Freitag, 23. August 2019

Wettbewerber könnten Autos weiterreichen Porsche-Käufer zahlen bei hartem Brexit deutlich mehr

Porsche-Käufer in Großbritannien könnten Preiserhöhungen noch verschmerzen. Doch vermutlich dürften bei einem harten Brexit auch andere Autobauer dem Beispiel der Sportwagenschmiede folgen und anfallende Zölle an die Kunden weiterreichen
Getty Images Europe
Porsche-Käufer in Großbritannien könnten Preiserhöhungen noch verschmerzen. Doch vermutlich dürften bei einem harten Brexit auch andere Autobauer dem Beispiel der Sportwagenschmiede folgen und anfallende Zölle an die Kunden weiterreichen

Als ob das Gezerre um den Brexit der britischen Wirtschaft nicht schon genug schadete - für den Fall eines ungeregelten Austritts Großbritanniens aus der EU will Porsche die Preise empfindlich erhöhen. Ziehen andere Autobauer gleich und reichen Zölle direkt an die Käufer weiter, wird das die britische Autoindustrie weiter nach unten ziehen. Und die Einschläge mehren sich: Honda schließt seine Fabrik in England.

Im Falle eines ungeregelten Brexit wird Porsche die Preise für Kunden in Großbritannien empfindlich erhöhen. So lässt sich der Sportwagenhersteller von Käufern bereits jetzt schriftlich zusichern, dass sie die Kosten eines möglichen Zolltarifs zusätzlich zum Kaufpreis tragen werden. Das bestätigte der Autobauer gegenüber der britischen Autozeitschrift "Car Dealer".

Porsche schließt in einer Antwort an das Magazin nicht aus, dass auf nach dem Stichtag 29. März in Großbritannien eingeführte Fahrzeuge ein Zoll von 10 Prozent erhoben wird. Man werde diese Kosten an die Kunden weiterreichen und habe sie darüber informiert. Porsche bezeichnet den Schritt als Vorsichtsmaßnahme. Kunden, die ihr Fahrzeug vor dem 17. Januar bestellt haben, seien nicht davon betroffen, schreibt das Magazin weiter.

Das Standardmodell des Porsche Macan würde sich damit von 46.344 auf 50.987 britische Pfund verteuern und das Einsteigermodell des Porsche 911 von 93.110 auf 102.421 britische Pfund, rechnet das Blatt vor.

Ziehen Volkswagen, Audi und andere Autobauer nach?

Ob Volkswagen auch die Preise für in Großbritannien eingeführte andere Konzernmarken wie VW, Seat oder Audi analog erhöhen wird, wollte ein Sprecher nicht bestätigen noch dementieren. Unklar ist dem Bericht zufolge, ob auch andere Hersteller dem Beispiel von Porsche folgen werden.

Die Zeitschrift zitiert einen namentlich nicht genannten Chef einer Händlergruppe, die mehrere europäische Hersteller im Portfolio führt, mit den Worten: "Meine Botschaft wäre, bestellen und kaufen Sie ihr Auto vor Ende März. Nur so können Sie sichergehen, dass der Preis nach dem Brexit nicht steigt."

Nach Berechnungen der britischen "Society of Motor Manufacturers and Traders" (SMMT) könnten allein die Einfuhrzölle den Listenpreis eines importierten Autos um 1500 britische Pfund im Schnitt erhöhen, wenn die Hersteller und Händler diese zusätzlichen Kosten nicht auffangen wollten. Der britische Automobilverband wollte aber weder den Bericht noch die Ankündigung von Porsche kommentieren.

Andere Experten interpretieren Porsches Ankündigung als schlechtes Zeichen für die ohnehin schwächelnde Branche in Großbritannien. So könnten potentielle Käufer den Erwerb eines Autos weiter aufschieben und damit die Autobauer und Zulieferbetriebe auf der Insel weiter unter Druck setzen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung