Freitag, 26. April 2019

Ghosn erhebt schwere Vorwürfe gegen Nissan "Opfer einer Verschwörung und eines Verrats"

Inhaftierter Automanager Carlos Ghosn: Die Nissan-Führung wollte ihn angeblich los werden

Der inhaftierte Ex-Autoboss Carlos Ghosn hat schwere Vorwürfe gegen die Führungsspitze des japanischen Renault-Partners Nissan Börsen-Chart zeigen erhoben. Ghosn sieht sich als Opfer einer "Verschwörung und eines Verrats" durch die Spitze des Autobauers Nissan.

Der 64-Jährige sagte der Wirtschaftszeitung "Nikkei" in seinem ersten Interview seit der Verhaftung, er habe "keinen Zweifel" daran, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe damit zusammenhingen, dass die Nissan-Spitze eine engere Verflechtung mit dem Renault-Konzern verhindern wollte. Er selbst habe das Bündnis zwischen Renault Börsen-Chart zeigen, Nissan und Mitsubishi vertiefen wollen. Das Projekt sei im September gemeinsam mit Nissan-Chef Hiroto Saikawa "angepackt" worden.

Der Autobauer reagierte umgehend auf das Interview: Saikawa habe den Vorwurf eines Putsches gegen Ghosn bereits "kategorisch zurückgewiesen", hieß es. Die gegen Ghosn laufende Ermittlung habe vielmehr "signifikante und überzeugende Beweise" für ein Fehlverhalten Ghosns hervorgebracht.

Ghosn: "Ich werde nicht fliehen"

Ghosn wird finanzielles Fehlverhalten und Untreue bei dem japanischen Autokonzern vorgeworfen, dessen Verwaltungsratschef er war. Der 64-Jährige soll seine Einkünfte zu niedrig angegeben haben.

Der Manager hielt laut "Nikkei" dagegen, die jetzt umstrittenen Zahlungen und Immobilienkäufe seien genehmigt gewesen. Die Anschuldigung, er habe unzulässigerweise Millionen von Nissan und Mitsubishi erhalten, sei "eine Verdrehung der Tatsachen".

Der japanische Autobauer hatte den Manager unmittelbar nach seiner Verhaftung von seinem Führungsposten entfernt. Renault hatte gezögert, weil die Gesetzesverstöße nicht erwiesen sind, vergangene Woche dann aber doch den bisherigen Michelin-Chef Jean-Dominique Senard zum Chairman und Interimschef Thierry Bolloré zum regulären Vorstandsvorsitzenden ernannt.


Lesen Sie auch:
Jean-Dominique Senard - dieser Mann soll Renault in die Zukunft führen
Was Carlos Ghosn auszeichnete - und wie er abstürzte


Ghosn sitzt seit dem 19. November in Tokio in Untersuchungshaft. Mehrfach wurde ihm ein Antrag auf Haftentlassung verweigert - die Justiz sieht bei Ghosn Fluchtgefahr sowie die Möglichkeit, dass er Beweise vernichten könnte. Dazu sagte Ghosn der Zeitung: "Ich werde nicht fliehen, ich werde mich verteidigen."

mg/rtr, afp

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung