislang über seine Anwälte keine Stellungnahme abgegeben. Japanische Medien berichteten jedoch, er habe die Vorwürfe zurückgewiesen.

Das Gericht in Tokio begründete die Verlängerung der Untersuchungshaft für mit neuen Anschuldigungen, die die Staatsanwaltschaft am Vortag erhoben hatte. Demnach war Ghosns Einkommen auch für die Jahre 2016 bis 2018 in den vorgeschriebenen Offenlegungsberichten um 4,2 Milliarden Yen (33 Mio. Euro) zu niedrig angegeben worden. Die Haftverlängerung erfolgte einen Tag, nachdem die Staatsanwaltschaft Klage gegen Ghosn, seine frühere rechte Hand Greg Kelly sowie gegen Nissan selbst erhoben hatte.

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Ghosn und Kelly waren am 19. November festgenommen worden. Sie sollen gegen japanische Börsenauflagen verstoßen haben, indem zwischen 2011 und 2015 nur die Hälfte von Ghosns Einkommens von insgesamt zehn Milliarden Yen ausgewiesen worden sei. Ghosn soll Medienberichten zufolge zwar gegenüber der Staatsanwaltschaft eingeräumt haben, dass seine Einkommensansprüche nicht vollständig angegeben worden seien. Das sei aber auch nicht nötig gewesen, da es sich um Gehaltszahlungen gehandelt habe, die erst nach seinem Ausscheiden bei Nissan hätten gezahlt werden sollen. Und das sei noch nicht festgezurrt gewesen.



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Ein Termin für einen Prozess wurde wie in Japan üblich noch nicht festgesetzt. Die Staatsanwaltschaft kann weitere Anschuldigungen erheben, um die Untersuchungshaft weiter zu verlängern. Wann die Männer freikommen, ist ungewiss. Bei einer Verurteilung könnte dem Manager bis zu zehn Jahre ins Gefängnis drohen.

rtr/dpa/akn

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